Als "Lehrling" im Landratsamt

TRIER. (len) Zwischen preußischem Adler und Kommunalreform - als Lehrling kam Rainer Ludwig Anfang der 60er Jahre ins Landratsamt des Kreises Trier. In seinem Buch "Trier Mustorstraße 12" erinnert Rainer Ludwig an jene Tage.

Als Rainer Ludwig 1963 beim Landratsamt anfing, hieß es statt "Auszubildender" noch "Lehrling". Und noch herrschte in der Behörde die alte preußische Arbeitsauffassung, aber Veränderungen kündigten sich schon in Form der Verwaltungsreform an. Doch von diesen Reformplänen ehrgeiziger Politiker war in der Behörde noch nichts zu spüren. In seinem Buch "Trier Mustorstraße 12 - Lehrjahre im Landratsamt 1963-1966" zeichnet der heutige Leiter der Personalabteilung der Kreisverwaltung Trier-Saarburg das Bild einer Verwaltung, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt. Ludwig schildert das Leben in der Behörde aus seiner persönlichen Sicht - vom ersten Arbeitstag als Lehrling bis zur Übernahme als Angestellter. Zusammen mit dem zu Beginn seiner Ausbildung gerade einmal 14-jährigen Jungen macht sich der Leser auf den Weg durch das Landratsamt der frühen 60er Jahre. Man erlebt, wie die öffentliche Verwaltung vor der Kommunalreform organisiert war. Und dass auch damals hinter den Amtsbezeichnungen Menschen standen, wird in den zahlreichen Anekdoten deutlich, mit denen Ludwig seine Beschreibungen würzt. Mit seinem Buch will der Beamte das Leben in den 60er Jahren den jüngeren Generationen näher bringen. "Die Mehrheit der heutigen Bevölkerung hat diese Zeit nicht oder noch nicht bewusst miterlebt", sagte er bei der Präsentation seines Werks in der Kreisverwaltung. Auch möchte er die Erinnerung an das Wirken der Mitarbeiter des ehemaligen Landkreises Trier wach halten und seinen Ausbildern danken. Ludwig: "In dem Bestreben, schnell voranzukommen, schaut man nicht gerne zurück. Ich denke aber, dass genau das notwendig ist, um den Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besser einordnen und verstehen zu können." Das vom Heimat- und Kulturverein Kreis Trier-Saarburg herausgegebene und von der Kulturstiftung der Sparkasse Trier geförderte Buch ist im Alta Silva-Verlag erschienen.