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Kliniken fehlen Pfleger: Werden bald noch mehr Patienten abgewiesen?

Gesundheit : Kliniken fehlen Pfleger: Werden bald noch mehr Patienten abgewiesen?

Der Aufnahmestopp von krebskranken Kindern im Trierer Mutterhaus sei nur die Spitze des Eisbergs, heißt es. Das Gesundheitsministerium verlangt von der Klinik eine rasche Lösung des Problems.

Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz schlägt Alarm: Eine Situation wie im Trierer Mutterhaus, wo seit Jahresanfang keine krebskranken Kinder mehr stationär behandelt werden, weil es Personalprobleme gibt, sei nur die Spitze des Eisbergs, sagt Kammerpräsident Markus Mai. „Das wird in Zukunft nicht die letzte Station sein, die geschlossen werden muss, weil qualifiziertes Personal fehlt.“

Mai nennt neben Krebsstationen auch chirurgische Abteilungen, die Probleme hätten, ausreichend qualifizierte Pfleger zu finden. Es werde immer schwieriger, Stellen zu besetzen. Bereits jetzt führe das dazu, dass in Kliniken einige Abteilungen nicht mehr alle Leistungen anbieten könnten, auch planbare Operationen würden verschoben, weil Personal fehle. Mai berichtet auch, dass Pflegedienste Patienten abweisen würden, weil sie deren Betreuung nicht mehr gewährleisten könnten.

Derzeit sind in der Region fast 1000 Pflegestellen unbesetzt. Die Situation wird sich laut einer Prognose des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums weiter verschärfen. 2025 werden allein im Kreis Bernkastel-Wittlich 151 Pflegekräfte fehlen. Mai geht davon aus, dass die Zahlen noch höher sein werden. „Der Bedarf an Pflege wird weiter steigen.“ Grund dafür sei die Zunahme von pflegebedürftigen Menschen. In der Region Trier wird bis 2030 mit einem Viertel mehr Menschen gerechnet, die auf Pflege angewiesen sind. Derzeit sind es rund 16 500.

Dass im Mutterhaus seit Monaten keine krebskranken Kinder mehr stationär aufgenommen werden, etwa um eine Chemotherapie zu erhalten, sei zum Wohl der Patienten geschehen, sagte Klinik-Geschäftsführer Jörg Mehr gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Es gebe zwar ausreichend Pflegekräfte auf der Station, doch weil im vergangenen Jahr einige Mitarbeiter gekündigt hätten, habe man Stellen nachbesetzen müssen. Das sei auch gelungen. Doch da es sich dabei um jüngere Pfleger handele, müsse man diese langsam an die schwierige Arbeit auf der Kinderkrebsstation heranführen, so Mehr.

„Wir erfüllen alle Qualitätsvorgaben und hätten auch weiterhin die erkrankten Kinder behandeln können“, stellt Chefarzt Wolfgang Thomas klar. Um aber eine optimale Behandlung sicherzustellen, habe man sich dazu entschlossen, seit Anfang des Jahres die an Krebs erkrankten Kinder, die eine stationäre Behandlung benötigten, nach Homburg an die dortige Uniklinik zu verweisen. „Kein Patient ist zu Schaden gekommen“, sagt Mehr. Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hat erst durch die TV-Berichterstattung davon erfahren, dass die einzige Kinderkrebs­station in der Region Trier seit Monaten keine Patienten mehr stationär behandelt. Gestern habe es Gespräche mit der Klinikleitung und dem Förderverein krebskranker Kinder in Trier gegeben, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der Verein hatte das Problem öffentlich gemacht.

Das Ministerium habe deutlich gemacht, dass die Betreuung krebskranker Kinder und Jugendlicher der Region Trier weiter sichergestellt sein müsse, sowohl stationär als auch ambulant. Es werde vom Krankenhaus erwartet, dass es weiter intensiv nach einer Lösung suche. Der Geschäftsführer des Mutterhauses habe dies zugesagt und versichert, die Versorgung krebskranker Kinder sei sichergestellt

Gesundheitsministerium macht dem Trierer Mutterhaus Druck