Absage an unbegrenztes Wachstum

Für Engagement, mit dem das Zusammenleben in den Gemeinden gestärkt wird, hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus 97 Bewerbern sechs Kommunen ausgezeichnet. Einer der Preisträger ist die Gemeinde Wawern. Das Zukunftskonzept des Ortes überzeugte die Jury. Ortsbürgermeister Franz Zebe nahm den Preis für alle engagierten Bürger entgegen.

Wawern. Die Ausgangssituation ist für den Ortsbürgermeister von Wawern, Franz Zebe, klar: "Wir können uns keine Gedanken über neue Baugebiete oder die Ansiedlung von Gewerbe machen, denn bei uns gibt es rundherum viel schützenswerte Natur." Das neue Baugebiet, das gerade erschlossen wird, sei wohl das letzte.
Was also tun, um den Ort attraktiv in die Zukunft zu führen? Vor 18 Monaten wurde ein Konzept beschlossen, das alle Generationen beteiligt. Dieses Zukunftskonzept hat jetzt den Brückenpreis der Landesregierung erhalten, der mit 2000 Euro Preisgeld verbunden ist.
Lebendige Dorfgeschichte


"Das Motto lautet ,Engagement leben, Brücken bauen, Integration stärken, in Zivilgesellschaft und Kommunen\'", sagte Regierungschefin Malu Dreyer bei der Preisübergabe in der Staatskanzlei in Mainz. Brücken zwischen Menschen und verschiedenen Lebenswelten gelte es zu bauen.
Die Ministerpräsidentin hob hervor, dass Wawern unbegrenztem Wachstum eine Absage erteilt hat und stattdessen auf sanften Tourismus und eine senioren- und behindertengerechte Gestaltung des Ortes setzt. "Die Dorfgeschichte mit ihrer besonderen jüdischen Vergangenheit wird lebendig gehalten, Dorfplatz und Seniorentreff und der Mehrgenerationen-Fitnesspark setzen Schwerpunkte", lobte Dreyer.
Besonders stolz ist Ortschef Zebe auf den neuen Verein "Demografischer Wandel - Dorfgemeinschaftswesen fördern -Wawern ". Das Besondere an ihm ist: "Im Vorstand arbeiten mehrere Generationen zusammen", so Zebe. Mit Rudi Bauer sei auch ein 85-Jähriger aktiv.
Mit dem Brückenpreis des Landes will Wawern jetzt werben und auf die reiche Natur rund um den Ort wie etwa den Wawerner Bruch, hinweisen. Doch die Touristen und Besucher sollen nicht nur ein paar Stunden kommen, sondern möglichst auch im Dorf übernachten.
"Es ist unser nächstes Ziel, Fremdenbetten anbieten zu können", plant Zebe. Für die Gaststätte Bürgerstube werde ein neuer Pächter gesucht.
Wichtig ist dem Ortschef, dass der Förderverein der ehemaligen Synagoge mit Veranstaltungen Kultur in den Ort bringt und das jüdische Erbe mit dem Verein "Gedenken und Gestalten" lebendig bleibt. "Heute muss aus der Vergangenheit gelernt werden", sagt Zebe.
Nicht nur für die Dorfgemeinschaft, sondern vor allem für manchen Großstädter ist der Hausbackofen im künftigen Vereinszentrum ein Erlebnis. "Daraus schmeckt die Pizza viel besser als aus der Tiefkühltruhe, sagen mir die Leute immer wieder", verrät der Ortschef.
Gefragt nach der Verwendung des Preisgelds muss Zebe nicht lange nachdenken: "Am Mehrgenerationen-Fitnesszentrum werden noch Parkplätze gebraucht, und auch im Dorfgemeinschaftsraum gibt es noch viel zu tun."

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