Acht Pfarreien kommen unter ein Dach

Acht Pfarreien kommen unter ein Dach

Der Fahrplan für die Gründung der sogenannten Pfarrei neuen Typs steht. Bis Herbst 2015 sollen die bisher acht selbstständigen Pfarreien im Raum Hermeskeil zu einer Großpfarrei verschmelzen. Rund 9300 Katholiken kommen durch diese Fusion organisatorisch unter ein gemeinsames Dach. Vor Ort bleiben aber Bezugspersonen erhalten, die sich um die Seelsorge kümmern, versichert Pastor Clemens Grünebach.

Hermeskeil. Die Bildung einer Großpfarrei im Hochwald rückt immer näher. Im Oktober 2015 soll das Gründungsfest für die sogenannte Pfarrei neuen Typs im Raum Hermeskeil gefeiert werden. Das sieht der von einer Projektgruppe erarbeitete Zeitplan für eine weitere Strukturreform in der katholischen Kirche vor.
Die Ausgangslage: Seit 2010 gibt es die Pfarreiengemeinschaft (PG) Hermeskeil. Sie besteht aus den acht eigenständigen Pfarreien Bescheid, Beuren, Damflos, Geisfeld, Gusenburg, Hermeskeil, Rascheid und Züsch. Jede von ihnen hat bisher einen eigenen Pfarrgemeinderat und einen eigenen Verwaltungsrat. Ersterer kümmert sich um pastorale Angelegenheiten wie die Jugendarbeit, den Besuchsdienst von Kranken oder er macht Vorschläge zur Gestaltung von Gottesdiensten. Der Verwaltungsrat ist für die finanziellen Fragen der jeweiligen Pfarrei zuständig.
Statt acht Pfarrgemeinderäten und acht Verwaltungsräten wird es in Zukunft nur jeweils ein solches Gremium für die gesamte Großpfarrei geben. Deren Wahlen sind im November 2015 beziehungsweise im Januar 2016 geplant.
Die Gründe für die Fusion: Pastor Clemens Grünebach betont, dass die Kirche auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren muss. 9300 Katholiken leben zurzeit im Gebiet der Pfarreiengemeinschaft Hermeskeil. Noch vor zehn Jahren waren es 1000 mehr. "Rund 80 Prozent der Gläubigen haben wir durch den demografischen Wandel verloren", rechnet Grünebach vor. Hinzu kommen Kirchenaustritte. Auch das ehrenamtliche Engagement geht immer mehr zurück. "Es ist zum Beispiel sehr schwierig, überhaupt noch Leute für die Pfarrgemeinderäte zu finden", sagt Grünebach Mit Ausnahme eines Orts sei es bei der Wahl 2011 so gewesen, dass sich gerade genug Kandidaten für die nötige Anzahl an Plätzen in diesen Gremien meldeten.
Außerdem, so Grünebach, "erreicht die klassische Territorialseelsorge immer weniger Gläubige". Das heißt: Kirchliches Leben spielt sich nicht mehr so stark in den Gotteshäusern selbst ab. Begegnungsstätten wie vor allem das Mehrgenerationenhaus in Hermeskeil gewinnen eine immer größere Bedeutung. "Die Pfarrei neuen Typs gruppiert sich nicht nur um einen Kirchturm, sondern sie wird ein Netzwerk mit verschiedenen Knotenpunkten sein", sagt Grünebach. Der Pastor betont, "dass es unsere Idee ist, so wenige Strukturen wie nötig und so viele Freiräume wie möglich zu schaffen. Die Ehrenamtlichen sollen nicht mehr in Sitzungen ersticken und die Ressourcen optimal genutzt werden".
Kirche vor Ort: Die einzelnen Pfarreien sind künftig zwar nicht mehr selbstständig. Es werden aber überall sogenannte Ortsausschüsse gebildet. Deren Wahlen sind im Januar 2016 geplant. Die Mitglieder der Ortsausschüsse sollen dafür sorgen, dass das kirchliche Leben im Dorf mit den eigenen Traditionen und Bräuchen gewahrt bleibt. "Diese Ortsausschüsse haben ein gewisses Budget zur Verfügung und können dann zum Beispiel selbst bestimmen, ob sie ein Pfarrfest oder andere Aktivitäten machen", sagt Grünebach. Außerdem gebe es in den Dörfern weiter eine feste Bezugsperson. Jeder Ortsausschuss wird einen hauptamtlichen Seelsorger als Ansprechpartner haben. Ob in Zukunft noch so viele Messen abgehalten werden können wie bisher, ist wegen der personellen Situation der Kirche jedoch offen. "Da die Zahl der Priester weiter zurückgehen wird, müssen wir über andere Formen von Gottesdiensten nachdenken", heißt es in einem aktuellen Flyer.
Ab 20. September 2014 werden in verschiedenen Orten sogenannte "Haltestellengottesdienste gefeiert, bei denen sich die Gläubigen näher über die Pfarrei neuen Typs informieren können.
Welchen Namen die Großpfarrei künftig trägt, wird nach einer Beteiligung der Bevölkerung im April 2015 beschlossen.Extra

Wilfried Lemm ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Hermeskeil. Er sagt: "Ich sehe die Sache als sinnvoll an. Das ehrenamtliche Engagement geht immer mehr zurück. Man kann die Arbeiten bündeln, statt sie in den einzelnen Pfarreien doppelt und dreifach zu machen. Der Verlust der Eigenständigkeit ist für uns in Hermeskeil wahrscheinlich kein so großes Problem wie auf den Dörfern. Denn später werden ja gerade hier in Hermeskeil viele Veranstaltungen stattfinden. Allein schon wegen der Räumlichkeiten." Mario Leiber ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats Beuren. Er sagt: "Glücklich macht es uns zwar nicht, dass wir bald keine eigenständige Pfarrei mehr sind. Persönlich bin ich aber der Meinung, dass es nicht anders geht. Es gibt zu wenig Ehrenamt, zu wenig Personal und zu viele Gremien. Da bekommen wir die Kurve nicht mehr." ax