Kommentar zum Wurst-Skandal: Schluss mit der Salami-Taktik

Kommentar zum Wurst-Skandal : Schluss mit der Salami-Taktik

Nach jedem Lebensmittelskandal in Deutschland wird beteuert, beim nächsten Mal wird alles besser, die Informationen kämen schneller, es würde alles offengelegt.

Doch das, was sich seit vergangene Woche – oder besser seit August, seitdem Behörden über mit Listerien verseuchte Wurst beim hessischen Hersteller Wilke Bescheid wissen – abspielt, zeigt, dass die Behörden nichts gelernt haben. Die Bürger werden scheibchenweise und zumeist nur auf Druck von Verbraucherschützern informiert.

Es hat Tage nach dem offiziellen Rückruf gedauert, bis das zuständige hessische Umweltministerium eine Liste mit den Produktnamen, unter denen der Hersteller seine Waren angeboten hat, veröffentlicht hat. Noch immer gibt es aber keine Liste, der Geschäfte, in denen Wilke-Produkte verkauft wurden. Der Schutz von Unternehmen hat offensichtlich noch immer Vorrang vor einer Aufklärung der Verbraucher.

Das zeigt sich leider auch an der Informationspolitik der örtlichen Lebensmittelkontrolleure. Seitens der zuständigen Verwaltungen erfolgte bislang keine offizielle Information, dass auch in der Region betroffene Waren verkauft und Betriebe kontrolliert wurden und noch immer werden. Statt konkret zu nennen, wo überall Wurst des hessischen Herstellers angeboten wurde, beruft man sich auch hier auf den Datenschutz.

Selbst die Tatsache, dass auch Kita, Schulen und Altenheime beliefert worden sind, wird zunächst nicht ausdrücklich erwähnt und erst auf Nachfrage eingeräumt. Dass dann noch keine Notwendigkeit gesehen wird, Eltern, Heimbewohner oder deren Angehörige zu informieren, dass möglicherweise verseuchte Wurst in den Einrichtungen angeboten wurde, ist ebenso unverständlich. Es muss endlich Schluss sein mit dieser unglaublichen Salami-Taktik. Verbraucher müssen rechtzeitig, ausführlich und ohne Geheimniskrämerei über  Lebensmittelskandale aufgeklärt werden.

b.wientjes@volksfreund.de

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