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Kommentar zum Landesparteitag der Grünen in Rheinland-Pfalz

Kommentar zum Landesparteitag : Grüne in Rheinland-Pfalz: Gefahr vom One-Hit-Wonder

Wohl noch nie zuvor haben die Grünen in Rheinland-Pfalz eine Spitzenkandidatin mit so viel Rückenwind in den Wahlkampf geschickt wie Anne Spiegel. Trotzdem stehen bis zum Wahlabend noch hohe Hürden vor der Ministerin.

Wohl noch nie zuvor haben die Grünen in Rheinland-Pfalz eine Spitzenkandidatin mit so viel Rückenwind in den Wahlkampf geschickt wie Anne Spiegel. Trotzdem: Wo Ergebnisse nahe der 100 Prozent bei grünen Parteitagen so selten sind wie Jubelreden über den Verbrennungsmotor, muss sich die Spitzenkandidatin mächtig strecken, um am 14. März 2021 ein starkes, zweistelliges Ergebnis bei der Landtagswahl einzufahren. Denn Spiegel dürfte es schwer haben, im direkten Frauenduell mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu punkten, da die Triererin hohe Beliebtheitswerte genießt, eine feministische Weltsicht ähnlich bedient und im grünen Milieu alleine schon strategisch Stimmen abräumen dürfte, weil die Grünen einen Flirt mit der CDU in Rheinland-Pfalz nicht ausschließen. Inhaltlich hat Spiegel es zwar in Rekordzeit geschafft, sich ein glaubwürdiges klimapolitisches Profil aufzubauen, mit dem sie bereits Ideen für das Land entwickelt wie den massiven Ausbau von erneuerbaren Energien. Die Grünen müssen aber aufpassen, in Rheinland-Pfalz nicht zum One-Hit-Wonder zu verkommen, das nur das Lied von Klima und Umwelt singt. Mit Daniel Köbler einen Kandidaten abgewatscht zu haben, der sich gegen Hartz IV ausspricht und ein leidenschaftlicher Bildungspolitiker ist, könnte sich als Fehler erweisen. Wenn die Grünen die SPD in klassisch-sozialdemokratischen Feldern herausfordern wollen, droht ihnen in Rheinland-Pfalz eine Ideenarmut, die sie sich mit ihrem Selbstbewusstsein nicht leisten können.


f.schlecht@volksfreund.de