1. Region

Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses: Noch ist unklar, wie es weitergeht

Gesundheit : Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses: Noch ist unklar, wie es weitergeht (Videos)

Ein neues Konzept soll die Situation auf der Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses verbessern.

Er könne noch nicht sagen, wann die Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses wieder Patienten aufnehmen könne, sagt der ärztliche Direktor und Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin der Klinik, Wolfgang Thomas. Das zeigt, dass die Situation auf der Station A 3 des Krankenhauses längst noch nicht entspannt ist. Seit Anfang des Jahres werden dort keine krebskranken Kinder mehr stationär aufgenommen, ihre Behandlung erfolgt an der Uniklinik in Homburg (der TV berichtete). Als Ursache nennt Thomas ein „personelles Problem in der Pflege“, Mutterhaus-Geschäftsführer Jörg Mehr spricht von einem „personellen Umbruch“ auf der Station. Man habe den betroffenen Eltern mitgeteilt, dass aus medizinischen Gründen eine Behandlung in Homburg besser sei, sagt Thomas. Auch habe man sie auf die personellen Probleme auf der Station hingewiesen.

Mehr zum Thema:

Trierer Mutterhaus nimmt keine krebskranken Kinder mehr auf

Gesundheitsministerium macht dem Trierer Mutterhaus Druck

Als klar gewesen sei, dass aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen und wegen Schwangerschaft – Thomas spricht von „normaler Fluktuation“ – nicht mehr ausreichend speziell für die Kinderkrebsstation ausgebildete Pfleger zur Verfügung stehen würden und die neu eingestellten Kräfte zunächst einmal längere Zeit eingearbeitet werden müssten, habe eine Arbeitsgruppe ein Konzept erarbeitet. Damit sollte sichergestellt werden, wie es „vernünftig“ auf der Station weitergehe, sagt Thomas. Dieses Konzept sei aber mittlerweile hinfällig, weil in den vergangenen Wochen zwei auf der Krebsstation beschäftigte Ärzte gekündigt hätten, der eine, weil er einen Chefarztposten antreten werde, die andere, weil sie eine Weiterqualifizierung in der Uniklinik in Homburg mache. Da die Mediziner im Laufe des kommenden Jahres die Klinik verlassen würden, fehlten Ärzte auf der Kinderkrebsstation. Vorgeschrieben sind mindestens drei auf die Behandlungen von Krebserkrankungen bei Kindern spezialisierte Ärzte. Die Umsetzung des Konzepts stehe vor einer größeren Hürde als erwartet, sagt Thomas. Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, die Situation zu verbessern und so schnell wie möglich wieder krebskranke Kinder aufzunehmen, sagt Mehr und ergänzt: „Wir freuen uns über jede Bewerbung für die Pflege und den medizinischen Bereich.“

Was konkret in dem Konzept für die Neuaufstellung der Kinderkrebsstation drinsteht, wollen die Klinikverantwortlichen nicht sagen. Auch nicht, warum überhaupt ein neues Konzept notwendig ist, wenn man davon ausgeht, dass man das personelle Problem in den Griff bekommt. Es gehe in erster Linie darum, die Pflegekräfte auf der Station zu entlasten, sagte Christian Sprenger, der medizinische Geschäftsführer der Klinik. Möglicherweise will man sich mit dem Konzept auch auf neue Anforderungen für die Behandlung von krebskranken Kindern vorbereiten. Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert, dass die Qualitätsstandards für die Behandlung betroffener Kinder und Jugendlicher noch weiter angehoben werden. Um nachzuweisen, dass die Stationen diese Anforderungen erfüllten, könnten sie sich zertifizieren, also quasi laufend überprüfen lassen. Voraussetzung dafür sind aber neben einer Mindestanzahl an Ärzten und Pflegekräften mindestens 30 zu behandelnde Kinder und Jugendliche pro Jahr. Die Kinderkrebsstation im Mutterhaus behandelt laut Thomas zwölf, maximal 20 Kinder pro Jahr. Falls sich die Krankenkassen dazu entscheiden, nur noch Behandlungen von krebskranken Kindern in solchen zertifizierten Zentren zu übernehmen, könnte es für die Trierer Kinderkrebsstation, die einzige in der Region, schwer werden. Thomas betont allerdings, es werde weitergehen. Die derzeitige Situation bedeute nicht das Ende der Kinderkrebsstation.

Sprenger verneint, dass es generell ein Problem im Mutterhaus gibt, ausreichend Pflegepersonal zu finden. Es stehe nicht zu befürchten, sagt der medizinische Geschäftsführer, „dass wir weitere Abteilungen schließen müssen“. Allerdings sagt er, dass die „extrem engagierten“ Mitarbeiter oft auch Überstunden machten, „um Stationen am Laufen zu halten“. Auch sei es schon mal vorgekommen, dass im Nachtdienst Operationen verschoben worden seien.

Nach Bekanntwerden der Situation auf der Kinderkrebsstation melden sich allerdings immer mehr Eltern bei unserer Zeitung, die von Problemen berichten. Eine Mutter eines dort behandelten Kindes spricht davon, dass Personal „hoffnungslos überfordert oder einfach nur unmotiviert und desinteressiert“ gewesen sei. „Dienst nach Vorschrift war die Regel“, sagt sie. Auch seitens des Personals, von Pflegern als auch von Ärzten, ist zu vernehmen, dass sie mit den Arbeitsbedingungen in der Klinik mit drei Standorten (zwei in Trier und einem in Trier-Ehrang) unzufrieden sind.

Unzufrieden und „sehr enttäuscht“ ist auch Eugen Schuh. Er ist Vorsitzender des Fördervereins krebskranker Kinder in Trier. Er hat den seit Anfang des Jahres andauernden Missstand auf der Kinderkrebsstation öffentlich gemacht, nachdem er am vergangenen Donnerstag von Chefarzt Thomas erstmals darüber informiert worden ist. Er habe sich eine frühere Information gewünscht, sagt Schuh, der hofft, dass sich das Ganze nicht auf die Spendenbereitschaft auswirke. Sein Verein unterstütze weiterhin die Arbeit im Mutterhaus und auch die Eltern der betroffenen Kinder. „Uns wird es weiter geben“, sagt Schu.