Abschied von der Kirche
SCHWEICH. Das Bistum Trier steht vor großen Herausforderungen: Sinkende Mitgliederzahlen, fehlende Kirchensteuergelder und ein gravierender Priestermangel zwingen zu Reformen. Bei einer Startveranstaltung zum "Projekt 2020” wurden Laien und Geistliche des Dekanates Schweich-Welschbillig über die Änderungen informiert.
"Wohin geht es mit unserer Kirche?” Diese Frage des Dechanten Berthold Fochs aus Schweich-Welschbillig, sprach vielen der etwa 100 Anwesenden aus dem Herzen. Zur Startveranstaltung des Bistums-Projekts "2020” im Dekanat waren Priester, Ordensleute, Pastoralreferenten, Sekretärinnen und Aktive aus Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräten gekommen. Projektleiter Pfarrer Martin Lörsch verdeutlichte die akuten Probleme des Bistums Trier, indem er einen Vergleich über zwanzig Jahre zog. Von einst 748 Priestern, die 1984 aktiven Dienst leisteten, sind 2004 noch 487 übriggeblieben. Von knapp 510 000 Gottesdienstbesuchern im Jahr 1984 hat sich die Zahl auf 220 000 im Jahr 2004 verringert. Auch wenn so die Zukunftsaussichten alles andere als rosig sind, versuchte die Schweicher Pastoralreferentin Beate Barg, Panik zu vermeiden: "Das Projekt 2020 beginnt frühzeitig, so dass wir nicht von den Prozessen überrollt werden, sondern sie mitgestalten können.” Mitgestaltung durch die katholische Basis wird vom Bistum ausdrücklich erwünscht. Wünsche, Kritik und Einwände der Pfarreien sollen zur Fastenzeit 2006 mittels Fragebögen geäußert werden. Diese werden im Herbst 2006 im Umstrukturierungsprozeß, der derzeit noch in der Analyse-Phase steckt, mitberücksichtigt. Im April 2007 soll ein Strukturplan vorliegen, der abschließend in den Gremien des Bistums beraten werden soll. Im Juni 2008 soll das Projekt 2020 endgültig abgeschlossen sein und die Reformen in Kraft treten. Die letztendliche Entscheidungsgewalt liegt bei Bischof Reinhard Marx. Schon jetzt hat der Bischof drastische Kürzungen in Aussicht gestellt. Die Zahl von derzeit 389 "pastoralen Einheiten”, das sind Zusammenschlüsse von Pfarreien unter Leitung eines Priesters, wird auf etwa 180 verringert. Konkrete Pläne für Schweich-Welschbillig sind noch nicht bekannt, doch fest steht: Die derzeit noch 30 Pfarreien, die von zehn Pfarrern in elf Pfarreiengemeinschaften geleitet werden, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Kleinere, bisher eigenständige Pfarreien werden zu größeren Einheiten fusionieren müssen. Martin Lörsch prognostiziert: "Wir werden nicht mehr überall präsent sein können”. Ein Teilnehmer mahnte an, dass die Priester von ihrer Verwaltungsarbeit entlastet werden müssten, um mehr Seelsorge betreiben zu können. Lörsch versprach, die Anregungen aller Beteiligten miteinfließen zu lassen. Gleichzeitig forderte er alle Teilnehmer auf, in den Pfarreien daran mitzuwirken, dass "ein Geist des Aufbruchs und der Erneuerung entsteht”. Den Stand des "Projektes 2020” des Bistums Trier ist im Internet unter www.projekt2020.bistum-trier.de dokumentiert.