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Kommentar zur Corona-Warn-App: Leben retten geht vor!

Kommentar : Leben retten geht vor!

Was nützt mir die hochgelobte Warn-App, wenn sie wegen überzogenen Datenschutzanforderungen dauerhaft keine oder nur geringe Risikobegegnungen anzeigt?

Solange die Testergebnisse nicht automatisch von den Laboren oder Gesundheitsämtern in die App eingestellt werden dürfen, sondern jeder Nutzer selbst entscheiden kann, ob er das tut oder nicht, ist sie nicht mehr wert als jede billige Spiele-App auf dem Smartphone. Zur Pandemiebekämpfung trägt sie absolut nichts bei, bei der Kontaktnachverfolgung zeigt sich die Anwendung als untauglich. Den Gesundheitsämtern bringt die App jedenfalls keine Arbeitserleichterung. Kein Wunder also, dass viele Menschen die App auf ihrem Handy haben, aber sie selten bis gar nicht nutzen.

Wenn wir uns in der größten Nachkriegskrise befinden, in der es darum geht, ein gefährliches Virus einzudämmen und weitere Tausende von Toten zu verhindern, dann darf Datenschutz nicht über dem Gesundheitsschutz stehen und diesen quasi ausbremsen. Dabei geht es nicht um die totale Überwachung. Es geht um nicht weniger als den Schutz der Bevölkerung. Durch die Corona-Maßnahmen sind viele Freiheitsrechte bereits massiv eingeschränkt. Aber ausgerechnet der Datenschutz wird so hochgehalten, dass er den effektiven Schutz unserer Gesundheit behindert. Auch die Arbeit der Gesundheitsämter leidet unter dem teils überzogenen Anforderungen an den Datenschutz. Noch immer müssen in vielen Ämtern die per Fax übermittelten Testergebnisse händisch in Excel-Listen eingetragen werden, weil aus Datenschutzgründen Patientendaten nicht per Mail übertragen werden dürfen. Datenschutz ist gut und wichtig. Aber in der momentanen Ausnahmesituation muss Gesundheitsschutz Priorität haben.

b.wientjes@volksfreund.de