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Joachim Streit kandidiert bei der Landtagswahl für die Freien Wähler

Wahlkampf für 2021 : Joachim Streit kandidiert bei der Landtagswahl für die Freien Wähler

Die Freien Wähler wollen 2021 vom Erfolg des Eifelkreis-Landrats Joachim Streit profitieren. Er kandidiert im nächsten Jahr bei der Landtagswahl für die Partei.

Während der Corona-Epidemie verging kaum eine Woche, in der sich der Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit nicht zu Wort gemeldet hat. Mal ging’s um eine Entschädigungsregelung für Betriebe, die virusbedingt schließen mussten, mal suchte Streit Pflegekräfte und medizinisches Hilfspersonal, und mal forderte er Bundesinnenminister Horst Seehofer dazu auf, die Grenzkontrollen nach Luxemburg zu endlich lockern. Wohl kaum ein anderer Politiker in der Region trommelte zuletzt derart lautstark und öffentlichkeitswirksam.

Seit dieser Woche steht fest, dass es dem 55-jährigen Eifelkreis-Landrat womöglich nicht ausschließlich um die Sache ging, sondern zumindest auch ein bisschen um die eigene Person. Am Dienstag gaben die Freien Wähler in Rheinland-Pfalz bekannt, dass sie mit Joachim Streit als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im nächsten Jahr ziehen werden. Streit verkörpere seit vielen Jahren die bürgernahe und sachbezogene Politik, die Freie Wähler  auszeichne, begründete Landesvorsitzender Stephan Wefelscheid die Nominierung, die noch von einem Parteitag abgesegnet werden muss.

Die Kandidatur mit einer Landesliste ist für die rheinland-pfälzischen Freien ein Novum. Bislang trat die Partei – neben Direktkandidaten in den einzelnen Wahlkreisen – mit vier Bezirkslisten an, was den Wahlkampf nicht gerade erleichterte. Entsprechend ernüchternd fielen in den zurückliegenden Jahren die Ergebnisse aus. Bei der letzten Landtagswahl vor vier Jahren holten die Freien Wähler landesweit gerade einmal 2,2 Prozent der Stimmen – und scheiterten damit zum wiederholten Mal deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.

Das soll bei der Wahl im nächsten Frühjahr anders werden. Neidisch schielen die rheinland-pfälzischen Freien dabei nach Bayern, wo die Freien Wähler inzwischen sogar nicht nur im Landtag sitzen, sondern mit der CSU die Regierung stellen. „Das ist Antrieb für mich“, sagt der designierte rheinland-pfälzische Spitzenkandidat Joachim Streit selbstbewusst. Für den promovierten Juristen ist die Kandidatur keine Premiere. Schon bei der Landtagswahl 2011 kandidierte der Bitburg-Prümer Landrat auf Platz eins der Bezirksliste und fuhr mit rund zwölf Prozent in seinem Heimatkreis ein beachtliches Ergebnis ein. Für den Sprung nach Mainz reichte das Abschneiden der Freien Wähler allerdings nicht.

Warum tritt der 2017 als Landrat wiedergewählte Bitburger denn nun ein zweites Mal an? „Die Zeiten und die Menschen haben sich geändert“, sagt der 55-Jährige und fügt hinzu: „Die Leute sind die größeren Parteien irgendwann leid.“

Allerdings mögen die Wähler auch keine zerstrittenen Parteien. Anfang  des Jahres löste sich der Trierer Kreisverband der Freien Wähler auf, weil es Knatsch wegen der Kandidatenplätze für die Landtagswahl gab. Solche Misstöne wären im Wahlkampf eine Katastrophe.

Doch bis dahin ist es ja noch ein bisschen. Zunächst muss Joachim Streit  bei einem Open-Air-Parteitag Ende Juni in Bitburg von der Basis offiziell zum Spitzenkandidaten gekürt werden. Das dürfte reine Formsache sein. Streits übergreifendes Motto für den Wahlkampf steht bereits fest: „Alle kommen mit.“ Mit diesem Slogan zog der dreifache Vater einst auch erfolgreich in den Landratswahlkampf. Bei seiner Wiederwahl im September vor drei Jahren kam Streit auf satte 88,4 Prozent – wenn auch ohne Gegenkandidat. Ein solches Ergebnis kommt nicht angeflogen – und es beflügelt.

Und womit will der auch für sein markantes Lachen bekannte Bitburger im Wahlkampf punkten? Streit nennt als Themenschwerpunkte Digitalisierung, Mobilfunkausbau, Schulen- und Kindertagesstätten, die Gesundheitsversorgung und den Öffentlichen Personennahverkehr, wo er ein 365-Euro-Ticket einführen will. Wer an seinen Ankündigungen zweifelt, den verweist der Landrat und ehemalige Bürgermeister auf sein langjähriges Wirken im Eifelkreis: „Was ich sage, das mache ich auch.“