Achtung, hier wird gebuddelt!

KASTEL-STAADT. Das schlechte Wetter verschafft den Grabungsexperten auf zwei Grundstücken in Kastel phasenweise eine Zwangspause. Bis Ende des Jahres will das Rheinische Landesmuseum Trier seine Aktivitäten in dem Ortsteil der Saargemeinde abgeschlossen haben.

Neugierige werden in Kastel derzeit "ganz offiziell" in die Schranken gewiesen: "Betreten der Ausgrabungen verboten!" steht in fetter Schrift auf einem Schild auf einem freien Grundstück an der König-Johann-Straße. Dort sowie wenige Meter weiter in Richtung Dorfkern wollen sich zwei private Bauherren ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen. Derzeit hat allerdings das Landesmuseum den Vortritt. Seit einigen Wochen sind die Fachleute Überresten eines römischen Heiligtums auf der Spur (TV vom 5. Juli). Da Kastel seit 1997 Grabungsschutzgebiet ist, werden interessierte private Bauherren von vorneherein informiert, dass sich vor deren erstem Spatenstich die Fachleute des Trierer Museums auf dem Grundstück tummeln.Brunnenschacht und Kult-Theater

Diese Erfahrung machen derzeit auch die beiden Bauherren an der König-Johann-Straße. Überreste einer 75 Zentimeter dicken Mauer sowie einen Brunnenschacht haben die Trierer "Geschichtsgräber" freigelegt. "Der Brunnen ist inzwischen sechs Meter tief ausgenommen worden", erläutert Hans Nortmann, Archäolgoe am Landesmuseum. Generell müsse das Team mit den übrigen Grabungen auf den Grundstücken "noch mindestens einen Meter weiter in die Tiefe gehen", erläutert Nortmann. "Es ist zu erwarten, dass wir Details zu einer Säulenhalle finden." Dem Bauherren des einen Grundstücks, auf dem die interessanteren Funde gemacht worden sind, sei jedoch zugesagt, dass er am 4. September mit den Ausschachtungen beginnen könne. "Im vorderen Teil des Geländes werden wir allerdings noch etwas länger tätig sein", sagt Nortmann. Auf dem Nachbargrundstück sei die Freigabe für den 4. Oktober vereinbart worden. "Dort ist aber nicht sehr viel Spektakuläres zu sehen", sagt der Archäologe. Wenn es derzeit zu stark regnet, stellt das Grabungsteam die Arbeiten ein. "Die Planen, die wir über die Grabungslöcher spannen, dienen in erster Linie dazu, zu verhindern, dass das Gelände verschwemmt." Was mit den größeren, sichtbaren Funden auf dem Gelände langfristig passiert, sei Angelegenheit des Bauherrn. "Wir räumen natürlich ab, was für die Forschung relevant ist", sagt Nortmann. "Ob der Bauherr aber das Stück Mauer oder den Brunnenschacht in irgendeiner Weise in den Bau seines Hauses integriert, obliegt allein seiner Entscheidung. Verpflichtet ist er dazu nicht." Bis Ende des Jahres sollen neben diesen Grabungen auch die Arbeiten einige Meter weiter in Richtung Friedhof, in der Oligskaul, beendet sein. Grabungstechniker Bruno Kremer geht davon aus, an dieser Stelle auf die Überreste eines gallo-römischen Kult-Theaters gestoßen zu sein. Etwa 3000 Menschen soll das Theater Platz geboten haben bei einem Durchmesser von 60 bis 70 Metern. "Im Großen und Ganzen sind wir bis jetzt mit den Grabungen gut vorangekommen", sagt Nortmann. "Es wird ein bisschen schwieriger werden, wenn Mitte September die ,Ein-Euro-Kräfte' wegfallen, weil die ABM-Maßnahme ausläuft. Bevor der Winter anbricht, wollen wir jedoch in jedem Fall mit dem Projekt durch sein."