Ärger um Bauwagen

Orscholz/Merzig .Ein Bauwagen sorgt in der Gemarkung Orscholz (Kreis Merzig-Wadern) für Ärger. Die Naturschutzbehörde des Kreises hat eine allein erziehende Mutter aufgefordert, den Wagen von ihrer Streuobstwiese zu entfernen.

Jahrzehntelang erforschte Peter Lustig in der ZDF-Kindersendung "Löwenzahn" die Welt - und war Kult. Ebenso wie sein Bauwagen, in den er für die Sendung zog. Dieses stahlblaue Domizil stand sicherlich in einem Garten innerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Sonst wären die Naturschützer Sturm gelaufen - unter Berufung auf das Naturschutzgesetz. Darin ist zu lesen: Bauwagen im Außenbereich sind Fremdkörper und stellen einen erheblichen und nachhaltigen Eingriff in Natur und Landschaft dar. Denn Bauwagen sind, so sieht es die Landesbauordnung, bauliche Anlagen. Aus diesem Grund hat sich auch Milena Rath Ärger mit der Naturschutzbehörde beim Landkreis eingehandelt. Die hat sie aufgefordert, den Bauwagen von ihrem Grundstück in Gottes freier Natur zu entfernen. "Durch einen Hinweis wurde im Jahr 2005 im Außenbereich der Gemarkung Orscholz festgestellt, dass ein orangefarbener Baustellenwagen in einem Streuobstbestand abgestellt wurde", sagt Klaus Borger vom Kreisumweltamt. Die Streuobstwiese sei mit Fichten eingefasst worden, intensive Erd- und Steinarbeiten nebst dazugehöriger Infrastruktur, und der Bauwagen, der einer Hütte gleichkomme, ließen die überwiegende Nutzung zu Freizeitzwecken erkennen, ergänzt er. Eine Genehmigung schließt Borger kategorisch aus. "Wegen der Gleichbehandlung dürfen wir keine Ausnahme für private Nutzer machen." Bauliche Anlagen in Außenbereichen seien nur dem Forst und der Landwirtschaft erlaubt. Gegen ein Gesetz habe sie nicht verstoßen wollen, sagt Milena Rath. Die gebürtige Litauerin, die in Merzig eine zweite Heimat fand, hatte vor etwa eineinhalb Jahren die 20 Ar erstanden, da sie gerne in der Natur sei und Gartenarbeit liebe, wie sie sagt. Kurze Zeit später rollte sie den Bauwagen auf das Gelände, um Spaten, Harke, Rasenmäher und Gießkanne zu deponieren. "Ständig all die Utensilien ins Auto laden und dann von Merzig nach Orscholz karren, erschien mir zu umständlich", sagt die allein erziehende Mutter eines neunjährigen Jungen. "Zudem habe ich in Merzig nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Hochhaus. Wo hätte ich all die Gartengeräte lagern sollen?" Jahrelang habe sie jeden Euro umgedreht und gespart, um sich das ersehnte Fleckchen Grün und den Bauwagen leisten zu können. Von dem Bauwagen wird sie sich allerdings trennen müssen. Die gütliche Vereinbarung haben Naturschutzbehörde und Rath mittlerweile getroffen. Offenbar haben Klaus Borger und seine Mitarbeiter sich bereit erklärt, ihr beim Verkauf des Wagens behilflich zu sein. Schweren Herzens nimmt die Frau Abschied.