1:0 für den alten Platz

Eine europäische Naturschutz-Richtlinie macht den Vorschlägen des Wiltinger Gemeinderats für den Brückenbau an einem neuen Standort einen Strich durch die Rechnung.

Wiltingen. "Es ist Ernüchterung eingetreten", sagt Wiltingens Ortsbürgermeister Lothar Rommelfanger im TV-Gespräch nach der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Edeltrud Bayer, Leiterin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier, hatte in der Sitzung unter anderem das zentrale Argument gegen den vom Gemeinderat bevorzugten Bau der Wiltinger Brücke an einem neuen Standort vorgebracht: Die europäische Richtlinie zum Schutz eines Flora-Fauna-Habitat-Gebietes (FFH-Gebiet) sehe Kriterien vor, die erfüllt sein müssten, um in den Naturraum eingreifen zu dürfen. "Ein Kriterium ist, dass es keine verträglichere Alternative geben darf", sagte Bayer. Und der Bau am alten Standort sei durch die Vorbelastung des bestehenden Bauwerks verträglicher als die neue Konstruktion ein paar Meter weiter flussabwärts. Zudem brachte sie ein Schreiben des Wirtschaftministeriums mit. Demnach werde an der Planung am alten Standort festgehalten.

Die Reaktion von Ortsbürgermeister Rommelfanger: "Ich sehe kaum noch Chancen, den neuen Standort durchzusetzen", sagt er auf TV-Anfrage. Und ein Klageweg wäre auch nur ein Kampf gegen Windmühlen. Nun müsse die Ortsgemeinde ein Auge auf die Gestaltung des neuen Bauwerks haben. Zudem erwarte er eine konstruktive Zusammenarbeit von Land, Kreis, Verbands- und Ortsgemeinde mit Blick auf die Radwege-Anbindung.

Der Bauzeitplan für die neue Brücke sieht nach aktueller LBM-Berechnung so aus, dass das Planfeststellungsverfahren mit Offenlage, Erörterung und Bescheid vermutlich bis ins Jahr 2009 reichen wird. Anschließend soll die Auftragsvergabe erfolgen. Ende 2009 beginnt dann neben der alten der Bau einer provisorischen Brücke mit Pfeilern, auf denen der neue Überbau entsteht. Dieses Behelfs-Konstrukt dient dann als Fahrbahn, während der Altbau abgerissen und die neue Brückenanlage mit Pfeilern eingerichtet wird. Per Querverschub wird der Überbau an seine richtige Stelle gebracht. Während der Befestigung im Frühjahr 2012 ist mit einer etwa zweimonatigen Sperrung der Straße zu rechnen, schätzt LBM-Chefin Beyer. Im Sommer 2012 soll dann die neue Brücke fertig sein.
Meinung

Weiter Einfluss nehmen

Sie haben gekämpft und müssen sich jetzt geschlagen geben. Die Wiltinger Gemeinderatsmitglieder sind mit ihren Vorschlägen für einen alternativen Standort der neuen Brücke gescheitert. Auch wenn ihr Haupt-Argument der günstigeren Ortsanbindung einleuchtend klingt, kippt es nicht die Kriterien der europaweit geltenden FFH-Richtlinie. Diese Niederlage darf die Ratsmitglieder nicht entmutigen, aus der nun gegebenen Situation das Beste herauszuholen. Eine schöne Brücke vor der Haustür kann bei richtiger Gestaltung ein Schmuckstück sein. a.pipke@volksfreund.de