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Keine spürbare Annährerung beim PCB-Problem

Keine spürbare Annährerung beim PCB-Problem

Schulleiter und Elternsprecherin bekräftigen die Angst um ihre Gesundheit. Bürgermeister und Gesundheitsamtschef beteuern, dass sie die Sorgen „sehr ernst nehmen“: Von einer Annäherung in Sachen PCB-Schadstoffbelastung an der Realschule war am Mittwoch bei einer Diskussion wenig zu spüren.

(ax) Demonstrativ hatte sich Michael Hülpes einen Anstecker mit der Aufschrift „Ich bekämpfe PCB“ an die Jacke geheftet. Doch in einer SWR-Fernsehsendung auf dem Rathausvorplatz fiel es dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde schwer, diese Aussage den anderen Diskussionsteilnehmern und den Zuhörern plausibel zu machen.

Beim Problem der PCB-Schadstoffbelastung an der Erich-Kästner-Realschule haben Schulleiter Hans-Joachim Gärtner und Elternsprecherin Ulla Kolling ihre bereits im TV gestellten Forderungen wiederholt: „Es ist doch ganz einfach, uns die Angst zu nehmen. Messen Sie in allen Räumen, machen Sie schnell die Blutuntersuchung aller Lehrer und machen Sie das zumindest auch bei den älteren Schülern“, appellierte Kolling an Hülpes als Vertreter des Schulträgers und Harald Michels, den Leiter des Trierer Gesundheitsamts.

Zwar steht schon seit einigen Tagen fest, dass das Land die Reihenuntersuchung der Lehrer bezahlen wird (der TV berichtete). Michels betonte diesbezüglich, dass das Gesundheitsamt „bereit ist, diese Blutentnahmen für ein Bio-Monitoring durchzuführen“. Bei den anderen Forderungen vertröstete Hülpes die Elternsprecherin und den Rektor mit der Aussage: „Wir werden das intensiv beraten.“ Er machte aber das Zugeständnis: „Wenn es erforderlich ist und die Fachleute es uns empfehlen, alle Räume zu erproben, dann machen wir das.“

Zuvor hatten in der Diskussion vor allem Grenzwerte eine gewichtige Rolle gespielt. In der Schule waren trotz einer PCB-Sanierung Mitte der 1990er-Jahre im März 2008 bekanntlich erhöhte Ergebnisse festgestellt worden, die im Raum der Konrektorin sogar über dem sogennannten Interventionswert von 9000 Nanogramm pro Kubikmeter Luft lagen.

Zwar hatte der Schulträger daraufhin erste Sanierungsmaßnahmen angeordnet. Aktuell liegt laut Michels der Wert im höchstbelasteten Raum bei 2000 Nanogramm. Das sei aber immer noch zu viel, sagte Hermann Kruse, Umwelttoxikologe an der Uni Kiel: „Ich würde in einen solchen Raum nicht hineingehen.“

Er empfahl dem Schulträger, „alle Fensterrahmen auszutauschen und das Dichtungsmaterial zu überprüfen, um eine gründliche Sanierung zu machen“. Zwar wurde in Nürnberg im Jahr 2001 schon eine Schule wegen PCB komplett abgerissen. So weit werde es in Hermeskeil aber nicht kommen, so die Einschätzung von Hülpes. „Wir gehen der Sache jetzt nochmal nach, machen eine zweite Sanierung und alles, was mit PCB belastet ist, kommt weg“, versicherte der Bürgermeister.