Karnevalist aus Trier mit Kabelbinder fast stranguliert - Polizei sucht Täter

Kostenpflichtiger Inhalt: Körperverletzung in Köln : Mitten in Köln: Mann aus Trier mit Kabelbinder fast umgebracht

Die Kölner Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gegründet, um herauszufinden, wer einem 22-jährigen Trierer am Montag in Köln einen Kabelbinder um den Hals gelegt und zugezogen hat. Derzeit gehen die Ermittler von drei weiteren ähnlichen Überfällen aus.

Die Polizei spricht von einem bisher in Deutschland noch nicht bekannten Delikt: Ein Unbekannter hat am Montag in Köln einem 22-jährigen Trierer, der dort am Heumarkt mitten in der Altstadt gemeinsam mit zigtausend anderen den Auftakt zur fünften Jahreszeit gefeiert hat, ohne Vorwarnung einen Kabelbinder um den Hals gelegt und zugezogen. Nur weil der junge Mann geistesgegenwärtig direkt zum nächsten, wenige hundert Meter entfernten Sanitätszelt ging und der Kabelbinder dort aufgeschnitten werden konnte, wurde vermutlich Schlimmeres verhindert.

Begleiter hätten berichtet, dass das Gesicht des Mannes bereits blau angelaufen sei, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei auf Anfrage unserer Zeitung am Dienstag. Laut den behandelnden Rettungssanitätern und dem im Zelt anwesenden Notarzt sei der Kabelbinder so fest zugezogen gewesen, dass dadurch die Durchblutung des Gehirns eingeschränkt gewesen sei. Das Opfer habe sichtbare Male am Hals, sagte der Polizeisprecher.

Er sprach zudem von einem „absolut neuen“ Delikt. Ihm sei nicht bekannt, dass es vergleichbare Vorfälle zuvor bereits gegeben habe. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Dazu wurde eine Ermittlungsgruppe gebildet.

Vermutlich hat es während des Karnevalstrubels am 11.11. in der Metropole am Rhein noch drei weitere vergleichbare Fälle gegeben, sagte der Polizeisprecher. Ein Sanitäter habe den Kriminalbeamten im Zuge der Ermittlungen berichtet, dass es bereits am frühen Vormittag des 11.11. einen ähnlichen Vorfall gegeben habe. Dabei sei der Kabelbinder locker gewesen und habe den Hilfesuchenden nicht eingeschränkt. Die Polizei habe im Anschluss „vage Hinweise“ auf zwei weitere Fälle erhalten, die jedoch von Zeugen nicht so gravierend dargestellt worden seien. Allerdings hätten sich diese drei mutmaßlichen Opfer bislang noch nicht bei der Polizei gemeldet, hieß es gestern Nachmittag.

Die Hintergründe der Tat seien noch völlig unklar, ebenso ob es sich um einen Einzeltäter oder eine Gruppe handele, sagte der Sprecher. Nach dem Angriff hätten Zivilkräfte der Polizei den möglichen Tatort am Kölner Heumarkt nach Spuren abgesucht. Nun soll der sichergestellte Kabelbinder auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke untersucht werden. Außerdem prüft die Polizei, ob es eventuell private Videoaufnahmen vom Tatort gibt. Zeugen sollen sich bei der Polizei Köln (Telefon: 0221/229-0) melden.

Der Essener Psychotherapeut und Traumexperte Christian Lüdke spricht von einer „extrem hinterhältigen und heimtückischen Tat“, hinter der eine hohe kriminelle Energie stecke. Der oder die Täter wollten damit bewusst Angst und Schrecken verbreiten.

Das Opfer, der 22-jährige Trierer, werde den Angriff vermutlich nicht so leicht wegstecken und leide wohl noch länger unter den psychischen Folgen, sagte Lüdke unserer Zeitung.

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