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Verbraucher : Ist nur Bares Wahres?

Verbraucher : Ist nur Bares Wahres?

Warum die Deutschen weiter an Münzen und Scheinen festhalten. Sparkassen und Banken werben verstärkt für mobile Zahlsysteme.

Wer kennt das nicht: Vor dem Automaten im Parkhaus bildet sich mal wieder eine lange Schlange, weil gerade ein Benutzer seine Gebühr mit kleinen Münzen zahlt und diese langsam, nach und nach einwirft. In nur wenigen Parkhäusern in der Region kann man bargeldlos zahlen. Und dort, wo man es kann, da braucht es dann auch noch die richtige Karte. Wie die Luxemburgerin Claudia Ewen erfahren musste. Sie parkte ihr Auto wie so oft in einem Kaufhaus-Parkhaus in der Trierer Innenstadt. Als sie nach ein paar  Stunden zurückkam und am Parkautomaten zahlen wollte,  musste sie „erstaunt lesen und zur Kenntnis nehmen, dass am Kassenautomat neben Bargeld nur deutsche EC-Karten akzeptiert werden“, erzählt Ewen.  „Ich war ehrlich gesagt erstaunt, wenn nicht sogar leicht entsetzt. Wie kann es sein, dass in einer modernen Stadt, die sehr viel vom Grenzverkehr lebt, Parkautomaten mit solchen Restriktionen stehen?“

In anderen Ländern sei es selbstverständlich, dass internationale Kreditkarten akzeptiert würden.  Selbst in Rumänien, wie sich die Luxemburgerin erinnert: „Vor ungefähr 15 Jahren war ich in dem   Land, dessen Standard damals um einiges hinter unserem zurücklag. Aber immerhin konnte ich dort damals schon ein Eis für circa 1,50 Euro mit meiner luxemburgischen Kreditkarte bezahlen.“

Dass das an einem Kassenautomat eines großen Kaufhauses nicht möglich sei, ist für  sie „einfach unfassbar“.

Das Erlebnis der Luxemburgerin zeigt, dass bargeldloses Zahlen auch in der heutigen Zeit noch immer seine Tücken hat. Vor allem Besucher aus dem benachbarten Ausland reagieren oft mit Unverständnis, wenn sie sehen, wie wenig hierzulande bargeldloses Zahlen noch verbreitet ist. In Luxemburg zum Beispiel werden zwei Drittel aller Zahlungen mit Karte gemacht. Und mehr als ein Viertel der Menschen im Nachbarland ist bereit, die Münzen und Scheine im Geldbeutel aufzugeben und elektronisch zu zahlen.

In Deutschland hingegen hängen die Bürger an Scheinen und Münzen. Von jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen im Einzelhandel erfolgen die meist cash. „Drei von vier Zahlungen an der Ladenkasse werden in bar abgewickelt“, sagt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann.  Vor allem bei kleinen Beiträgen greifen die Menschen zu Scheinen und Münzen. Größere Anschaffungen, zum Beispiel das neue Sofa, werden dagegen eher mit Karte bezahlt.

Dabei machen es neue technische Möglichkeiten wie etwa das sogenannte kontaktlose Bezahlen gerade für kleinere Beträge einfacher Bargeld im Geldbeutel zu lassen. Dabei muss an der Kasse  keine Karte mehr in ein Lesegerät gesteckt werden. Es reicht aus,  wenn die Karten eng an die neuen Lesegeräte gehalten werden. Auch Zahlungen mit Smartphones oder smarten Armbanduhren sind möglich. „Das mobile Bezahlen eignet sich vor allem für kleinere Beträge“, heißt es etwa bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Der Grund: Bis zu einem Betrag von 25 Euro können Zahlungen meist ohne Eingabe der Geheimnummer vorgenommen werden.

Nach einer Erhebung der Europäischen Zentralbank wird Papiergeld  in Europa immer weniger genutzt. Das Verhältnis Bargeld-elektronisches Geld steht eins zu neun. Für jeden Euro, der bar ausgegeben wird, werden neun elektronisch überwiesen. Verbraucher, die kein Bargeld in die Hand nehmen, griffen  2016 zu 49 Prozent zu EC- oder Kreditkarten.

„Auf dem Markt der kontaktlosen Bezahlsysteme ist momentan sehr viel Bewegung“, sagt Sebastian Klipp, Sprecher der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK). Vor allem bei Jüngeren sei der Trend zum bargeldlosen Zahlen erkennbar. „Aber“, so die Erkenntnis der Kammer, „wir stehen hierzulande noch am Anfang der Entwicklung.“

Wie träge diese Entwicklung ist, zeigt sich auch am Beispiel des öffentlichen Nahverkehrs. In Bussen oder Nahverkehrszügen in der Region ist es nicht möglich mit Karte zu zahlen. Erst seit Sommer vergangenen Jahres gibt es die Möglichkeit, ein sogenanntes Handy-Ticket zu kaufen. Dabei lädt man sich seine Fahrkarte aufs Smartphone, gezahlt wird bargeldlos über einen Online-Bezahldienst. In Luxemburg, gibt es diese Möglichkeit schon deutlich länger.

Mittlerweile setzen auch die Sparkassen und Banken in der Region auf eigene Online-Bezahlsysteme wie zum Beispiel paydirekt. 4500 Kunden nutzten dieses Angebot, heißt es etwa bei der Sparkasse Trier. Diese wirbt auch aktiv für mobiles Bezahlen und die „digitale Geldbörse“, bei der mit dem Smartphone kontaktlos bezahlt wird. Und den Firmenkunden machen sie das kontaktlose Zahlen schmackhaft, indem sie versprechen: „Schnelleres Kassieren und geringe Warte­zeiten – somit mehr Zeit für Ihre Kunden­beratung.“

Und wer weiß, vielleicht gewinnen sie für die moderne Zahlmethode über kurz oder lang auch die Kirchen in der Region. Während es in einigen Kirchengemeinden etwa in Norddeutschland bereits sogenannte virtuelle Klingelbeutel gibt – statt Bargeld in den Korb zu werfen, spenden die Kirchgänger die Kollekte per Smartphone-App – sucht man solche Möglichkeiten im Bistum Trier oder bei der Evangelischen Kirche in der Region noch vergeblich. Allerdings zeigten sich Vertreter beider Kirchen im vergangenen Jahr dem bargeldlosen Klingelbeutel nicht abgeneigt. „Wir stehen derartigen Dingen durchaus aufgeschlossen gegenüber“, verlautete es aus dem Bistum. Die digitale Variante der Kollekte sei „sicher eine gute Ergänzung zum traditionellen Klingelbeutel“, hieß es bei der Evangelische Kirche.