Jetzt kommen die ersten XXL-Pfarreien: Für kleine Kirchengemeinden tickt die Uhr

Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv November 2019 : Jetzt kommen die ersten XXL-Pfarreien: Für kleine Kirchengemeinden tickt die Uhr

Mit dem Erlass der Dekrete für die neuen XXL-Pfarreien macht Bischof Stephan Ackermann einen weiteren Schritt hin zu seiner Strukturreform. Das finden längst nicht alle Gläubigen gut.

Die Bildung der ersten 15 Großpfarreien im Bistum Trier ist nahezu perfekt: Bischof Stephan Ackermann hat am Mittwoch die Dekrete zur Errichtung der neuen Pfarreien erlassen. Damit werden die bisherigen Kirchengemeinden im Bereich der künftigen XXL-Pfarreien zum 1. Januar aufgehoben. Zudem sind in den Dekreten der Name sowie der Pfarrort der neuen Großpfarrei festgelegt. Aus der Region Trier ist beim Auftakt nur die XXL-Pfarrei Wittlich dabei. Die übrigen 20 Großpfarreien sollen zum 1. Januar 2021 folgen.

Dem Erlass der Dekrete war eine sogenannte Anhörung vorausgegangen. Die Priester und Gremien der betroffenen Pfarreien konnten sich zur geplanten Auflösung ihrer Kirchengemeinden und zu anderen Inhalten der Strukturreform äußern. Das Ergebnis habe ein differenziertes Bild von Zustimmung und Ablehnung ergeben, kommentierte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg die Rückläufe.

Nach der unserer Zeitung vorliegenden Auswertung sprachen sich 44 Prozent der Befragten gegen die Auflösung der Pfarreien aus. 29 Prozent stimmten zu, 23 Prozent war es egal. Im Bereich der neuen Wittlicher Großpfarrei hielten sich Ablehnung und Zustimmung in etwa die Waage. Andernorts, etwa in Neuwied, zeigten 60 Prozent der Befragten mit den Daumen nach unten. Das sei nachvollziehbar, meinte der Generalvikar, weil es dort eine hohe Identifikation mit den jetzigen Pfarreien und der bisherigen Gremienstruktur gebe.

Für die Verantwortlichen im Generalvikariat dürften die Ergebnisse der Anhörung kaum überraschend gewesen sein. Schon bei der ersten Anhörung im Sommer waren die Reformpläne des Bistums auf reichlich  Skepsis gestoßen. Über ein Drittel der Rückmeldungen (37 Prozent) waren seinerzeit negativ; 32 Prozent äußerten sich eher positiv. Auf überdurchschnittlich große Abneigung stießen die Umstrukturierungspläne ausgerechnet bei den Priestern.

„Wir gehen den vorgeschlagenen Weg der Synodenumsetzung konsequent weiter“, lautete am Mittwoch die Parole aus dem Bistum. Die Anhörungsergebnisse sind für Bischof Stephan Ackermann ohnehin nicht bindend. Sie sollten nur Hinweise drauf geben, wo eventuell Änderungen notwendig seien, sagt eine Sprecherin.

Auch gegen die nun erlassenen Dekrete kann innerhalb von zehn Tagen Beschwerde beim Bischof eingelegt werden. Die reformkritische Bewegung Kirchengemeinde vor Ort hat die Gläubigen aus den betroffenen Pfarreien aufgefordert, dies auch zu tun. „Jeder von der Neuordnung betroffene Christ kann sich beschweren“, sagt Sprecher Harald Cronauer unter Verweis auf ein Musterschreiben, das die Initiative auf ihrer Homepage veröffentlichen wolle.

Bistumssprecherin Judith Rupp sagt, dass auch die Beschwerden für den Bischof nicht bindend seien: „Er ist der Gesetzgeber.“

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