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Kommentar: Deutsche Bischöfe geigen Römern die Meinung

Kommentar : Deutsche Bischöfe geigen Römern die Meinung

Die deutschen Bischöfe sind Meister der Diplomatie – auch wenn es Feuer unter dem eigenen Dach gibt. Da würde eine Order du mufti aus dem Vatikan normalerweise gesundgebetet, selbst wenn sie den Kirchenoberen hier ganz gehörig missfiele.

Zumindest war das in der Vergangenheit meist so.

Doch wie es aussieht, hat die Kleruskongregation mit ihrer jetzt veröffentlichten Instruktion zur Pfarreienreform den Bogen gehörig überspannt. Ein halbwegs fortschrittlicher Bischof nach dem anderen liest den Römern in diesen Tagen die Leviten. Der Essener Franz-Josef Overbeck wettert, der Osnabrücker Franz-Josef Bode auch und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sowieso. Inzwischen nimmt selbst der zuletzt eher brave und zurückhaltende Trierer Bischof Stephan Ackermann kein Blatt mehr vor den Mund, der nach seiner Rückkehr aus Rom vor einigen Wochen noch von den konstruktiven Gesprächen in guten Atmosphäre säuselte. Dass dies – sagen wir – eher diplomatisch verpackt war als der Wahrheit entsprochen hätte, machte schon das Ergebnis deutlich: Rom verbannte die hochfliegenden Trierer Reformpläne ins Reich der Träume. Damit andere Bistümer gar nicht erst auf die Idee kommen, wurde die Instruktion rasch hinterhergeschoben.

Und nun? Ist es höchste Zeit, mit den Römern einmal Klartext zu reden. Zumindest das scheinen die meisten Bischöfe begriffen zu haben.

r.seydewitz@volksfreund.de