30 Meter hohe Flamme und ein Knall

30 Meter hohe Flamme und ein Knall

Auf dem Rohlingerhof bei Palzem ist es in der Nacht zum Donnerstag zu einer Explosion mit 30 Meter hoher Stichflamme gekommen. Das Feuer hatte von einem Traktor auf ein Speicherbecken einer Biogasanlage übergegriffen. 130 Feuerwehrleute waren viereinhalb Stunden lang im Einsatz - den sie zuvor schon einmal just an dieser Stelle geübt hatten.

Palzem. Rot-weiße Absperrbänder wehen im Wind. Landwirt Matthias Kohl zeigt auf das Stahlskelett eines Traktors. "Der hat nur noch Schrottwert", sagt der Besitzer des Rohlingerhofs in Palzem. An einem der zwei Betonspeicherbecken, die zu seiner Biogasanlage gehören, kleben die geschmolzenen Reste von Dämmplatten sowie einer schwarzen Plane.
Auf dem Schlepper sieht man geschmolzene Glasreste liegen. Er ist - so vermuten die Feuerwehrleute - am Mittwoch gegen 21.30 Uhr aufgrund eines technischen Defekts in Brand geraten. Schnell haben die Flammen auf das Speicherbecken daneben übergegriffen und brachten die Folie zum Schmelzen. So konnte sich das Gas entzünden, das sich im Speicherbecken des Biogasreaktors gesammelt hatte.
Die Stichflamme sei bis zu 30 Meter hoch geschossen, berichtet ein Feuerwehrmann aus Palzem, der als einer der Ersten vor Ort war. Laut Facebook-Nutzern soll es so laut geknallt haben, dass es bis nach Wasserliesch zu hören war. Kohl sagt: "Meine Frau und ihre Eltern hatten sich, als das Feuer ausbrach, in Sicherheit gebracht. Sie fürchteten, dass ihnen der ganze Hof um die Ohren fliegt." Dem Landwirt ist am Morgen nach dem Brand der nächtliche Schock immer noch anzusehen ist. Er ist froh, dass niemand durch das Unglück oder den Feuerwehreinsatz verletzt wurde. Den Schaden beziffert er auf etwa 70 000 Euro.
Rund 130 Feuerwehrleute sind in der Nacht zur Brandstelle geeilt. Neben den freiwilligen Feuerwehren aus Palzem, Helfant, Wehr, Saarburg und Saarburg-Beurig waren die Einheiten des Gefahrstoffzugs aus Freudenburg, Wincheringen, Saarburg, Saarburg-Beurig und Kasel (Verbandsgemeinde Ruwer) sowie die Tanklöschfahrzeuge der Wehren aus Nittel und Konz im Einsatz. Außerdem waren das Deutsche Rote Kreuz , die First Responder Obermosel sowie die Polizeiinspektion Saarburg vor Ort. Bernhard Hein, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Saarburg, war gerade auf der Rückfahrt von Hermeskeil nach Freudenburg als ihn der Alarm erreichte und ist direkt zum Einsatzort gefahren. "Ideal wäre es gewesen, das Gas aus der Anlage komplett abbrennen zu lassen. Wir mussten dann aber die Flammen löschen, um ein Bersten des Speicherbeckens zu verhindern", sagt Hein. Wenn das Feuer das Speicherbecken zerstört hätte, wären mehrere Tausend Liter Gülle ausgetreten, mit entsprechenden Folgen für die Umwelt (siehe Extra). Bis in die frühen Morgenstunden wurde von den Einsatzkräften kontrolliert, ob schädliche Gase durch das bei der Explosion entstandene Leck ausgetreten sind. Hein ist froh, dass die Wehren vor einigen Jahren das gleiche Szenario schon mal auf dem Rohlingerhof geübt hatten. "Deshalb kannten wir die Anlage und hatten gute Ortskenntnis." Zurzeit ermittelt die Kriminalpolizei, was die Brandursache war.Extra

Mit Schaum löscht die Feuerwehr den Brand im Speicherbecken der Biogasanlage (unten rechts). Am Morgen danach ist von dem Traktor, von dem das Feuer ausging, nur noch ein Stahlskelett zu sehen (oben). Rund 130 Feuerwehrleute sind bei Einsatz in der Nacht zum Donnerstag dabei.TV-Fotos: Alexander Schumitz (3)/Wilfried Hoffmann (1). Foto: Wilfried Hoffmann (h_sab )
Foto: (h_sab )

Die Biogasanlage auf dem Rohlingerhof in Palzem ist eine der ältesten Biogasanlagen in Rheinland-Pfalz. Aus 1200 Tonne Jauche, 3500 Tonnen Mais, 160 Tonnen Grassilage und 620 Tonnen Geflügelmist werden jährlich rund 2,3 Megawatt Energie erzeugt. Ein Brandeinsatz in einer Biogasanlage birgt große Gefahren. So kann es wegen des austretenden Gases zu Verpuffungen kommen, die den Bioreaktor zerstören. 2007 sind Biogasanlagen in Riedlingen und im Walzbachtal (beides Baden-Württemberg) sowie in Zeven (Niedersachsen) explodiert. Beim Austritt von Gärsubstraten wurden Gewässer in Barßel und Bassum (Niedersachsen) verunreinigt. Wegen eines Austritts von Gasen starben vor zehn Jahren vier Menschen bei einem Unfall an einer Biogasanlage in Zeven (Niedersachsen). Quelle: Wikipedia/itz

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