33 Jahre für Konz aktiv

Als Staatssekretär Walter Schumacher dem Konzer Rudolf Molter das Bundesverdienstkreuz überreicht, blickt er auf dessen Lebenswerk. Dabei entfährt ihm der Ausruf: "Wann haben Sie das denn alles gemacht, das hört ja gar nicht mehr auf!"

Konz. Den Schalk hat er als altgedienter Karnevalist in den Augen, aber auch unstillbare Neugier und Tatendrang. Und den hatte Rudolf Molter schon immer. Er hat unheimlich viel gemacht - so viel, dass es nicht einfach ist, sein Wirken zu protokollieren.

Doch Molter ist vorbereitet: Acht eng beschriebene Seiten mit Stichwörtern umfasst seine, bescheiden "Bilanz der Aktivitäten" genannte persönliche Chronik.

Als er im Jahre 1937 in Wellen als Bergmannssohn geboren wurde, war ihm sein Weg nicht vorgezeichnet. Der Vater fiel im Krieg, Kalkwerksbesitzer Josef Schnuch nahm den wissbegierigen jungen Mann unter seine Fittiche, öffnete ihm seine Bibliothek, ermöglichte ihm eine Ausbildung zum Bauzeichner.

Das reichte dem ehrgeizigen Rudolf nicht. Ein Architekturstudium folgte, nach Jahren in der freien Wirtschaft wurde er, mit Schwerpunkt auf kirchlichem Bauen und Denkmalpflege, schließlich "oberster Architekt" des Bischofs von Trier. Er hat zum Beispiel die Herz-Jesu-Kirche in Mayen renoviert. In Konz-Hamm hat er das Pfarrhaus vor dem Abriss bewahrt. So entwickelte sich im Laufe der Jahre sein Faible für die Heimatgeschichte.

In 33 Jahren im Konzer Stadtrat bewegte er viel. Unter anderem verdankt ihm die Stadt Konz die Kunst auf den zahlreichen Kreiseln - er hatte das im Rat angeregt.

Auch die Sanierung des Klosters Karthaus hat er angeregt. Musikverein, Chor, Politik, Karneval, Sportverein, Pfarrei, schier endlos ist die Liste seines weiteren ehrenamtlichen Engagements.

Bei einem Rundgang durch "sein" Konz zeigen sich die Spuren, die er hinterlassen hat, ganz konkret. Nicht nur zahlreiche Chroniken und Werke zur Stadtgeschichte hat Molter verfasst.

Am Doktorbrunnen, am St. Nikolaus Bildstock im Gaisberg und ganz besonders am "Berendsborn"-Brunnen mit dem weißen Wackerstein beispielsweise zeigt sich, was Molter im Laufe der Jahre alles bewegt und initiiert hat.

Hier ist sein Lieblingsort, am klaren Quellwasser erfrischt sich der Konzer Heimatforscher - und findet Ruhe.

Gerne erzählt er Anekdoten, wie er zum Beispiel in kürzester Zeit, zusammen mit dem Friseurmeister Holderer, etliche tausend D-Mark für die Wiederherstellung des "Berendsborn" an den Türen der Konzer Bürger gesammelt hat.

Ja, bewegt sei er gewesen, bei der Verleihung des Ordens, als der Staatssekretär betonte, er habe es verdient, wie kaum jemand (der TV berichtete). "Unser Verdienstkreuz", sagt Molter mit Blick auf seine Frau Erika, die ihn unermüdlich unterstützt habe.

Jetzt, im "Un-Ruhestand", nach überstandener, schwerer Krankheit, widmet er sich nicht mehr nur der Geschichte seiner Heimatregion, sondern schreibt fleißig an einer Familienchronik, auch für seine zwei Söhne und drei Enkel.

Vielleicht wiederholt der SWR ja auch in diesem Jahr einen Film über die erste Friedensweihnacht 1945, an dem Rudi Molter mitgewirkt hat, er erinnert sich noch gut an das "Lametta aus Metallfäden, die die Kampflugzeuge abgeworfen hatten, um den Funkverkehr zu stören."

Da wird er dann ganz still und nachdenklich, der agile, positive Rudolf Molter.