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Als das "weltbeherrschende Dampfross" die Dörfer verband

Simmern/Morbach/Hermeskeil. In gebührendem Rahmen wurde vor 125 Jahren der Anschluss des Hunsrücks an das Eisenbahnnetz gefeiert. Am 6. Oktober 1889 fuhr der erste Zug die Verbindung von Langenlonsheim nach Simmern. Weiterführende Verbindungen von Simmern nach Kastellaun und Kirchberg sowie nach Gemünden sollten folgen. Thomas Torkler

Simmern/Morbach/Hermeskeil. Schnee von gestern. Was 1889 ein einschneidendes Ereignis für die Hunsrückregion darstellte, fristet heute ein kümmerliches Dasein. Die Natur erobert sich die damals so wichtige Trasse langsam aber sicher zurück. Die Reaktivierungspläne schlummern. Dennoch ist die Wiederinbetriebnahme der Strecke zum Flughafen Hahn Bestandteil des Koalitionsvertrags zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen seit der Landtagswahl 2011. Die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen, Hendrik Hering und Daniel Köbler, sowie ein Sprecher des Landesverkehrsministeriums bekräftigten noch vor gut einem Jahr, dass man an den Plänen zur Reaktivierung festhalte. Die Planfeststellungsverfahren laufen.
Radweg statt Eisenbahn


Vor allem Landes- und Kommunalpolitiker von Bündnis 90/Die Grünen sprechen sich für die Reaktivierung der Bahnstrecke bis zum Flughafen Hahn aus. Ihr Parteifreund Hans Dunger wäre sicher aufgrund seiner Liebe zur Eisenbahn der erste, der es begrüßen würde, wenn über den Hunsrück wieder regelmäßig Züge verkehren würden. Sein ausgeprägter Sinn für Realitäten hat ihn allerdings schon vor Jahren umschwenken lassen. Entgegen aller Beteuerungen seiner Parteifreunde sagt er unmissverständlich, dass sich die Strecke stattdessen für einen Radweg eignet, der dem Tourismus gute Dienste leisten würde. Die blühenden Passagierprognosen des Flughafens Hahn sind Geschichte, und somit fehle seiner Meinung nach für eine Reaktivierung des Personenverkehrs schlichtweg ein ausreichendes Fahrgastaufkommen, um die Strecke annähernd wirtschaftlich betreiben zu können. Mit dieser Meinung steht Dunger nicht allein.
Mutterseelenallein war Dunger allerdings am Jubiläumstag auf der Strecke unterwegs und wanderte den Abschnitt des Altkreises Simmern von Rheinböllerhütte nach Simmern ab. Seine Bilanz nach drei Stunden und 40 Minuten: "Mir war dieser Marsch wichtig, um an die damaligen Kommunalpolitiker und Unternehmer, insbesondere die Familie Puricelli, zu erinnern, die so lange für den Anschluss der Regionen Guldenbachtal und Simmern an den ,Weltverkehr\' gekämpft haben. Dennoch wurde unsere Strecke erst 54 Jahre nach der ersten Eisenbahn Nürnberg-Fürth eröffnet. Wir waren wieder einmal spät dran. Die Bahntrasse ist ein wunderbarer steigungsoptimaler Landschaftsbestandteil, ein wahrer Schatz, der seit Jahren ungenutzt ,rumliegt\'. Ich hoffe, in einigen Jahren, noch eine Radtour auf meiner Wanderstrecke zu erleben."
Wie wichtig die Bahnanbindung für den Hunsrück einst war, dokumentiert das damalige Festprogramm. Böllerschüsse gaben das Startsignal für einen Festumzug vom Simmerner Schlossplatz bis zum Bahnhof. Gekommen war alles, was Rang und Namen hatte. Der Simmerner Landrat Alexander Wenderhold (1875-1894) hatte sich sehr für diese Bahn eingesetzt und eröffnete sie offiziell. Ein dreifaches Hoch auf Kaiser Wilhelm II. war obligatorisch.
Nach der Jungfernfahrt standen ein Festmahl mit 120 Personen und ein Ball an. Die Hunsrücker Zeitung untermauerte die Bedeutung der neuen Anbindung einen Tag später: "Das weltbeherrschende Dampfroß hat gestern - von Tausenden bewillkommnet - seinen offiziellen Einzug in Simmern gehalten und unser so vielfach verkanntes und doch so schönes Heimathland, unsern trauten biedern Hunsrückern, dem Weltverkehr eröffnet!" Gemessen an heutigen Verhältnissen war der Streckenabschnitt damals schnell umgesetzt worden.
1879 wurde die "Angelegenheit der projectirten Guldenbachthal-Bahn in nähere Erwägung" gezogen, berichtete die Hunsrücker Zeitung damals. Ein Satz zur Begründung des Bahnbaus, der in dem Zeitungsbericht seinerzeit hervorgehoben wurde, ist allerdings längst überholt: "Gute Straßen sind schön und gut, aber für unsere heutigen Verhältnisse nicht mehr ausreichend, deshalb Bahnen, wo solche nur eben möglich, wenn man kein Feind des allgemeinen und nationalen Wohlstandes sein will." Die Zeiten ändern sich. Über die Blüte der Hunsrückbahn unterhielten sich dieser Tage ehemalige Simmerner Eisenbahner, die auf Einladung von Landrat Bertram Fleck in der Kreisverwaltung Erinnerungen austauschten.
Auch der Abschnitt Hermeskeil-Morbach (33 Kilometer) ist Teil der Hunsrückbahnstrecke und wurde 1903 eröffnet. Er ist bereits seit 1998 stillgelegt. Die späteren Pläne der Anrainergemeinden, die Strecke zu kaufen und sie wiederzubeleben, konnten bisher nicht verwirklicht werden. Grund: Das Land gab den verschuldeten Kreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich keine Erlaubnis, sich finanziell am Ankauf der Strecke zu beteiligen.
Die Strecke Morbach-Büchenbeuren (17 Kilometer) wurde 1902 eröffnet. Nach der vorübergehenden Stilllegung wurde sie 2009 wieder reaktiviert. Bis Ende 2013 bot der Hochwaldbahnverein dort Ausflugsfahrten mit dem Saar-Hunsrück-Express an.