481 Urteile über Hermeskeil

481 Hermeskeiler haben bei einer Umfrage mitgemacht, die als Grundlage für die Bemühungen um ein besseres Stadtmarketing dienen soll. Die wichtigsten Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt. Allerdings ist der Neuigkeitswert, den der Blick auf die aktuelle Situation Hermeskeils gebracht hat, überschaubar.

Hermeskeil. Was sind die Stärken und Schwächen der Hochwaldstadt? Das wollte die studentische Unternehmensberatung Impuls Consulting mit einem Fragenkatalog herausfinden, der im Sommer 2011 an rund 3000 Haushalte in Hermeskeil und die Gewerbebetriebe in der Stadt verteilt wurde.
Die Umfrage sollte als erster Baustein der Entwicklung eines neuen Stadtmarketing-Konzepts dienen. Dafür hatte zuvor der Stadtrat den Auftrag erteilt - und zwar an den Wirtschafts-Professor Udo Burchard von der Fachhochschule Trier und die mit ihm zusammenarbeitende studentische Unternehmensberatung.
Keine Überraschungen


Inzwischen liegt die von den Studenten erarbeitete Auswertung der Ergebnisse vor. Sie umfasst insgesamt 90 Seiten. Die wichtigsten Aussagen wurden bei der Einwohnerversammlung in Hermeskeil präsentiert.
"Wir haben 481 Fragebogen zurückbekommen. 424 Bürger und 57 Gewerbebetriebe haben sich beteiligt". Das sagt Daniel Dorawa von Impuls Consulting. Diese Rücklaufquote bezeichnete er als "sehr gut".
Laut Dorawa "wurden in der Umfrage einige Defizite angesprochen. Es gab aber auch positive Aussagen", betont er.
Als Stärken der Stadt sehen viele Bürger die Ärzteversorgung, die Vielzahl an Schulen sowie die gute Verkehrsanbindung und die vielen kostenlosen Parkplätze. Auch die Qualität der Waren, die in den bestehenden Geschäften angeboten werden, erhielt überwiegend gute Noten.
Nachholbedarf sehen die Teilnehmer der Umfrage jedoch in der Vielfalt der Waren, die es in Hermeskeil zu kaufen gibt. So fehlt in der Stadt seit langem ein Fachgeschäft für Kindermode. Auch das Erscheinungsbild der Stadt - vor allem an den Ortseingängen - und das gastronomische Angebot wurden bemängelt. Ein schlechtes Zeugnis haben die Teilnehmer der Politik des Stadtrats ausgestellt. Das machen einige Aussagen der Teilnehmer deutlich, die die wiederholten Streitereien in diesem Gremium, aber auch geplante Investitionen der Stadt kritisieren (siehe Extra). Von der Möglichkeit, ihre Wünsche und Anregungen zu artikulieren, hätten etliche Hermeskeiler Gebrauch gemacht, so Dorawa. Auf dieser Liste standen unter anderem mehr kulturelle Angebote, zusätzliche Bekleidungs- und Drogeriegeschäfte oder Cafés in der Innensstadt.
Laut Dorawa ist im nächsten Schritt die Bildung von Projektgruppen geplant. Sie sollen Vorschläge zur Verbesserung in den Bereichen machen, die bei der Umfrage schlecht abgeschnitten haben. "Wir werden uns dieser Empfehlungen annehmen und bei den weiteren Schritten sehen, was auch finanziell machbar ist", sagt Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger, BFB). Er sieht gerade durch das geplante Feuerwehrmuseum "interessante Ansätze für das Stadtmarketing". So fällt aus seiner Sicht mit diesem Projekt die Werbung für Hermeskeil als "Stadt der Museen" leichter. Das sei jedoch noch keine Festlegung auf einen späteren Slogan. Im Herzen Hermeskeils gibt es bereits das Hochwaldmuseum und das Naturpark-Infozentrum, dazu kommt die Flugausstellung in Abtei.
Die Reaktionen bei der Einwohnerversammlung machten aber deutlich, dass der durch die Bürgerumfrage gewonnene Blick auf den Istzustand von Hermeskeil keine großen Überraschungen brachte und der mit den 481 Antworten verbundene Neuigkeitswert begrenzt ist. Die Vorstellung der Ergebnisse lieferte den Zuhörern nämlich keinen Anlass für Nachfragen oder eine Diskussion.Extra

In der Bürgerumfrage, die die Teilnehmer auch ohne Angaben ihres Namens beantworten konnten, gab es mehrere kritische Stimmen. Dorawa nennt exemplarisch die Aussage, "dass die Politiker in der Stadt öfter zum Wohl des Bürgers zusammenarbeiten und keinen Kindergarten spielen sollten." Ein anderer findet, "dass in Hermeskeil der Hund begraben liegt". Ein weiterer Bürger appelliert an die Verantwortlichen in der Stadt: "Investiert nicht in Museen. Sie bilden nur die Vergangenheit ab und verursachen neue Kosten." Am griffigsten formuliert ein anderer Bürger seine Forderung: "Macht was, bitte!"