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Inzidenz in der Region Trier niedrig: Liegt es an Luxemburg?

Coronavirus : Verhältnismäßig niedrige Inzidenzen in der Region: Was Luxemburg damit zu tun hat

Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Region liegt deutlich unter dem Landesschnitt. Welche Rolle spielt dabei der Luxemburg-Effekt?

Betrachtet man die reinen Zahlen, steht die Region in Sachen Corona derzeit gut dar. Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche, liegt deutlich unter dem Landesschnitt. In Trier-Saarburg beträgt sie 51,5 und liegt damit knapp über dem Warnwert von 50, der als Zielmarke der Corona-Maßnahmen gilt. Trier-Saarburg liegt damit nach der Stadt Zweibrücken (35,1) an zweiter Stelle im Land was die Inzidenzen angeht. In Trier beträgt die Inzidenz 59,2, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 54,5, in der Vulkaneifel liegt der Wert über 70 und in Bernkastel-Wittlich über 90. Landesweit ist die Inzidenz gestern auf 118,7 gefallen.

Doch woran liegt es, dass die Zahlen in der Region vergleichsweise niedrig sind und die Inzidenz vor allem in Trier, Trier-Saarburg und im Eifelkreis seit Tagen zurückgeht?  Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Eine Rolle könnte nach Ansicht von Experten in den Gesundheitsämtern der sogenannte Luxemburg-Effekt spielen. Im Nachbarland wurde über die Feiertage und den Jahreswechsel weniger gearbeitet, viele Pendler waren also zu Hause. Nach Weihnachten hat es einen harten Lockdown gegeben. Alle Geschäfte bis auf Lebensmittelmärkte waren geschlossen. Dadurch gab es auch weniger Einkaufstourismus ins Nachbarland.

Auch kommt womöglich ein Effekt zum Tragen, der derzeit auch hierzulande an Fahrt gewinnt: Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel appellierte im Dezember an die Arbeitgeber eindringlich, dort wo möglich, auf Homeoffice umzustellen. Bereits zu Beginn der Pandemie machte sich dieser Effekt bei den Infektionszahlen diesseits der Grenze positiv bemerkbar. Eine Studie der Uni Mannheim belegt, dass ein Prozentpunkt mehr Arbeitnehmer, die von zu Hause arbeiten, die Infektionsrate um bis zu acht Prozent verringern könnte.

Während hierzulande die Corona-Schutzmaßnahmen Anfang der Woche verschärft wurden, wurden diese in Luxemburg gelockert. Alle Geschäfte sind wieder geöffnet, auch die Schulen.

In der Region betrachtet man diese Entscheidung mit Sorge. Trier-Saarburgs Landrat Günther Schartz (CDU) zeigt sich enttäuscht, dass es vorab keine Information der luxemburgischen Regierung an die Kommunen diesseits der Grenze gab.   Zumal er bereits zweimal in einer Videokonferenz eine bessere Kommunikation zwischen den Nachbarn angestoßen habe und dies auch von luxemburgischer Regierungsseite zugesagt worden war, teilte Schartz unserer Zeitung mit. „Die Anstrengungen zur Wiederöffnung der Grenzen im Frühjahr oder die schnelle Regelungen der Bundesregierung zur Entlastung bei steuerlichen Fragen, also der Aussetzung der sogenannten 19-Tage-Regelung, für die Grenzgänger zeigen, dass man die luxemburgischen Belange in der Corona-Pandemie stark berücksichtigt.“ Dies wünsche man sich auch gegenseitig, so der Landrat.

Während in Deutschland von Lockerungen noch längst keine Rede ist, im Gegenteil, es wird angesichts eines bundesweiten Inzidenzwertes von 151, über weitere Verschärfungen nachgedacht, erfolgte die Entscheidung über die Öffnung der Geschäfte in Luxemburg bei einem Inzidenzwert von knapp unter 200. Vergangene Woche ist der Wert auf 165 gefallen, auch die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen ist zurückgegangen, sie lag in der ersten Januarwoche bei 1036. In der Woche davor betrug sie 1135.

Schartz sieht aber keinen Grund zur Entwarnung, was das Nachbarland angeht: „Wir appellieren an die Bürger, nur in notwendigen Fällen nach Luxemburg zu fahren und auch dort die AHA-Regeln zu beachten.“ In Luxemburg selbst rechnet man nach Auskunft einer Sprecherin des dortigen Gesundheitsministeriums ohnehin nicht mit einem „scharenweisen Andrang“ aus Deutschland.

Trotzdem werden die Gesundheitsämter in der Region die Entwicklung in Luxemburg aufmerksam  verfolgen. Auch im Hinblick auf die mutierte Virus-Variante, die seit Ende vergangenen Jahres bereits sechs Mal im Nachbarland nachgewiesen wurde. Die Experten in der Region wissen aber, dass der Luxemburg-Effekt nur eine Ursache  für das Infektionsgeschehen in der Region ist. Schaut man sich die Inzidenzen in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz an, erkennt man, dass sie überall in den vergangenen Wochen zum Teil deutlich gesunken sind. Nur in Ludwigshafen und Worms liegen sie weiterhin über 200. Bereits im Frühjahr waren vor allem Ballungsräume von starken Anstiegen der Infektionszahlen betroffen, anders als die Region, in der die erste Welle vergleichsweise glimpflich verlaufen war. In den Kliniken war die Lage im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres zumindest nicht angespannt.

Das hat sich mit der zweiten Welle zwar verändert. Aber eine flächendeckende Überlastung der hiesigen Intensivstationen hat es bislang nicht gegeben, auch wenn die Zahl der an Covid gestorbenen Patienten seit Oktober deutlich gestiegen ist. Seit Wochen spielt sich das Infektionsgeschehen in der Region hauptsächlich in den Pflegeheimen ab. Dort haben sich deutlich mehr Menschen mit Corona infiziert und sind infolgedessen auch gestorben als zu Beginn der Pandemie. Das zeigt sich auch im Land. Seit März sind in Rheinland-Pfalz 562 Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen lebten, an Covid gestorben, davon allein 471 seit Oktober.