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70-jährige Winzerin gibt Wingert auf: Kein Weinbau in Merzkirchen-Portz

Weinbau : 70-jährige Winzerin hört auf: Es hat sich ausgelesen in Portz

Ein Leben lang hat Margot Schmitz ihren kleinen Wingert gepflegt. Jetzt ist damit Schluss. War es das mit der Weinbautradition im Saargau-Ort?

Moment mal, ein Weinberg in Merzkirchen-Portz? Doch, den gibt es schon seit 1950. Er wurde von Johann-Peter Kiefer angelegt. In dem am Schluss nur noch einen halben Hektar großen Wingert ist jetzt die letzte Weinlese gelaufen. Tochter Margot Schmitz ist in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden. Sie hat die Fläche vom Vater übernommen und die Reben 47 Jahre lang bewirtschaftet. Doch die Arbeit fiel ihr mit der Zeit zunehmend schwerer.

Ein letztes Mal wurden jetzt die Familie und Freunde zusammengerufen, um die Früchte der Arbeit in diesem kleinsten Weinberg weit und breit einzusammeln.

„Von Anfang an war es der Elbling“, erklärt die engagierte Weinbäuerin, die nie von diesem kleinen Stück Anbaufläche leben konnte. Gatte Hartmut (80) half früher zwar mit, aber er war ja berufstätig und sie musste den Haushalt und die drei Kinder versorgen.

Und jetzt ist halt Schluss. „Der Ertrag schwankte mit dem Wetter“, erinnert sie sich. Im heißen Sommer 2020 kamen 7700 Kilo Trauben zusammen, die sie bei der Winzergenossenschaft Moselland ablieferte. Mit 67 Grad Oechsle war das ein sehr guter Jahrgang. Hier hatte sich der Klimawandel mal positiv ausgewirkt. „Unterm Strich blieb nie viel Geld übrig, wenn man die Arbeit rechnet und die Leute bezahlt waren“, sagt die Weinidealistin.

 Margot Schmitz in ihrem Weinberg.
Margot Schmitz in ihrem Weinberg. Foto: Herbert Thormeyer

Wie hart das werden konnte, erfuhr Margot Schmitz hautnah, als sie 2003 schwer erkrankte und der Wingert unbearbeitet liegen bleiben musste. Dann konnten die Stöcke nicht behandelt und gebunden und faule Trauben auch nicht aussortiert werden.

„Schade, dass hier eine alte Weinbautradition endet“, findet der Merzkircher Ortsbürgermeister Peter Hemmerling. Im Ortsteil Portz gab es nämlich in früheren Zeiten mehrere Weinberge. Bei der letzten Ernte war der Ertrag wegen der feuchten Witterung wieder geringer. Auch gegen Pilzbefall musste die Winzerin diesmal kämpfen. „Man steckt nie drin, was rauskommt“, sagt sie.

70-jährige Winzerin gibt Wingert auf: Kein Weinbau in Merzkirchen-Portz
Foto: Herbert Thormeyer

Einen Nachfolger, ob in der eigenen Familie oder jemand Fremdes, hat sie bislang nicht gefunden. „Die Leute bevorzugen Berufe mit konstantem Einkommen“, vermutet sie. Und vielen fehle einfach der Idealismus.

Die Rebstöcke werden nach der Lese entfernt. Die Fläche selbst ist aber weiterhin für den Weinanbau geeignet. Vielleicht findet sich ja doch noch Leute, die diese Tradition in dem kleinen Dorf auf dem Gau fortsetzen wollen. Margot Schmitz wird ihren Weinberg vermissen.