Alter Teer, neue Kosten

Was früher ein gängiger Fahrbahnbelag war, ist heute Sondermüll. Weil statt Asphalt Teer auf der Eisenbahnbrücke verbaut war, wird die Instandsetzung teurer als berechnet. Wellen muss sich deshalb weiter verschulden.

Wellen. Mitte der 1990er Jahre wurden Eisenbahnbrücken von der damaligen Bundesregierung Kommunen "geschenkt" - und damit auch die Verantwortung und vor allem die Kosten, die anfallen, wenn ein solches Bauwerk saniert werden muss.
180 000 Euro wurden für die Instandsetzung der maroden Wellener Eisenbahnbrücke vorausberechnet, 90 000 Euro kommen nun dazu. Grund ist der Fahrbahnbelag aus Teer. Der Sondermüll muss aus Umweltschutzgründen von einer Spezialfirma entsorgt werden.
"Das Land hat deshalb seine Zuschüsse um 66 250 Euro aufgestockt", freut sich Ortsbürgermeister Hans Dostert. Weniger erfreulich ist, dass die Ortsgemeinde selbst für 23 750 Euro Mehrkosten gerade stehen muss, denn bei Bahnbrücken gilt: Wer darüberfährt, bezahlt. Lägen die Gleise statt der Fahrbahn auf der Brücke, müsste die Bahn die Sanierung voll übernehmen.
"Die Kommunalaufsicht hat den Kredit bereits genehmigt", weiß der erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Konz, Joachim Weber. Da es sich um eine Unterhaltungsmaßnahme handelt, kommen auf die Anlieger auch keine Beitragszahlungen zu.
"Auf Anfrage hat mir die Baufirma zugesichert, bis Ende Oktober mit der Brücke fertig zu sein", teilte Ortschef Dostert in der ersten regulären Sitzung des neuen Gemeinderates nach der Kommunalwahl mit. Bis dahin dürfen nur Fußgänger und Radfahrer die Brücke überqueren. Am 25. und 26. Oktober plant die Bahn Nachtarbeiten, damit der reguläre Bahnverkehr nicht gestört wird. Bis zur Fertigstellung der Brücke gilt die Umleitung über die Josef-Schnuch-Straße.
Extra

Einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zufolge sind die 67 000 Straßenbrücken in Deutschland häufig in sehr schlechtem Zustand. Etwa 10 000 der Brücken müssen demnach bis 2030 komplett ausgetauscht werden. doth