Ärger auf dem Schulweg

Obwohl sie kostenlos mit dem Bus zur Grundschule in Wincheringen kommen könnten, fahren viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto dorthin. Der Grund: Der Bus sei überfüllt. Der Kreis ruft die Betroffenen auf, sich offiziell zu beschweren.

Palzem/Wincheringen/Saarburg. Guido Weyer ist verärgert. Seine Tochter besucht die erste Klasse der Grundschule in Wincheringen. Um dorthin zu kommen, nimmt sie jeden Tag den Bus. Obwohl Palzem erst die zweite Station auf der Strecke ist (siehe Extra), bekam sie laut Weyer in der ersten Schulwoche bereits dort keinen Sitzplatz mehr. "Deswegen fahren viele Eltern ihre Kinder mittlerweile selbst zur Schule", sagt der Landwirt aus Palzem.
Zu ihnen gehört Margit Linster. "Der Zustand im Schulbus ist desolat. Die Kinder haben Panik, in Wincheringen aus dem Bus zu kommen, da der Fahrer nur die vordere Tür öffnet", sagt sie. Nachdem ihre Tochter an den ersten drei Schultagen Angstzustände im Bus gehabt habe, fahre sie die Zweitklässlerin nun mit dem Auto zur Schule. Für Linster die sicherere Variante, da die Kinder im Bus stehen müssten und nicht angeschnallt seien.
"Wir nehmen die Beschwerden ernst", sagt Claudia Schulligen-Maslo. Die Gesellschafterin des Busbetreibers Saargau Linie on Tour hat deshalb in den kommenden Tagen Zählungen angekündigt. Sie geht jedoch davon aus, dass der Bus nicht überfüllt ist. Den Bedenken der Eltern hält sie entgegen, dass man sich an die vorgeschriebenen Sicherheitsbestimmungen halte. "Eine Anschnallpflicht besteht nicht", klärt sie auf. In Wincheringen werde nur die vordere Bustür geöffnet, um die aussteigenden Grundschüler vor dem Andrang der zusteigenden Schüler zu schützen, sagt Schulligen-Maslo.
Nach Angaben des Kreises Trier-Saarburg, der für die Schülerbeförderung zuständig ist, hat der eingesetzte Bus 46 Sitz- und 102 Stehplätze. Anspruch auf einen Sitzplatz haben Schulkinder nicht. Für deren Beförderung dürfen auch Stehplätze genutzt werden - einer Verordnung des Bundes zufolge im Linienverkehr sogar zu 100 Prozent. "In Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen hat der Kreis Trier-Saarburg jedoch die Sonderregelung vereinbart, dass höchstens 70 Prozent der ausgewiesenen Stehplätze ausgeschöpft werden", sagt Martina Bosch von der Kreisverwaltung. Demnach dürften täglich 71 Schüler im betroffenen Bus stehen.
Laut Kreisverwaltung sind für 91 Schüler Fahrkarten gekauft worden. Wie viele Schüler tatsächlich den Bus der Linie 243 nutzen, kann Bosch aber nicht sagen, da nicht klar sei, ob alle Schüler ihre Fahrkarten nutzten. Zudem gebe es noch einen Bus, der zu einem früheren Zeitpunkt fahre. Nach Einschätzung des zuständigen Sachbearbeiters reichen die Buskapazitäten aus.
Erst Zählung bringt Klarheit


Die genaue Zahl könne nur durch eine Zählung ermittelt werden. "Gegebenenfalls wird die Kreisverwaltung zählen, wenn weitere Beschwerden eingehen", sagt Bosch. Bisher habe sich aber lediglich eine Mutter aus Helfant beschwert. Ohne konkrete Hinweise seien der Kreisverwaltung bei 7300 Schülern, die täglich befördert würden, die Hände gebunden.
Das sieht auch Rudolf Klein so, ehemaliger Regionalelternsprecher Trier und ehemaliges Vorstandsmitglied des Landeselternverbands. "Es hilft nichts, wenn Gerüchte kursieren, dass es bei der einen oder anderen Linie meistens zu Problemen kommt. Hier sind die Eltern gefordert, konkrete Fakten zu liefern", sagt Klein. Das bedeute zu melden, wann genau welcher Bus auf welcher Linie welches konkrete Problem gehabt habe.
Ob die Zählung noch dasselbe Ergebnis wie zu Schulbeginn liefert, bezweifelt Guido Weyer. Laut Weyer entspanne sich die Lage im Schulbus, allerdings nur, weil viele Eltern in der Zwischenzeit aufs Auto umgestiegen seien. "Das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein", gibt Weyer zu bedenken. "Was bringt eine kostenlose Schülerbeförderung noch, wenn die Eltern ihre Kinder selbst zur Schule bringen?"
Auf der Internetseite des Kreises Trier-Saaburg www.trier-saarburg.de befindet sich in der rechten Leiste das Feld "Beschwerde Schülerbeförderung". Hier können sich Eltern beschweren.
Meinung

Gesetzgeber gefordert
Dass Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule fahren, als sie in den Bus zu setzen, konterkariert die Idee der kostenlosen Schülerbeförderung. Erheblich mehr Sitzplätze würden Abhilfe schaffen, aber auch neue Kosten verursachen. Denn ohne den Einsatz zusätzlicher Busse ist das nicht zu leisten. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, der engere Vorgaben machen muss. Denn die Kommunen dürfen angesichts ihrer hohen Verschuldung die freiwilligen Ausgaben nicht erhöhen. Die monetären Zwänge sollten hier jedoch der Sicherheit der Kinder untergeordnet werden. f.straub@volksfreund.deExtra

Die Buslinie 243 der Firma Saargau Linie on Tour fährt morgens von Wehr über Palzem, Schloss Thorn, Kreuzweiler, Dilmar, Esingen, Helfant, Wincheringen und Bilzingen nach Saarburg. Von Wehr bis zur Grundschule in Wincheringen fahren die Grundschüler gemeinsam mit Schülern der weiterführenden Schulen in Saarburg. Nach Angaben des Kreises Trier-Saarburg steigen an der Grundschule Wincheringen entsprechend der Fahrkartenübersicht 51 Grundschüler aus. red