Kliniken haben Sicherheitsvorkehrungen, damit Pfleger nicht zu Mördern werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Sicherheitsvorkehrungen in Kliniken : Nach Todespfleger-Skandal: So schützen Kliniken ihre Patienten

Ein Pfleger soll im Saarland mindestens fünf Menschen mit Medikamenten-Überdosen getötet haben: Ist so etwas überhaupt zu verhindern? Krankenhäuser in der Region nehmen Stellung.

Der Fall des Pflegers aus dem Saarland, der mindestens fünf Menschen mit einer Überdosis an Medikamenten getötet haben soll, sorgt weiter für Entsetzen – und er wirft Fragen auf. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es in den Kliniken in der Region, um solche Fälle zu vermeiden?

Die Antwort ist ernüchternd: „Ganz verhindern lässt sich so etwas nicht“, sagt Jenny Marmann, Pflegedirektorin im Bitburger Krankenhaus. Dass Pflegekräfte an Medikamente kommen, sei normal, heißt es aus dem Trierer Mutterhaus. „Es zählt zu ihrem Aufgabenfeld, auf Anordnung Medikamente zu verabreichen“, sagt eine Kliniksprecherin.

Doch die Kliniken haben Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass  Patienten nicht bewusst oder unbewusst durch falsche Medikamentengabe zu Schaden kommen. Vor allem nach Bekanntwerden des Falls Niels Högel. Der  Pfleger wurde wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte zwischen 2000 und 2005 in norddeutschen Krankenhäusern Patienten mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

„Verstirbt ein Patient während seines Aufenthaltes im Klinikum, wird dessen Tod auf etwaige Besonderheiten hin überprüft. Auch werden einmal jährlich alle Todesfälle als Gesamtheit betrachtet und auf Auffälligkeiten hin kontrolliert“, heißt es aus dem Mutterhaus in Trier. Auch überprüfe  die hauseigene Apotheke regelmäßig die angeforderten Medikamente auf deren Menge und vergleiche diese mit dem durchschnittlichen Verbrauch auf den Stationen.

Ähnlich wird auch im Trierer Brüderkrankenhaus verfahren. Betäubungsmittel würden in einem verschlossenen Tresor aufbewahrt, zu dem nur die Stationsberechtigten Zugang hätten, sagt Jörg Mogendorf, Pflegedirektor des Brüderkrankenhauses. Der Schlüssel dafür werde nach jeder Schicht von den Stationsverantwortlichen übergeben und die Bestände darin würden überprüft.

Auch Jenny Marmann berichtet von einem sogenannten Giftschrank für Betäubungsmittel im Bitburger Krankenhaus. Um ein Medikament daraus zu entnehmen, müssten sowohl der jeweilige Pfleger als auch ein Arzt zuvor unterschreiben. In jeder Schicht werde ein  Pflegebericht geschrieben, in dem dokumentiert werde, was bei einem Patient gemacht wurde und welche Medikamente er bekommen habe, auch Auffälligkeiten würden dokumentiert, heißt es aus dem Saarburger Krankenhaus.

Zudem: In fast allen Kliniken gibt es ein anonymes Meldesystem, in dem Mitarbeiter auf Auffälligkeiten oder kritische Situationen hinweisen können.

Kliniken sollten offen mit Fehlern umgehen, fordert der Vorsitzende der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Um Täter abzuschrecken, müsse in Kliniken und Heimen eine Kultur des Hinschauens gelebt werden. „Nirgendwo ist Morden so einfach wie in der Pflege“, meint Brysch.

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