| 21:07 Uhr

50 Tonnen Präzisionsarbeit

 Mit Leichtigkeit schwebt die neue Holzbrücke an ihren künftigen Standort. Sie wird zwischen Waldrach und Korlingen den Radfahrern die Überquerung der Ruwer ermöglichen.Foto: Dietmar Scherf
Mit Leichtigkeit schwebt die neue Holzbrücke an ihren künftigen Standort. Sie wird zwischen Waldrach und Korlingen den Radfahrern die Überquerung der Ruwer ermöglichen.Foto: Dietmar Scherf
WALDRACH. Mit perfekter Präzision und ausgefeilter Technik ist die neue Holzbrücke für den künftigen Ruwerradweg eingebaut worden. Schneller als die Fachleute selbst dachten und geplant hatten, war die Hauptarbeit schon vor Tagesanbruch erledigt. ARRAY(0xc523d208)

"Es kann auch etwas später werden, je nachdem wie der Zusammenbau fortschreitet", hatte Arnold Eiden, der Leiter der Straßenmeisterei Hermeskeil, noch am Vortag gesagt. Doch die Aktion konnte wegen der hervorragenden Vorarbeit der ausführenden Holzbau-Firma Busmann aus Schüttorf bei Emden schon viel früher abgeschlossen werden. Die alte Brücke über die Ruwer an gleicher Stelle war vor wenigen Wochen abgebaut (der TV berichtete), die Widerlager waren saniert worden. Auf der Kreisstraße 12 erhellen am Samstagmorgen um 7.30 Uhr nur die Scheinwerfer an den Auslegern der beiden riesigen Kräne der Trierer Firma Steil die Szenerie. 220 Tonnen bringen sie jeweils einzeln auf die Waage und wirken mit ihren sechs Achsen wie riesige Monster. Die am Vortag angelieferten beiden Brückenteile (der TV berichtete) sind noch am Abend auf der Straße zusammengebaut worden. Das Element ist nun fast 40 Meter lang. Einschließlich der 1,20 Meter hohen Geländer, dem Holzboden mit seiner 2,50 Meter breiten Durchfahrt und dem Satteldach wiegt die Holz- und Stahlkonstruktion rund 50 Tonnen. Die 40 Kubikmeter Leimbinder sind durch 15 000 Schrauben der unterschiedlichsten Größen mit den rund fünf Tonnen Stahl verschraubt. Um 7.45 Uhr beginnt es zu dämmern. Die Brücke ist mit Bändern und schweren Ketten an den Auslegern der Kräne befestigt. Die Kranfahrer Edwin Stolz und Norbert Herz sitzen in ihren Arbeitskabinen und haben die Hände an den Joysticks. Über Funk spricht Obermeister Friedhelm Rolink von der Firma Busmann sie an und gibt seine ersten Kommandos. "Sie schwebt", stellt Alois Underbrink, er ist ebenfalls von der Brückenbaufirma, kurz danach fest. Wie von Geisterhand wird das riesige Gestell angehoben und von der Straße ins Tal gelassen. Während unten die Ruwer vor sich hin plätschert, greifen kräftige Männerhände am neuen Standort der Brücke zu. Die Helfer der Brückenbaufirma rufen Obermeister Rolink verschiedene Maße zu, die er an die beiden Kranführer weiter funkt. Stolz und Herz beobachten das Treiben im Tal, haben den Monitor in ihrer Kabine mit allen Daten und Maßen im Blick und korrigieren Zentimeter für Zentimeter die noch leicht schwingende Brücke.Punktgenaue Montage

Nach wenigen Minuten gibt Rolink dann das Kommando an die beiden Kranführer: "Lasst ab!" Punktgenau wird die Brücke abgelassen und ermöglicht nun den Weg über den Bach. Die Glückwünsche für die präzise und gelungene Planung und Arbeit nimmt der sichtlich erleichterte und erfreute Obermeister Rolink entgegen. Noch einige Stunden dauert es danach, bis der Fußboden und die Dachkonstruktion der ohne Mittelstütze auskommenden Brücke verlegt und verschraubt sind. "Ein Schritt zur Verwirklichung des Ruwerradweges ist getan", freut sich auch Arnold Eiden. Die Kosten einschließlich des Abbaues der alten Eisenbahnbrücke belaufen sich auf 220 000 Euro. Die Straßenmeisterei Hermeskeil will bis Ende Februar die teilweise zugewachsene Bahntrasse roden und das Holz zurückschneiden. Danach kann mit dem Wegebau, er ist in mehreren Schritten vorgesehen, begonnen werden. Die nächsten Brückenbauarbeiten im Bereich der Ortslage Waldrach stehen schon morgen, Dienstag, an. Im Herbst 2005, so hofft Eiden, können die ersten Radfahrer zwischen Ruwer und Waldrach sowie zwischen Hermeskeil und Reinsfeld rollen. Für die Arbeiten war eine zweitägige Sperrung der Kreisstraße zwischen Waldrach und Korlingen unbedingt erforderlich. Anscheinend hatten einige Zeitgenossen dafür aber kein Einsehen. Aus Verärgerung schlugen sie in der Nacht von Freitag auf Samstag an einem der Kranwagen, er ist erst drei Wochen alt, die Scheibe auf der Beifahrerseite mit einem Kantholz ein.