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Kinderschänder-Prozess: Opferanwälte stellen neuen Antrag

Kinderschänder-Prozess: Opferanwälte stellen neuen Antrag

Im Kinderschänder-Prozess vor dem Landgericht Trier haben die Opferanwälte am Dienstag einen Befangenheitsantrag gestellt.

(dpa) Er richtet sich gegen die Sachverständige, die das psychiatrische Gutachten über den 38-jährigen Angeklagten erstellt hat. Der Vorwurf: Sie habe das Gutachten mit dem Ziel verfasst, eine Sicherungsverwahrung für den Angeklagten lediglich „unter Vorbehalt“ zu begründen. Die Sachverständige habe „voreingenommen“ und nicht „ergebnisoffen“ gearbeitet, sagte Rechtsanwalt Rainer Dietz.

Der angeklagte gebürtige Leipziger steht seit Anfang Januar wegen sexuellen Missbrauchs von fünf Jungen vor Gericht. Nach Einschätzung von Staatsanwalt Stephane Parent sollte die Sachverständige nun zu einer Stellungnahme geladen werden. „Es könnte sein, dass die Sachverständige hier versucht hat, ein von ihr gewünschtes Ergebnis mit allen Mitteln herbeizuführen“, sagte er.

Nach Ansicht der Nebenklage kommt für den Angeklagten nur eine Sicherungsverwahrung ohne Vorbehalt infrage, „weil er über Jahre hinweg nicht von Kindern abgelassen hat“, sagte Dietz. „Unter Vorbehalt“ bedeutet, dass erst sechs Monate vor Aussetzung der Strafe auf Bewährung entschieden wird, ob es zu einer Sicherungsverwahrung kommt.

Die Jugendkammer des Landgerichts zog sich zur Beratung zurück. Noch war unklar, ob am Dienstag - wie ursprünglich geplant - die Plädoyers gesprochen werden. Der angeklagte Kaufmann soll sich zwischen 2002 und 2009 in 18 Fällen an Jungen vergangen haben. Seinen Missbrauch hat er laut Anklage teilweise gefilmt und ins Internet gestellt. Der Mann hat die Vorwürfe gestanden.