Kampfflieger lässt bei Nato-Übung Kerosin ab und kehrt zum Bundeswehr-Flugplatz Büchel zurück.

Kostenpflichtiger Inhalt: Umwelt : Neuer Zwischenfall mit Militärjet über der Eifel

Über der Eifel hat es nach Informationen unserer Zeitung einen neuen Zwischenfall mit einem Militärjet gegeben. Im Rahmen einer geheimen Nato-Übung, in die auch der Fliegerhorst Büchel (Kreis Cochem-Zell) einbezogen war, ließ am Freitagmittag vermutlich ein F-15-Kampfjet 3600 Kilogramm Kerosin ab. Zu den Hintergründen wurde zunächst nicht bekannt.

Nur anderthalb Wochen nach dem Absturz einer amerikanischen F-16 nahe Zemmer-Rodt in der Süd-Eifel ist es nördlich des Bundeswehr-Fliegerhorstes Büchel am vergangenen Freitag zu einem weiteren Zwischenfall mit einem Militärjet gekommen. Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, hat ein Kampfflugzeug vom Typ F-15 zwischen 11.27 und 11.32 Uhr rund 3,6 Tonnen Kerosin abgelassen. Aus welchem Grund, ist noch unklar. Eine entsprechende Anfrage beim Luftfahrtbundesamt blieb am Montag unbeantwortet.

Nach Angaben von DFS-Sprecherin Ute Otterbein kam der Militärjet vom Stützpunkt Büchel und flog auch wieder dorthin zurück. Als Luftraum, wo die Maschine das Kerosin abließ, wurde der Flugsicherung ein Gebiet „15 nautische Meilen nördlich von Büchel in einem 20-Meilen-Radius genannt“. Eine nautische Meile entspricht rund 1,85 Kilometern. Damit dürfte zumindest die Vulkaneifel von dem sogenannten Fuel dumping betroffen gewesen sein. Der Militärjet flog zu dem Zeitpunkt in einer Höhe von rund 4200 Metern.

In der vergangenen Woche soll in Büchel eine geheime Nato-Übung namens Steadfast Noon abgehalten worden sein. Steadfast Noon – „Standhaft am Mittag“ – werden die jährlichen Übungen von Luftstreitkräften der Nato-Länder genannt, bei denen der Einsatz von Jagdbombern trainiert wird, die im Ernstfall mit Atomwaffen bestückt werden könnten. An den Übungen sind auch Staaten wie Deutschland beteiligt, die keine eigenen Atomwaffen haben. Auf dem Fliegerhorst Büchel sollen 20 amerikanische Atombomben vom Typ B61 gelagert sein, die im Ernstfall auch von deutschen Tornados abgeworfen werden könnten.

Nach Angaben von Militärexperten wird bei den regelmäßig stattfindenden Manövern geübt, wie man die US-Atomwaffen sicher aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und montiert. Bei Übungsflügen werde allerdings ohne Bomben geflogen. Neben Büchel soll nach Informationen der Initiative „Büchel atomwaffenfrei“ auch der nordrhein-westfälische Luftwaffen-Standort Nörvenich an der mehrtägigen Nato-Übung beteiligt gewesen sein. Die F-15, die laut DFS-Sprecherin Otterbein das Kerosin abgelassen hat, könnte im englischen Lakenheath stationiert sein. Dort betreiben die US-Militärs eine Airbase. Ebenso wie die Tornados sollen auch die F-15-Jets die Atombomben im Ernstfall transportieren und abwerfen können.

Das Ablassen von Kerosin durch Militär- oder Passagierflugzeuge sorgt schon seit Jahren bei der Bevölkerung immer wieder für Verärgerung. Wegen ihrer Nähe zu zivilen und militärischen Flugplätzen sind besonders die Bürger in der Eifel, Pfalz und auf dem Hunsrück von den Treibstoffablässen betroffen.

Die sogenannten Fuel dumpings sind seit vergangenem Jahr zeitnah auf der Internetseite des Luftfahrtbundesamts abrufbar. Laut der Statistik hat es deutschlandweit in diesem Jahr bislang 17 Treibstoffablässe gegeben, davon fünf über rheinland-pfälzischem Gebiet. In der Regel kommt es dazu in Notlagen, damit Flugzeuge mit weniger Gewicht landen können. Die Deutsche Flugsicherung teilt den Piloten dafür Flughöhen und Gebiete zu. Anfang des Jahres hieß es in einer Risiko-Einschätzung des Umweltbundesamts, dass die Menge der am Boden ankommenden Kerosinrückstände unkritisch sei. Dies wird von Kritikern bezweifelt.

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