81-Jähriger bespuckt und verletzt - Aggressiver Fahrer soll Mann an Baustellenampel angegriffen haben

81-Jähriger bespuckt und verletzt - Aggressiver Fahrer soll Mann an Baustellenampel angegriffen haben

Ein etwa 25-Jähriger Mann soll einen 81-Jährigen Saarländer brutal verprügelt haben. Das Opfer hat laut Polizei schwere Gesichtsverletzungen - ein besonders krasser Fall von Aggressivität im Straßenverkehr. Der genaue Tatort zwischen Saarburg und Konz ist noch unklar. Klar ist nur, dass eine Baustellenampel in der Nähe war.

Der 81-jährige Mann aus dem saarländischen Merzig will am Donnerstag gegen 10.45 Uhr laut Polizei eigentlich zu einem wichtigen Arzttermin nach Trier fahren. Seine Strecke führt ihn am Donnerstagmorgen von seiner Heimatstadt aus über Saarburg und Konz. Irgendwann auf der Strecke habe es dann angefangen, berichtet er der Polizeiwache Trier Innenstadt am Donnerstagabend. Der Fahrer eines dunklen Dreier-BMWs habe begonnen zu drängeln, gibt ein Sprecher der Polizeiwache die Aussagen des Opfers wieder. Die Trierer Ermittler sind zuständig, weil der Saarländer dort Anzeige erstattet hat.

Irgendwann habe der BMW-Fahrer ihn überholt, berichtete der Senior. An einer Baustellenampel sei die Situation gegen 10.45 Uhr eskaliert. Ob diese Ampel auf der K 130 bei Saarburg oder auf der Umleitungsstrecke für die Baustelle in der Konzer Domänenstraße steht, ist unklar. Der Saarländer, offenbar auch von dem Vorfall verwirrt und schockiert, konnte die Örtlichkeit bei der Polizei nicht genauer bestimmen.

Der Vorfall jedenfalls ging nach seiner Darstellung so weiter: Der etwa 25-jährige Fahrer des BMW habe vor dem Rentner an der Ampel gestanden. Dann soll er ausgestiegen und an den Wagen des Saarländers herangetreten sein. Der 81-Jährige habe die Fensterscheibe heruntergelassen, um sein Gegenüber auf dessen Fehlverhalten, das mehrfache Drängeln, hinzuweisen.

Einfach ausgerastet

Der Mann sei dann unversehens ausgerastet: Zunächst habe er das Opfer angespuckt und beleidigt. "Dann kamen brutalst die Fäuste geflogen", sagt der Sprecher der Polizeiwache. Der 81-Jährige, der auch eine Gehbehinderung habe, sei wehrlos gewesen. Eine blonde Frau, die in ihrem Fahrzeug vor dem mutmaßlichen Täter an der Baustellenampel gewartet habe, sei hinzugeeilt und habe den Schläger von dem Saarländer weggezogen.

Das Opfer habe massive Gesichtsverletzungen, vielleicht sogar einen Jochbeinbruch davongetragen. Statt direkt die Polizei zu informieren, sei der Rentner aber zuerst zu seinem Arzttermin gefahren. Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr.

Die Täterbeschreibung: Bei dem Fahrer des BMW soll es sich um einen etwa 25-Jährigen handeln. Laut Polizei hat der mutmaßliche Täter akzentfrei deutsch gesprochen. Weiterhin hat das Opfer angegeben, dass er ein ovales Gesicht und kurze braune Haare hat. Er soll helle Kleidung getragen haben und eine schlanke, athletische Figur haben.

Zeugenhinweise an die Polizei unter Telefon 0651/97790Extra: Aggression auf deutschen Straßen

Eine Umfrage, die im August die Unfallforscher der Versicherer (UDV) veröffentlicht haben, geht davon aus, dass mehr als jeder dritte Autofahrer auf Deutschlands Straßen in aggressiver Stimmung unterwegs ist. Fast die Hälfte der Männer (44 Prozent) und mehr als ein Drittel der Frauen (39 Prozent) schätzt sich demnach als "mindestens manchmal aggressiv" ein. Spitzenwerte bis 58 Prozent gibt es bei den Mitte 20- bis Mitte 40-Jährigen. Unfallforscher Siegfried Brockmann, der an der Studie beteiligt ist überrascht, dass gut verdienende Akademiker laut der Studie besonders rücksichtslos fahren. "Ich denke, es sind Menschen, die es gewohnt sind, sich durchzusetzen. Und die Straße als ein Revier sehen, in dem sie sich durchzusetzen haben."

Ein prominentes Beispiel ist Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann (46). Dieser muss sich am 9. November wegen mutmaßlicher Nötigung und versuchter Körperverletzung vor Gericht verantworten. Zum Prozess kommt es, weil er Einspruch gegen einen Strafbefehl erhoben hat. Lehmann soll 240.000 Euro zahlen. Es geht um eine Autofahrt von 2014. Laut Strafbefehl stieg Lehmann nahe Starnberg a4us seinem Auto und fasste einem Kontrahenten an den Schal, nachdem er dessen Auto aus Verärgerung über die Fahrweise ausgebremst hatte. Die Staatsanwaltschaft brummte dem Ex-Fußballprofi 60 Tagessätze zu je 4000 Euro auf. dpaHintergrund: Baustelle

Seit Ende August wird die Domänenstraße (K.134), zwischen dem Lidl-Kreisel und dem Freizeittreff Fahl erneuert. Seitdem ist sie voll gesperrt. Die innerörtliche Umleitung führt über den Wirtschaftsweg unterhalb von Roscheid am Asylbewerberheim vorbei. Direkt an den Containern neben dem Asylbewerberheim steht eine Baustellenampel.
Laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) dauern die Bauarbeiten vier bis fünf Monate. Je nach Witterung könnte die Domänenstraße im Frühjahr 2017 wieder für den Verkehr freigegeben werden. Im Sommer 2017 steht der letzte Bauabschnitt der Kreisstraße 134 zwischen dem Sportcenter Fahl und dem Zubringer zur B.51 auf der Agenda der Straßenbauverwaltung.Insgesamt investieren der Kreis Trier-Saarburg, die Stadt Konz und die Verbandsgemeindewerke Konz 911.000 Euro für die Baumaßnahme (der TV berichtete). cmk/itz

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