Abstimmung in Hermeskeil: Stadtrat will Beschlüsse aufheben, die Hitler und Hindenburg zu Ehrenbürgern machen

Kostenpflichtiger Inhalt: Symbolischer Akt : Hitler und Hindenburg bald keine Ehrenbürger mehr in Hermeskeil - Stadtrat will Beschlüsse aufheben

Die Gemeinde Hermeskeil ernannte 1933 unter anderem Adolf Hitler und Paul von Hindenburg zu Ehrenbürgern. Diese alten Beschlüsse will der Stadtrat am Dienstag aufheben. Das haben nicht alle Städte getan, die damals Ehrentitel an Nationalsozialisten vergaben.

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Adolf Hitler, zum neuen Reichskanzler. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte begann. Wenige Monate später, am 18. April 1933, ernannte der Gemeinderat Hermeskeil Hindenburg, Hitler sowie die Reichstagsabgeordneten Robert Ley und Gustav Simon einstimmig zu Ehrenbürgern. Eine Anerkennung, die der aktuelle Stadtrat heute, 19 Uhr, im Rathaussaal zurücknehmen soll. So lautet der Beschlussvorschlag für die Sitzung.

Den Anstoß dazu gab der Kulturgeschichtliche Verein Hochwald. Dessen Vorsitzender Dittmar Lauer sagt: „Wir haben das schon früher angeregt, aber vor fünf Jahren sah die Stadtführung keinen Handlungsbedarf.“ Es sei darauf verwiesen worden, dass laut rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung die mit der Ehrung verbundenen Rechte nach dem Tod des Betroffenen erlöschen. Hitler und andere Nazi-Funktionäre tauchen allerdings in einigen Gemeinden weiterhin in der Auflistung ihrer Ehrenbürger auf.

Lauer schreibt mit seinen Vereinskollegen zurzeit an einer Chronik über Hermeskeil, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Dann will die Hochwaldstadt die Verleihung ihrer Stadtrechte feiern, die 1970 erfolgte. 2020 liegt zudem das Ende des Zweiten Weltkriegs 75 Jahre zurück. „Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir diese Ehrenbürgerschaften aufheben?“, findet Lauer. „Wir würden diesen symbolischen Akt gern in unsere Chronik aufnehmen.“

Zu Ehrenbürgern ernannt werden Persönlichkeiten, die sich in ihrem Ort besonders verdient gemacht haben. Dass jemand wie Gustav Simon immer noch als Hermeskeiler Ehrenbürger geführt werde, sei für ihn völlig unverständlich, sagt Lauer. Wenn bei Gedenkveranstaltungen im ehemaligen SS-Sonderlager/KZ Hinzert an die Erschießung luxemburgischer Gefangener erinnert werde, denke er stets daran, dass Simon – Gründer der NSDAP-Ortsgruppe Hermeskeil, später Gauleiter des Gaus Koblenz-Trier und ab 1940 Chef der Zivilverwaltung im besetzten Luxemburg – „im Prinzip derjenige war, der diese Männer nach Hinzert geschickt hat“. In Luxemburg warte man schon lange darauf, dass der „Anerkennungsakt“ von 1933 zurückgenommen werde. Zu Robert Ley, Gauleiter des Gaus Rheinland-Süd, sagt Lauer: „Er war ein Förderer von Simon, war oft in Hermeskeil. Nach ihm war damals die in der Nazi-Zeit gebaute Jugendherberge benannt.“

„Uns ist bewusst, dass Ehrenbürgerschaften mit dem Tod enden“, sagt Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD). „Wir wollen uns aber ganz offiziell und klar vom damaligen Beschluss distanzieren und ein positives Zeichen setzen.“ Zumal es aktuell in der Gesellschaft Tendenzen gebe, „dass Antisemitismus und Rassismus wieder salonfähig erscheinen“.

Dittmar Lauer hofft, dass der Hermeskeiler Beschluss Nachahmer findet. 1933 hätten auch Thalfang, Bernkastel-Kues, Prüm, Zeltingen-Rachtig und Saarburg Adolf Hitler zum Ehrenbürger gemacht. Formal aufgekündigt haben dies zum Beispiel Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm, 2014) und Trier (2010). Paul von Hindenburg, in dem viele einen Wegbereiter des Dritten Reichs sehen, blieb in Trier Ehrenbürger. Allerdings wurde 2008 das Hindenburg-Gymnasium in Humboldt-Gymnasium umbenannt. Schon mehrfach regten Lokalpolitiker an, den Namen der Trierer Hindenburgstraße zu ändern. Inzwischen befürwortet dies auch der betroffene Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld. Dittmar Lauer sieht einen zentralen Unterschied zur Trierer Diskussion um Hindenburg: „Dort erhielt er die Ehrenbürgerschaft schon in den 1920er Jahren, in Hermeskeil 1933 im Paket mit Hitler und den anderen. Deshalb wollen wir ihn nicht aussparen.“

Die Stadt Konz hat neun Bürgern bislang die Ehrenbürgerwürde verliehen, darunter waren keine Nazifunktionäre. In Saarburg erhielten sowohl Adolf Hitler als auch Paul von Hindenburg 1933 diesen Titel. Bei beiden sei er mit deren Tod erloschen, teilt die Pressestelle der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell mit und fügt hinzu: „Die Stadt Saarburg distanziert sich ganz klar von jeglichem nationalsozialistischen und menschenverachtenden Gedankengut.“ In Schweich – das ergab bereits vor zehn Jahren eine TV-Recherche – kamen Hitler und Konsorten gar nicht erst zu Ehren.

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