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Klinikum Mutterhaus sucht noch immer nach einem Spezialisten.

Medizin : Weiterhin Personalmangel auf Trierer Kinderkrebsstation

Klinikum Mutterhaus sucht noch immer nach einem Spezialisten. Gleichzeitig gibt es Gerüchte um Zukunft der Geburtsstation am zweiten Standort des Krankenhauses.

Es ist ein bundesweites Problem: In fast allen Kliniken fehlt Fachpersonal. Vor allem mangelt es an entsprechend ausgebildeten Pflegern und Ärzten für die Behandlung schwerstkranker Kinder. So musste die Berliner Charité kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres einen Aufnahmestopp für seine Kinderkrebsstation verhängen. Grund: Es gab zu wenig Pflegekräfte.

Immer wieder kommt es wegen Personalmangels zu zumindest zeitweisen Schließungen einzelner Stationen. Oder aber die Leistungen müssen eingeschränkt werden. Wie etwa auf der Kinderkrebsstation des Trierer Mutterhauses. Seit Ende 2018 können dort krebskranke Kinder keine Chemotherapie mehr bekommen, weil es nicht genügend Ärzte gibt. Die Kinder müssen stattdessen in die Uniklinik im saarländischen Homburg.

Der Gemeinsame Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium im deutschen Gesundheitswesen, verlangt für den Bereich der Kinder-Onkologie drei entsprechend ausgebildete Kinderärzte. Doch der Markt für Kinderonkologen sei leergefegt, sagt Christian Sprenger, medizinischer Geschäftsführer des Mutterhauses. Man habe Bewerber für die seit Ende 2018 ausgeschriebene Stelle gehabt. Doch zu einer Einstellung sei es bisher nicht gekommen. Die Herausforderung, einen geeigneten Kandidaten für die Trierer Kinderkrebsstation zu finden, sei, dass der entsprechende Mediziner nicht ausschließlich für die Kinderonkologie zuständig sei, sondern auch als Arzt auf der Kinder- und Jugendstation der Klinik tätig sein müsse. „Ein schwieriges Thema“, nennen Sprenger und Oliver Zimmer, kaufmännischer Geschäftsführer der Klinik, die Suche nach einem geeigneten Arzt. „Wir ignorieren nicht, dass es ein Problem für die betroffenen Familien ist, wenn sie statt nach Trier bis nach Homburg fahren müssen“, sagt Sprenger. Doch man könne es sich nicht erlauben, wenn die Qualität der medizinischen Leistung unter fehlendem Personal leide. Daher könnten auch weiterhin Kinder in Trier keine Chemotherapie erhalten. Es sei nicht absehbar, wann es eine Lösung gebe, sagt Sprenger. Rund zwölf Kinder pro Jahr sind davon betroffen. Sprenger stellt aber erneut klar, dass alle anderen Behandlungen, auch die ambulante Therapie krebskranker Kinder, weiterhin ohne Abstriche der medizinischen Qualität in Trier erfolgen würden.

Das Mutterhaus ist nicht die einzige Klinik in der Region, die wegen Personalmangels ihr Angebot einschränken muss. Im vergangenen Jahr wurde die Geburtsstation im Dauner Krankenhaus geschlossen, weil sich keine Belegärzte gefunden haben. Und weil die Station nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war. Experten zufolge benötigt eine Klinik zwischen 800 und 1000 Geburten pro Jahr um kostendeckend arbeiten zu können. In Daun waren es zum Schluss um die 400.

In der Region gibt es Geburtsstationen nur noch in Wittlich, Bitburg und in Trier und zwar im Mutterhaus. Allerdings hat die Klinik im Zuge der Corona-Pandemie die Station an seinem Standort Ehrang im März ins Haupthaus Trier-Mitte verlegt. Damit sollte für den Fall, dass die Zahl der an Covid 19 erkrankten Patienten dramatisch ansteigen sollte, zusätzlich Platz geschaffen werden, um kurzfristig Kapazitäten über das eigens gemeinsam mit dem Brüderkrankenhaus geschaffene Corona-Krankenhaus in Trier anbieten zu können. Doch selbst in der Hochphase der Pandemie ist das Gemeinschaftskrankenhaus mit über 150 Betten für Sars-Cov-2-Patienten zu keiner Zeit an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Insgesamt seien dort seit März 380 Patienten, davon 48 auf der Intensivstation, behandelt worden, berichtet Sprenger.

Mittlerweile werden in dem ehemaligen evangelischen Krankenhaus, das als Mutterhaus Trier-Nord firmiert, wieder andere Patienten behandelt. Das Schild „Corona-Gemeinschaftskrankenhaus“ ist wieer abmontiert. Trotzdem ist die Geburtsstation der Klinik noch immer zentralisiert am Hauptstandort. Bis zu 3000 Geburten zählte das Mutterhaus im vergangenen Jahr auf beiden Stationen. Längst geht das Gerücht um, dass der Ableger im Trierer Stadtteil Ehrang dauerhaft geschlossen bleibt.

Sprenger und Zimmer widersprechen. Die Verlegung sei zeitlich befristet auf neun Monate. Allerdings gibt es seitens der Klinik auch keine konkrete Auskunft über eine langfristige Perspektive für weiterhin zwei Standorte für Geburtsstationen in Trier. Aus dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium verlautet dazu, dass „ewaige Zukunftsplanungen“ was die Geburtsstation angeht, nicht bekannt seien.

Allerdings scheint es aber durchaus Planungen für die Weiterentwicklung und auch weitere Spezialisierung des Mutterhauses zu geben. Zimmer spricht von einer „inhaltlichen Weiterentwicklung“ und nennt dabei konkret die Schaffung eines Mutter-Kind-Zentrums. In solchen Zentren, wie es sie in anderen Kliniken gibt, werden vor allem Mütter mit Risikoschwangerschaften von Medizinern verschiedener Fachrichtungen betreut. Die Zentren sind auch spezialisiert auf die möglicherweise notwendige Behandlung der Neugeborenen, unmittelbar nach der Geburt, so dass diese auf eine andere Station verlegt werden müssen.

Aber auch dafür ist entsprechend ausgebildetes Personal notwendig. Daher appelliert Zimmer an Politik und Gesellschaft, nach der Corona-Pandemie ernsthaft darüber nachzudenken, wie viel ihnen Pflege wert sei. „Es reicht eben nicht aus, auf dem Balkon zu stehen und zu klatschen“, mahnt der Geschäftsführer.