1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Alte Kaserne in Saarburg ist kein Platz für Asylbewerber

Alte Kaserne in Saarburg ist kein Platz für Asylbewerber

Die Frage, wie die der Verbandsgemeinde zugeteilten Asylbewerber untergebracht werden können, beschäftigt derzeit auch die Saarburger Kommunalpolitiker. Immer wieder wird auch die ehemalige französische Kaserne im Stadtteil Beurig ins Spiel gebracht.

Saarburg. Haben Asylbewerber es über den Balkan oder das Mittelmeer bis nach Deutschland geschafft, stellen sie meist einen Asylantrag, um ohne Krieg und Verfolgung zu leben. Hier angekommen, werden sie nach bestimmten Schlüsseln auf die Länder, die Landkreise und schließlich auf die Verbandsgemeinden (VG) verteilt. So leben zurzeit in der Verbandsgemeinde Saarburg 70 Asylbewerber, die meisten davon in Saarburg.
"Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Asylbewerber, die auf die VG verteilt werden, in den kommenden Monaten steigt", sagt Jürgen Dixius. Im Ausschuss für die ländliche und demographische Entwicklung der VG hat der Bürgermeister jüngst erläutert, wie die Verwaltung das Thema angeht. Sie setzt dazu weiter auf eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. "Wir haben damit bislang gute Erfahrungen gemacht. Wir sind gegen eine Konzentration der Asylbewerber an einem Standort", sagt Dixius.Klare Absage


Damit erteilt er Überlegungen, die ehemaligen französischen Kasernen zu reaktivieren, eine klare Absage. Stephanie Nabinger, Landtagsabgeordnete und Chefin der Grünen in der VG Saarburg, fordert, dass zumindest geprüft wird, ob sich die seit 2010 leerstehenden Garnisonsgebäude für die zeitweilige Unterbringung der Asylbewerber eignen. "Die Liegenschaften gehören dem Bund. Das hätte den Vorteil, dass die Kosten für die Anmietung von Unterkünften deutlich gesenkt werden könnten. Die Kommunen würden damit finanziell entlastet."
Eine Argumentation, die Dixius so nicht akzeptieren mag. "Um die Kasernengebäude wieder bewohnbar zu machen, ist ein Millionenbetrag nötig", sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde. "Es gibt in dem Areal keinen Strom mehr, weil der Generator vor einigen Jahren durch Feuer zerstört wurde. Alle Gebäude werden mit einer Zentralheizung beheizt. Ob die noch funktioniert, ist nicht bekannt." Und das seien neben Schäden durch Vandalismus nur einige der Probleme, die gelöst werden müssten, bevor dort wieder Menschen einziehen könnten.
Dixius ist zuversichtlich, dass die der Verbandsgemeinde zugewiesenen Asylbewerber dezentral untergebracht werden können. Zurzeit überlegt die Verwaltung, die Neuankömmlinge zunächst in dem früheren Garnisonshotel neben dem Kasino unterzubringen. Das wurde in der Vergangenheit schon immer mal genutzt, um dort Gäste der Stadt unterzubringen, und könnte mit geringen Aufwand so hergerichtet werden, dass die Asylbewerber zunächt darin untergebracht werden könnten. "Da können sie zum einen die wichtigsten Wege in der VG vermittelt bekommen, und wir hätten Zeit, eine passende Wohnung für sie zu finden", sagt Dixius. In dieser Orientierungsphase könnten auch die sogenannten Flüchtlingsbegleiter eingesetzt werden, die demnächst in der Kulturgießerei für ihre Aufgabe qualifiziert würden.Meinung

Menschenwürdig muss es sein
Die Idee, Asylbewerber in der ehemaligen französischen Garnison unterzubringen, hat auf den ersten Blick einen gewissen Charme. Den verliert sie aber sofort, wenn man sich den Zustand der alten Soldatenunterkünfte und Verwaltungsgebäude anschaut. Kein Strom, keine Heizung, kaputte Türen und Fenster sowie eine große mit Gefahren gespickte Fläche, auf der der Bund munter die alten Werkstattgebäude und Fahrzeughallen abreißt. Da ist es besser, das Geld, das die Sanierung einzelner Kasernenareale kosten würde, in die Hand zu nehmen und privat angemietete Unterkünfte soweit in Schuss zu bringen, dass die Asylbewerber, die dort einquartiert werden, menschenwürdig leben. Denn mancher muss mit billigen Provisorien, etwa einem notdürftig hergerichteten Laden oder einer umgebauten Garage, vorlieb nehmen, die sonst nicht vermietbar wären. saarburg@volksfreund.de