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Ab sofort wird öffentlich diskutiert

Ab sofort wird öffentlich diskutiert

Eine nichtöffentliche Gesprächsrunde zur Zukunft der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke in Wellen sorgt für Diskussionen. Die Beteiligten wollen ein vernünftiges Auskommen zwischen Betrieb und Gemeinde erwirken. Die SPD kritisierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass keine Zuhörer erlaubt waren.

Wellen. "Warum können die Bürger da nicht zuhören?", fragte Margret Schmitt in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Wellen. Der runde Tisch zur Zukunft der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) soll laut der SPD-Ratsfrau nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Bürger hätten ein Recht, in der Runde über die Dorfzukunft dabei zu sein. Mit der Forderung spielt sie auf ein Gespräch am 7. Februar an. Vertreter der neuen TKDZ-Eigentümer, die österreichischen Porr AG (siehe Extra), hatten sich mit Ortsbürgermeister Hans Dostert, Gemeinderatsmitgliedern und Mitgliedern des Vereins Sauberes Wellen getroffen.
Bei einer Bürgerversammlung am 16. Januar hatte sich die Porr-Gruppe bereiterklärt, mit den Wellenern zusammenzuarbeiten. Mit Hilfe eines regelmäßigen Arbeitstreffens sollte ein Weg gefunden werden, das Werk so zu organisieren, dass der Ort möglichst wenig darunter leidet. Fragen zur Regelung des LKW-Verkehrs im Dorf spielen genauso eine Rolle wie die Plan der Porr, 400 000 Tonnen Abfall jährlich im Berg einzulagern. Der erste Gesprächstermin ist vorbei - aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auf TV-Anfrage, ob die Sitzung öffentlich sei, antwortete am 3. Februar eine Pressesprecherin der Porr AG, dass die Sitzung am 7. Februar nicht öffentlich sei.
Protokolle bald auch im Internet


Die Gemeinde habe "alle Gemeinderäte und die Bürgerinitiative" eingeladen, hieß es dort. Die Auswahl der Eingeladenen haben laut Dostert Vertreter der Gemeinde und des Vereins Sauberes Wellen gemeinsam getroffen. Die SPD-Fraktion ist mit dieser Regelung nicht zufrieden. Unter anderem würden die ebenfalls betroffenen Nachbarorte ausgeschlossen.
Dostert greift die Kritik auf und verspricht, künftig öffentlich zum runden Tisch einzuladen. Die Gespräche sollen immer am ersten Dienstag eines Monats stattfinden. Prinzipiell seien Zuhörer schon beim ersten Termin erlaubt gewesen. "Da werden keine Geheimnisse besprochen", meint der Ortsbürgermeister. In der ersten Sitzung ging es um mögliche Regelungen des LKW-Verkehrs und ein Konzept zur Dorfzukunft, das der Verein Sauberes Wellen erstellt hat.
"Aus unserer Sicht können wir den Runden Tisch gerne mit Zuschauern veranstalten", sagt auch Rainer Adami, Geschäftsführer der Porr AG. Er halte es rein organisatorisch für einfacher, die Treffen in kleiner Runde abzuhalten.
Jens Thewke, Sprecher des Vereins Sauberes Wellen, sagt: "Wir sind für Öffentlichkeit - ohne Wenn und Aber." Der Gesprächskreis müsse aber eine arbeitsfähige Gruppe bleiben. Er plädiere dafür, dass die Runde nicht größer wird, aber Zuhörer ohne Einschränkungen zugelassen werden. Thewke kündigte zudem an, dass der Verein Protokolle von den Treffen im Internet unter www.sauberes-wellen.eu veröffentlichen will.
Meinung

Öffentlichkeit fördert Vertrauen
Der Schritt, die Gespräche über die Zukunft der TKDZ in Wellen für Zuhörer zu öffnen, ist richtig. Nicht jeder sollte Rederecht haben, um die Arbeit der Gruppe effektiv zu gestalten. Aber Zuhören muss erlaubt sein. Hier kann sich Wellen an den öffentlichen Schlichtungsgesprächen zum Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 orientieren, die live im Fernsehen übertragen wurden. Nur über das Herstellen von Öffentlichkeit können die Porr AG und die Gemeinde Vertrauen bei den Wellenern schaffen. Und das ist für das Miteinander der TKDZ mit den Bürgern wichtig. Denn die alte Geschäftsführung war weder fähig noch willig, einen vernünftigen Dialog mit den Wellenern zu führen. Das Ergebnis war ein tief gehendes Misstrauen. Um das gegenüber der neuen Geschäftsführung im Keim zu ersticken, muss möglichst viel Transparenz her. Und die Öffnung der Gespräche ist ein guter Anfang. c.kremer@volksfreund.deExtra

Die Porr AG hat im Dezember die Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) gekauft. Der Konzern hat angekündigt, dass er die Arbeitsplätze in Wellen erhalten und die Produktion steigern will. Statt 600 000 Tonnen sollen 800 000 Tonnen Dolomitgestein abgebaut werden. Um das zu verwirklichen, will die Porr "so schnell wie möglich" einen neuen Hauptbetriebsplan vorlegen. Zurzeit laufen Vorarbeiten - unter anderem wird die Grube neu vermessen. Der alte Hauptbetriebsplan läuft Ende April aus. Die A. Porr AG ist ein international agierendes börsennotiertes Bauunternehmen mit 10 000 Mitarbeitern. Laut eigenen Aussagen hatte sie im Jahr 2010 eine Produktionsleistung von 2,8 Milliarden Euro. Der Sitz ist in Wien. cmk