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Abgesichert: First Responder an der Obermosel gehören nun zur Feuerwehr

Abgesichert: First Responder an der Obermosel gehören nun zur Feuerwehr

Sie nennen sich First Responder und überbrücken bei Notfällen die Zeit, bis der Arzt kommt. Die Gruppe an der Obermosel gehört nun zur Feuerwehr und steht damit erstmals auf rechtlich sicheren Füßen.

Die Diskussion über ein mögliches Rettungsloch an der Obermosel hat 2003 zur Gründung der dortigen First Responder (siehe Extra) geführt. Anlass war ein Unfall auf der Bundesstraße 419 zwischen Wincheringen und Palzem. Der Rettungswagen aus Saarburg traf 22 Minuten nach Eingang des Notrufs an der Unfallstelle ein, obwohl das Gesetz eine Frist von 15 Minuten vorschreibt. Der schwer verletzte Autofahrer auf der B 419 überlebte zwar. Doch der Unfall war auch nicht der erste, bei dem die Frist überschritten wurde.

Die Entfernungen seien zu groß für den Rettungswagen, die Straßen zu schlecht, hieß es damals. Die Einrichtung eines First-Responder-Systems im Raum Palzem war schließlich die rettende Idee. Die Ersthelfer sollten die Lücke schließen, bis der Notarzt kommt.

Und tatsächlich, es fanden sich Menschen, die diese Idee umsetzten - unentgeltlich und in ihrer Freizeit. Gründer der First Responder Obermosel und heutiger Leiter ist Toni Betzhold (39) aus Wincheringen. Außerdem gehören Ike Schuster (ebenfalls Wincheringen) und Thomas Fischer aus Nittel dazu.

Bislang hatte die Gruppe, die den Raum Palzem, Wincheringen, Nittel, Rehlingen, Onsdorf, Köllig und Wellen abdeckt, ein Problem: Sie war rechtlich nicht richtig abgesichert. Betzhold sagt: "Wir hingen zwischen den Stühlen, irgendwo zwischen der Verbandsgemeinde und dem Roten Kreuz."

Damit ist nun Schluss. Der Verbandsgemeinderat Saarburg hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, dass die First-Responder-Gruppe Obermosel rückwirkend zum 1. Oktober eine Facheinheit der Freiwilligen Feuerwehr wird. In der Vorlage heißt es: "Die Einheit hat sich in den letzten Jahren durch die längeren Anfahrtswege des Allgemeinen Rettungsdienstes stark bewährt und ist im Bereich der Notfallversorgung zurzeit nicht wegzudenken."

Pro Jahr leisten die freiwilligen Helfer laut Betzhold um die 100 Einsätze. Auf den Ratsbeschluss reagiert Toni Betzhold erleichtert. "Endlich sind wir rechtlich abgesichert über die Verbandsgemeinde." In Bayern werde das seit 30 Jahren so gehandhabt. In Rheinland-Pfalz sei die Gruppe an der Obermosel Vorreiter.

Abgesichert sind die Helfer nun zum einen bei Unfällen auf dem Weg zum Einsatz. Zum anderen greift eine Versicherung für den Fall, dass bei der Arbeit mal etwas schief läuft. Ersteres hat dazu geführt, dass sich die First Responder einen lang gehegten Wunsch erfüllt haben. Sie haben sich mit Hilfe von Spenden, die der Verein zur Unterstützung der First Responder gesammelt hat, alte Einsatzfahrzeuge mit Martinshorn und Blaulicht gekauft. Betzhold: "Das ist ein Riesenvorteil, denn jetzt werden wir im Straßenverkehr erkannt." Vorher hätten sie im Stau teils schweres Gerät Hunderte von Metern weit schleppen müssen.

Was die neue Regelung aber auch mit sich bringt: Die Ersthelfer der Obermosel müssen nun eine Feuerwehrausbildung durchlaufen - sofern sie dies noch nicht gemacht haben. Betzhold, der zehn Jahre im Rettungsdienst tätig war, hat das schon hinter sich. Ike Schuster, der früher bei der Luftrettung gearbeitet hat, noch nicht. Er nimmt es gelassen.

Die Ersthelfer sind eben einiges gewöhnt. Für ihr Ehrenamt müssen sie auch schon mal nachts um 3 Uhr raus und dann um 8 Uhr wieder zur Arbeit gehen. Das sei schon anstrengend, sagen sie. Für ihr Engagement wurden sie bereits mit dem Landesehrenamtspreis ausgezeichnet und Monatssieger beim TV-Ehrenamtspreis Respekt!. Doch so etwas ist nicht ihre Intention. Ike Schuster sagt: "Eigentlich wollen wir nur Nachbarschaftshilfe leisten."
Mehr Infos unter www.frp-obermosel.deExtra: SCHNELLE UND QUALIFIZIERTE ERSTE HILFE

First Responder (englisch für zuerst Antwortende) sind ausgebildete Ersthelfer. Meist sind sie Mitglieder des Roten Kreuzes, der Malteser oder der Feuerwehren. Ihr Ziel ist es, die Zeitspanne vom Notruf bis zur qualifizierten Ersten Hilfe so gering wie möglich zu halten und damit die Erfolgsaussichten für die Behandlung des Patienten zu verbessern. Oft ist der Faktor Zeit entscheidend für die Überlebenschancen des Patienten. Die Überlebenschancen der verunglückten oder erkrankten Menschen sind durch den Einsatz von Erste-Hilfe-Teams laut Erhebungen um bis zu 25 Prozent gestiegen. In vielen Notfallsituationen ist der Faktor Zeit entscheidend für die Überlebenschancen des Patienten. Bei Unfällen und Erkrankungen wie dem plötzlichen Herztod kann eine schnelle und qualifizierte Erste Hilfe überlebenswichtig werden. Im Kreis Trier-Saarburg gibt es die First Responder Hochwald, Holzertah, Kasel, Korlingen, Lampaden, Pluwig, Waldrach und Wincheringen.