Abrissbirne kann bald kommen

So mancher machte sich noch Hoffnungen, dass die geschichtsträchtige Immobilie erhalten werden kann. Doch daraus wird nichts. Die ehemalige Morbacher Ju gendherberge wird abgerissen. Auf dem Areal entstehen Wohnhäuser.

Morbach/Gonzerath. Vor knapp drei Jahren machte die Morbacher Jugendherberge Schlagzeilen: Der Träger, der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks, kündigte per Fax der Gemeinde Morbach lapidar die endgültige Schließung des Betriebs an. Fast über Nacht verlor die Gemeinde damit nach 75 Jahren ein wesentliches Standbein des Morbacher Fremdenverkehrs. Statt einer Jubiläumsfeier gab es in Morbach lange Gesichter. Das Gebäude, ähnlich wie das ehemalige Sporthotel selbst zu kaufen, kam für die Kommune damals offenbar nicht in Frage. Voraussichtlich sieben bis acht Bauplätze

Die Immobilie wechselte für 160 000 Euro den Besitzer. Das Gonzerather Unternehmen Gebrüder Herlach GmbH mit 70 Mitarbeitern erwarb sie. Danach wurde es ruhig um das ortsbildprägende Haus, das über Jahrzehnte für reichlich touristisches Leben im Ort gesorgt hatte. Hinter den Kulissen gab es intensive Gespräche über eine Nachfolge-Nutzung - etwa mit Betreutem Wohnen. Spruchreif wurde nichts. Auch bei Herlachs hielt man sich wegen einer neuen Nutzung lange bedeckt. Doch derzeit tut sich was auf dem 3000 bis 3500 Quadratmeter großen Areal schräg gegenüber des Deutschen Telefonmuseums. Auf dem an das Gebäude angrenzenden Parkplatz werden die ersten Wände eines Wohnhauses hochgezogen, das im Frühjahr fertig sein soll. Weitere sollen nach Angaben von Ingolf Herlach vom Architektur- und Ingenieurbüro Herlach folgen. Allerdings sind die Flächen noch nicht parzelliert. Herlach geht von sieben bis acht Bauplätzen aus. Ob dort Einfamilien-, Mehrfamilien- oder Doppelhäuser entstehen, entscheiden nach seiner Aussage die Interessenten. Mit den Informationen des Unternehmers schwinden die letzten Zweifel an der Tatsache, dass das geschichtsträchtige Gebäude abgerissen wird. "Das tut mir auch weh", versichert der Gonzerather. Aber ein Gebäude, das nur leer stehe, mache schließlich auch keinen Sinn. Wann die Abrissbirne kommt, sei derzeit noch völlig offen. Dem Gebäude geht es erst an den Kragen, wenn auf der Fläche konkret gebaut wird. Und das sei noch offen. Schließlich koste der Abriss weitere 80 000 Euro. Herlach: "Aber theoretisch kann das schnell gehen."Für ihn steht fest: "Es wird eine schöne Sache." Anfreunden kann er sich auch mit barrierefreiem Wohnen, am liebsten für Jung und Alt gemeinsam. An Interessenten fehlt es offenbar nicht. "Die Nachfrage ist immens", ist der Geschäftsmann selbst überrascht. Nicht jeder wolle schließlich in das Neubaugebiet "Auf der Huhf".