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Umwelt
Wenn viel länger als sonst die Sonne knallt

Liebliches Herbstmotiv oder Gefahrenhinweis auf den bedrohlichen Klimawandel? Weinblätter hängen vor der Sonne.
Liebliches Herbstmotiv oder Gefahrenhinweis auf den bedrohlichen Klimawandel? Weinblätter hängen vor der Sonne. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Trier/Mainz. Die Temperatur ist im Jahresschnitt um 1,5 Grad gestiegen. Trier hat diesen Sommer die längste bisher verzeichnete Hitzewelle erlebt, und es gibt nun 20 Sommertage mehr als früher. Von Katharina De Mos

Erst kamen Starkregen und Überschwemmungen, dann Hitze und Dürre. Und noch immer ist es angenehm (aber viel zu) warm für die Jahreszeit. Die Nachricht, die nun aus dem Mainzer Umweltministerium kommt, passt hervorragend zum Jahr 2018: Laut Ministerin Ulrike Höfken (Bündnis90/Die Grünen) zeigen aktuelle Datenreihen, dass die Jahresdurchschnittstemperatur für Rheinland-Pfalz seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts um 1,5 Grad Celsius gestiegen ist. „Damit zählt unser Bundesland zu den Regionen in Deutschland, in denen der Anstieg überdurchschnittlich stark ausfällt“, sagte Höfken. In ganz Deutschland hat sich die Temperatur „nur“ um 1,4 Grad erhöht. „Der Klimawandel ist Realität und bereits deutlich spürbar“, betont die Ministerin.

Ein Anzeichen: Die Zahl der Sommertage mit mindestens 25 Grad ist stark gestiegen. Daten liegen erst ab 1951 vor. Sie zeigen: Es sind heute 20 Sommertage mehr pro Jahr als damals. Wenn man es positiv sieht: 20 zusätzliche Chancen, ins Freibad zu gehen. Passend dazu hat sich die Zahl der Frosttage im gleichen Umfang verringert. Inzwischen gibt es im landesweiten Mittel 40 Sommertage pro Jahr. Allerdings existieren große regionale Unterschiede: Im Oberrheingraben oder an Mosel, Sauer und Saar sind es sogar 60. Hitzewellen wie in diesem Sommer treten den neuen Daten zufolge zunehmend häufiger auf. Sie sind auch intensiver als in der Vergangenheit. „So konnten wir in Trier in diesem Sommer mit 28 Tagen die bisher längste beobachtete Hitzewelle verzeichnen“, sagt die Umweltministerin. Insgesamt waren in diesem Sommer knapp 30 Prozent der Landesfläche und mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Hitze betroffen.

Aber nicht nur die Temperatur steigt an, sondern auch die Niederschlagsmenge: Sie hat seit Ende des 19. Jahrhunderts um rund zehn Prozent zugenommen. Besonders viel regnet es nun im Winter: Da fallen nun 30 Prozent mehr Niederschläge als früher, sagt Stefan Hill, Präsident des Landesamtes für Umwelt. Im Frühjahr beträgt die Zunahme rund 15 Prozent. Aktuelle Forschungen deuteten auf intensivere Starkregenereignisse bei höheren Temperaturen hin, wie sie in diesem Jahr oder 2016 beobachtet wurden. Und auch in der Natur lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels direkt beobachten. „So setzt die Vegetationsperiode um ein bis zwei Wochen früher ein und dauert auch länger“, sagt Ulrich Matthes, Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen. Ein Phänomen, das Winzern und Bauern bestens bekannt ist. So früh wie 2018 hat die Weinlese noch nie begonnen. Ein Jahrhundertjahrgang könnte es werden.

„Das heißt jedoch nicht, dass die Landwirtschaft davon nur profitiert: Gerade die Trockenheit im Sommer hat teilweise zu dramatischen Ernteausfällen geführt. Dies sind alles Indizien für den menschengemachten Klimawandel, der bei uns in Rheinland-Pfalz immer deutlicher nachvollziehbar ist“, sagt Matthes.

Die Daten seien alarmierend, findet Ministerin Höfken und mahnt, Klimaschutzmaßnahmen konsequent weiterzuführen – auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene. Die Landesregierung arbeite für ein klimaneutrales Rheinland-Pfalz bis 2050. „So konnten wir die Treibhausgasemissionen bereits um 37 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Damit ist unser 40-Prozent-Ziel bis 2020 für Rheinland-Pfalz in greifbarer Nähe“, sagt Höfken und fordert den Kohleausstieg. Die Zeit dränge.

22.02.2018, Rheinland-Pfalz, Mainz: Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, sitzt während einer aktuellen Debatte im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
22.02.2018, Rheinland-Pfalz, Mainz: Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, sitzt während einer aktuellen Debatte im Landtag. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Andreas Arnold

Das neue Themenheft Klimawandel gibt einen Überblick über die Entwicklung in Rheinland-Pfalz. Herunterzuladen ist es unter www.wald-rlp.de

Weitere Informationen enthält das Klimawandelinformationssystem Rheinland-Pfalz unter: www.kwis-rlp.de