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Umwelt
Verwirrende Messwerte: Keine erhöhte Strahlung um Cattenom

 Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze, spiegelt sich im Wasser des nahegelegenen Sees.
Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze, spiegelt sich im Wasser des nahegelegenen Sees. FOTO: dpa / epa Karaba
Cattenom/Trier. Von Bernd Wientjes

Elisabeth Quaré ist es als Erster aufgefallen. Die Vorsitzende des Vereins Messen für Aktiven Umweltschutz (Maus) in Trier machte die Beobachtung, dass seit Mitte Januar die Messstationen des französischen Energiekonzerns EDF rund um das von ihm betriebene Kernkraftwerk Cattenom erhöhte Werte für radioaktive Gamma-Strahlung anzeigen (der TV berichtete). Alle 19 Stationen der EDF im Umkreis von 15 Kilometern um die Anlage herum zeigten seitdem eine um 25 Prozent höhere GammaStrahlung an, schrieb Quaré in einem Brief unter anderem an den Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe und auch an den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU). Darin wies sie auch daraufhin, dass alle anderen Messstationen in Luxemburg, im Saarland und auch die von Maus betriebenen demgegenüber  „normale“ Werte anzeigten.  „Wenn die Strahlenintensität rund um das Atomkraftwerk Cattenom nämlich tatsächlich so stark und andauernd gestiegen wäre, müsste man sich größte Sorgen machen“, heißt es in dem Brief.

Dazu besteht nach Auskunft des Sprechers des Kernkraftwerks Cattenom, Antoine Frenoy, jedoch keine Veranlassung. „Erhöhte Messwerte im Umkreis des Kernkraftwerks Cattenom kann die EDF mit Sicherheit ausschließen“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Warum aber zeigen dann die Messstationen rund um das Kraftwerk andere Werte an als die jenseits der Grenze? Die Erklärung, die Frenoy liefert, mutet etwas kurios an. Als Grund nennt er nämlich die Umrechnung von einer Maßeinheit in eine andere, dadurch komme es zu Veränderungen der Messwerte um 20 Prozent.

Genauer: Frenoy zufolge messen die EDF-Stationen die Gamma-Strahlung in Nano-Gray pro Stunde. Das verlange das französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) seit 14. Januar. Das IRSN sammle die Werte aller Strahlenmessstationen in Frankreich und gebe sie an die Europäische Plattform zum Austausch Radiologischer Daten, kurz EURDEP, weiter. Das IRSN veröffentliche aber die Daten aller Strahlenmessstationen in Frankreich in Nano-Sievert pro Stunde. Die Umrechnung von Nano-Gray in Nano-Sievert erfolge  mit dem Faktor von 1,2. Frenoy: „Die Veränderung der beobachteten Werte ergibt sich aus der Änderung der Maßeinheit des IRSN.“ Es handele sich daher „um ein rein technisches und IT-Thema, nicht um eine Erhöhung der Umgebungsstrahlung“. Das beweise auch die Tatsache, dass die Veränderung der Messwerte am 14. Januar 2019 auf dem EURDEP-Portal einen Großteil der französischen Kernkraftwerke betreffe. Wer nun aber die Werte mit denen auf der vom Bundesamt für Strahlenschutz betriebenen Internetseite Radioaktivität in Deutschland vergleichen will, stößt auf das nächste Problem. Dort werden die von den deutschen Stationen ermittelten Messwerte  in Mikro-Sievert angegeben.