50 Jahre im Dienste des Herrn: Priesterjubiläum in Heddert

50 Jahre im Dienste des Herrn: Priesterjubiläum in Heddert

Ein Gebetbuch hat dem Großvater von Lothar Weber einst das Leben gerettet. Vermutlich ist dieses Kindheitserlebnis mit ein Grund dafür, dass der gebürtige Hedderter vor 50 Jahren sein Leben Gott und der Seelsorge gewidmet hat.


Wenn Pater Lothar Weber an seine Kindheit zurückdenkt, fällt ihm sofort ein prägendes Ereignis ein: 1938 wurde er in Heddert geboren, in einer "katholisch geprägten Umgebung". Kurz nach seiner Einschulung 1944 in der Volksschule Schillingen seien die Amerikaner im Hochwald eingerückt. Er habe mitansehen müssen, wie ein US-Soldat von einem neben ihm fahrenden Panzer überrollt worden sei. "Er starb vor meinen Augen", erinnert sich Weber.
Auch die letzten Kriegsgefechte von damals seien ihm noch präsent, sagt der Pater: "Fanatische deutsche Soldaten schossen aus einem Wäldchen mit Granaten auf ein Haus, in dem viele Zivilisten zusammengezogen waren." Mehrere Soldaten und Zivilisten seien dabei gestorben. "Mein Großvater Matthias Raul wurde von einem Splitter getroffen. Aber sein Gebetbuch in der Brusttasche, das bis auf den Deckel durchschlagen wurde, hat ihm das Leben gerettet."
Der Glaube an Gott hat später Webers Leben entscheidend mitbestimmt. Denn er trat in den Dienst der Kirche ein und feiert am kommenden Sonntag, 28. August, in der Schillinger Pfarrkirche sein 50-jähriges Priesterjubiläum.
Im Gespräch mit dem TV erinnert sich der Geistliche an wichtige Stationen auf seinem Weg. Die finanzielle Situation der Eltern habe es ihm zunächst nicht erlaubt, eine weiterführende Schule zu besuchen, berichtet Weber. "Mein Vater wollte mich in der ehemaligen Schuhfabrik Romika in Gusterath-Tal unterbringen." Doch der damalige Pastor Aloys Woll habe ihm den Besuch des Franziskaner-Internats in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) ermöglicht - und für das erste Schuljahr bezahlt. "Meine Schwester Maria arbeitete damals im Haushalt des Pastors und trug so ebenfalls etwas zu meinem Studium bei, bis meine Eltern dazu in der Lage waren."
1960 legte Weber am Kolleg Exaten in den Niederlanden sein Abitur ab, trat dann in den Franziskanerorden ein und unternahm philosophische und theologische Studien an der Johannes-Duns-Scotus-Akademie in Mönchengladbach. Am 23. Juli 1966 wurde er in Krefeld vom Aachener Bischof Johannes Pohlschneider zum Priester geweiht. Aber auch sein pädagogisches Interesse sei stets groß gewesen, sagt Weber. "Deshalb habe ich Germanistik fürs Lehramt am Gymnasium studiert und gleichzeitig in zwei Pfarreien in Godesberg mitgewirkt." Dort habe er auch den heutigen Kölner Weihbischof Ansgar Puff kennengelernt, "der damals einer meiner Messdiener war".
Nach den beiden Staatsexamen unterrichtete Pater Lothar die Oberstufe in Deutsch, Religion und Philosophie und wurde 1985 Schulleiter am Franziskus-Gymnasium in Hürtgenwald (Kreis Düren).
Nach seiner Pensionierung war er in Remagen und Düsseldorf als Priester tätig. Als das Düsseldorfer Kloster 2014 schloss, wurde Weber in das Franziskanerkloster in Mannheim versetzt, wo er heute mit drei weiteren Patres vier Pfarreien betreut. "Solange die Kräfte es zulassen, will ich das weiterhin tun", verspricht Weber. Die Freude am Priesterdienst sei geblieben. "Ich habe meine Berufe als Priester und Lehrer bis zum heutigen Tag gerne ausgeübt. Ich kann sagen, dass ich mein Leben lang ein Glückspilz war." Traurig stimme ihn, dass inzwischen fast alle Klöster, in denen er eingesetzt war, aufgelöst sind. "Für viele Mitbrüder ist es schwer geworden, irgendwo eine klösterliche Heimat zu finden und Wurzeln zu schlagen", sagt Pater Lothar. Dass auch das Hermeskeiler Franziskanerkloster im Oktober schließen wird, bedauert er sehr. "Ich hoffe, dass sich das neue Zentrum im Geiste des heiligen Franziskus verwirklichen lässt (der TV berichtete am 23. August) und die Einrichtung weiter mit Leben gefüllt wird."
Auf seine Jubiläumsprimiz am Sonntag freue er sich: "Ich möchte in Freude und Dankbarkeit, aber in Bescheidenheit mein Jubiläum in Schillingen feiern. Meiner Heimatpfarrei, in der ich auch meine erste Primiz gefeiert habe."Der Gottesdienst am Sonntag in der Pfarrkirche in Schillingen beginnt um 10 Uhr. Die Festpredigt hält Pater Karl Heinz May. Anschließend findet ein Empfang im Pfarrheim statt.

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