126 Grashalme aus 650 Metern Zinkrohr

126 Grashalme aus 650 Metern Zinkrohr

Das Kunstwerk von Klaus Maßem aus Schillingen und Werner Müller aus Zerf auf dem Zerfer Kreisel ist nicht unumstritten. Während sich Menschen im Internet Gedanken machen, hier könnte ein Verkehrsteilnehmer "aufgespießt" werden, ist der Unfallschwerpunkt durch den Kreisel nachweislich entschärft worden.

(doth) Wie Insekten verteilten sich rund 100 Zerfer Bürger in einem "kleinen Rasenstück" auf dem Zerfer Kreisel. Um das 300-fache vergrößert sind dort 126 Halme verschiedener Wiesenpflanzen installiert, die aus 650 laufenden Metern Zinkrohr von dem Schillinger Künstler Klaus Maßem und seinem Zerfer Kollegen Werner Müller gefertigt wurden.

Dort, wo sich B 268 und B 407 treffen, entschied sich der Ortsgemeinderat für ein Kunstwerk, das 25 563 Euro kostete. "Der Landesbetrieb Mobilität hat die Unterhaltung des Kreisels an uns abgegeben und dafür 17 800 Euro gezahlt", erläuterte der 1. Beigeordnete den Betrag, der von den Kosten abgezogen werden muss. Den Rest von 7763 Euro trägt die Ortsgemeinde Zerf.

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell, Werner Angsten, widerspricht allen, die befürchten, hier könnten Verkehrsteilnehmer bei einem Unfall "aufgespießt" werden: "Bis der Kreisel 2004 eingerichtet wurde, war hier ein Unfallschwerpunkt. Seitdem ist kein einziger Unfall passiert". Immerhin fahren dort bis zu 10 000 Fahrzeuge täglich vorbei.

"Aus einer ursprünglich geplanten Narzissenwiese ist ein Kunstwerk geworden", erläuterte Angsten den Entscheidungsprozess. Mit Klaus Maßem und Werner Müller habe die Ortsgemeinde bewusst auf einheimische Künstler zurückgegriffen: "Dieses Werk ist keine leichte Unterhaltung." Man müsse sich damit beschäftigen, gerade auch mit der Meinung von Kritikern.

Die Trierer Kunsthistorikerin Christina Biundo sieht in dem "Kleinen Rasenstück" ein "bewegtes Stillleben".

Stängel, Blätter, Blüten, Rispen, Dolden, botanische Einzelporträts aus Zinkrohr bringen den Betrachter in Augenhöhe mit einem Lebensraum, der im Naturpark eine große Rolle spielt.

"Das ist aus jeder Blickrichtung eine spannungsreiche Konstellation, zu der ich Zerf nur gratulieren kann", so die Fachfrau und sie fügt einen Apell an die Bürger hinzu: "Haben sie den Mut, gegenüber Kritikern zu diesem Kunstwerk zu stehen."

ExtraInternet-Reaktionen: Kritiker haben sich im Weblog des Trierischen Volksfreundes zu Wort gemeldet: "Jekyll1" meint: "Seit Jahren werden Strecken mit Leitplanken und Unterfahrschutz entschärft und Zerf bläst mit Lanzen zum Angriff. Spätestens bei Glatteis wird der erste Verkehrsteilnehmer aufgespießt." "kaha" schreibt: "Abgesehen davon, dass das Kunstwerk potthässlich ist, stellt es eine Gefahr für jeden Verkehrsteilnehmer dar." (doth)