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Saar-Polizei trauert um 22-jährige Kollegin
Polizistin verunglückt tödlich bei Verfolgungsjagd in Saarbrücken

FOTO: dpa / Becker & Bredel
Bei einer Verfolgungsfahrt am frühen Samstagmorgen ist eine 22-jährige Kommissarin im Saarbrücker Stadtteil Güdingen tödlich verunglückt. Ihr Kollege, der den Streifenwagen steuerte, wurde schwer verletzt. Von Michael Jungmann

Die Beamten der Saarbrücker Polizeiinspektion sind tief geschockt. Polizeiarzt, Seelsorger und Psychologen sind im Betreuungseinsatz.

Erst vor wenigen Wochen erhielt die junge Polizistin Charlotte B. (22) nach erfolgreicher Ausbildung ihre offizielle Ernennungsurkunde zur Kommissarin. Am Samstagmorgen starb sie bei einem schweren Verkehrsunfall mit ihrem Streifenwagen auf einer Einsatzfahrt mit Sondersignalen in der Großblittersdorfer Straße im Saarbrücker Stadtteil Güdingen. Der Mercedes C Kombi kam, so erste Angaben am Unfallort, vermutlich in einem Kreisel von der Fahrbahn ab und überschlug sich. Die Beifahrerin konnte von der Feuerwehr nur noch tot aus dem Wrack geborgen werden. Ihr Kollege, der den Wagen steuerte, kam mit schweren Verletzungen in eine Klinik. Das Wrack des Streifenwagen wurde sichergestellt.

Die Kommissarin und ihr Kollege verfolgten einen Franzosen, der angeblich stark betrunken in einem Alfa Romeo mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Grenze unterwegs war. Zeugen hatten darüber die Polizei alarmiert. Die französische Gendarmerie konnte, so SZ-Informationen, den 25 Jahre alten Franzosen später in Lothringen ermitteln. Er stellte sich anschließend freiwillig auf einer Saarbrücker Polizeidienststelle.

Die Dienstgruppe, der die Verstorbene in der Saarbrücker Polizeiinspektion (Karcherstraße) angehörte, hatte erst kurz vor dem Unfall ihre Frühschicht angetreten. Die Polizisten reagierten auf die Todesnachricht geschockt. Die gesamte Dienstgruppe wurde von Polizeiseelsorgern, Psychologen und dem Polizeiarzt betreut. Kollegen wurden gerufen, um die betroffene Dienstschicht abzulösen. Landespolizeipräsident Norbert Rupp und Inspektionsleiter Udo Schneider kümmerten sich ebenfalls um die Mannschaft. Auch die Familie der jungen Frau, die in Bous wohnte, wird betreut.

Wie es heißt, soll auch ihr Lebensgefährte, der in einer anderen Inspektion zeitgleich im Einsatz war, an den Unfallort geeilt sein.

Innenminister Klaus Bouillon (CDU), der in Leipzig weilt, Staatssekretär Christian Seel (CDU) sowie Petra Berg (SPD), innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sprachen der Familie des Opfers und ihren Kollegen ihr tiefes Mitgefühl aus. Alle Streifenwagen der saarländischen Polizei sind zwischenzeitlich mit Trauerflor unterwegs.