Ärztemangel wird Thema in Konz

Mehr als zwei Jahre lang hat Dr. Barbara Rommel nach einem geeigneten Nachfolger für ihre Hausarztpraxis in Konz-Ober emmel gesucht. Es gab mehrere Bewerber, die jedoch wieder abgesprungen sind.

Konz-Oberemmel. "Auch in der Verbandsgemeinde Konz wird es mittelfristig einen Mangel an Hausärzten geben", meint Barbara Rommel, Internistin aus Oberemmel. Sie hat ihre Praxis zum 1. April an Dr. Arno Bauschert aus Trier übergeben können - allerdings erst "auf den letzten Drücker". Zwei Jahre hatte sie zuvor vergeblich einen Nachfolger für ihre gut eingeführte und wirtschaftlich gesunde Praxis gesucht.

"Viele junge Kollegen scheuten den Umzug aufs platte Land und den Schritt in die Selbstständigkeit", sagt Rommel. Nun drohe aber, aufgrund der Altersstruktur bei den niedergelassenen Ärzten, innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre ein Mangel an Hausärzten in der Region.

In den vergangenen Jahren hätten bereits fünf Konzer Praxen "dichtgemacht". Er könne diese Sorge gut nachvollziehen bestätigt Burkhard Zwerenz, Arzt aus Prüm und Landesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes im Gespräch mit dem TV. Andererseits gibt er zu bedenken, dass in der heutigen Zeit eben auch bei jungen Ärzten der Wunsch nach geregelter Arbeitszeit und einem gesicherten Einkommen überwiege.

"Die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte sind leider nicht mehr so attraktiv wie in früheren Zeiten", sagt Zwerenz. In Bayern sei die Situation besser, dort gebe es für junge Landärzte organisatorische und finanzielle Anreize, sich auf dem Land niederzulassen.

Dass diese gesetzliche Vorgabe der Entbürokratisierung in Rheinland-Pfalz noch nicht umgesetzt sei, liege an der Blockade der meisten großen Krankenkassen, die die entstehenden Kosten scheuen würden, so der Ärztefunktionär.

Auch der Konzer Bürgermeister, Karl-Heinz Frieden, bestätigt die Aussagen des Hausarztchefs und von Barbara Rommel: "Das ist eine grundsätzliche Misere und kein Einzelfall; viele Praxen sind jetzt schon überlaufen." Wahrscheinlich werde es darauf hinauslaufen, dass die medizinischen Versorgungszentren - dass heiße, Fachärzte und Hausärzte arbeiten unter einem Dach - stärker würden. "Das erspart dann auch die viele Rennerei von Praxis zu Praxis. Trotzdem muss die Politik Anreize schaffen, damit junge Ärzte aufs Land gehen wollen."

Hausbesuche und Nachtdienste sollten darüber hinaus besser bezahlt werden, der ländliche Raum bleibe sonst auf der Strecke, sind sich Zwerenz und Frieden einig.

An Fachärzten herrsche dagegen in der Verbandsgemeinde Konz kein Mangel, sagt der Mediziner und verweist auf die bestehende Zulassungssperre und die Nähe zu Trier. Ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, seien jedoch benachteiligt, sagt Barbara Rommel, deshalb habe sie immer die Philosophie der Bindung an den Hausarzt verfolgt. "Die letzten Wochen waren schon schwer", resümiert sie. "Ich hatte schon fast ein schlechtes Gewissen wegen der ungeklärten Nachfolge."