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Am alten Schulhaus tut sich nichts

Am alten Schulhaus tut sich nichts

Vor zwei Jahren wurde die frühere Schule der Gemeinde Waldweiler an einen Privatmann verkauft. Er wollte das Haus sanieren und dort bis November 2012 bezugsfertige Ferienwohnungen einrichten. Doch auf der Baustelle herrscht seit Monaten Stillstand.

Waldweiler. Wenn Anja Burg zum Nachbarhaus schaut, kann sie nur den Kopf schütteln: "Es ist eine Schande, wie es dort aussieht und was aus unserer schönen Schule nicht geworden ist." Hinter dem Bauzaun liegt der verwahrloste Schulhof, auf dem der Asphalt herausgerissen wurde. An einer Stelle klafft ein etwa drei auf zwei Meter großes Loch. "Das soll wohl der Swimmingpool werden. Kürzlich war mal ein Arbeiter da, der das Loch mit einer Schaufel ausgegraben hat. Vorher ist wochenlang gar nichts passiert", berichtet Burg. Nicht viel besser sieht das mit Schieferplatten belegte Dach des genau 100 Jahre alten Gebäudes aus. Es ist teils mit Planen bedeckt.
Das aktuelle Bild steht in einem krassen Kontrast zu den großen Erwartungen und Plänen, die sich einst mit der Ex-Schule verbanden. Nachdem die Verbandsgemeinde (VG) Kell Anfang 2010 wegen Sicherheitsmängeln - es waren bei einem Sturm Schieferplatten heruntergefallen - den Grundschulbetrieb in Waldweiler einstellen musste, meldete sich schon kurze Zeit später ein Interessent für das Gebäude. Der Privatmann Robert Adriaansen wollte das frühere Schulhaus sanieren und dort Ferienwohnungen einrichten.
Es sollte keine Bauruine werden


Im Herbst 2010 wurde der Rechtsanwalt aus Luxemburg dann über die Gesellschaft Royal Belinda Besitzer der Immobilie. Die Ortsgemeinde Waldweiler verkaufte es ihm für 10 000 Euro. "Wir waren damals froh, dass wir schnell einen Partner gefunden hatten. Denn aus der Schule sollte keine Bauruine werden", sagt Gemeindechef Manfred Rauber (SPD) rückblickend. Heute muss er jedoch eingestehen: "Von außen sieht das Gebäude schlimmer aus als vorher. So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben."
Im notariellen Kaufvertrag hatte Adriaansen der Gemeinde zugesichert, dass die Ferienwohnungen binnen zwei Jahren, also bis zum 31. Oktober 2012, bezugsfertig sind. Bis dahin sollte das Dach saniert und die Außenanlage - also der Schulhof - neu gestaltet sein.
Rauber war letztmals im Februar dieses Jahres im Gebäude. Zu diesem Zeitpunkt waren nach Aussage des Gemeindechefs die Klassenräume im Erdgeschoss teilweise umgebaut, im ersten Stock seien die Wohnungen fast bezugsfertig gewesen. "Seitdem ist aber sichtbar nichts mehr passiert", so Rauber. Adriaansen hatte damals noch eine TV-Anfrage dahingehend beantwortet, "dass es keinen Grund gibt, anzunehmen, dass die vertraglichen Verpflichtungen nicht eingehalten werden." Nun ist die Zwei-Jahres-Frist aber abgelaufen.
Letzter Kontakt im August


Sowohl Rauber als auch der Keller Rathaus-Chef Werner Angsten (CDU) haben wiederholt versucht, mit Adriaansen in Kontakt zu treten, um von ihm zu erfahren, wie es mit der Sanierung der alten Waldweilerer Schule weitergehen soll. Letztmals habe sich der Rechtsanwalt jedoch Ende August per E-Mail gemeldet. Alle folgenden Anfragen waren erfolglos, berichten beide. Auch unsere Zeitung hat in den vergangenen Tagen mehrmals vergeblich versucht, von Adriaansen eine Stellungnahme zu bekommen. Angeblich soll der Rechtsanwalt seinen Wohnsitz nach Portugal verlegt haben. "Wir wissen nicht, warum er sich nicht mehr bei uns meldet. Es ist sehr enttäuschend, dass bisher nicht das umgesetzt wurde, was versprochen wurde. Wenn ein Privatmann seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, kann man dafür aber nicht den Kommunalpolitikern vor Ort die Schuld geben", betont Angsten.
Laut Rauber hat sich der Waldweilerer Rat darauf verständigt, dass die Gemeinde noch bis zum Jahresende abwarten will, ob sich Adriaansen doch noch meldet und Aussagen zu seinen Plänen macht. Sollte das nicht geschehen, "müssen wir als letztes Mittel prüfen, ob wir juristische Schritte einleiten", so Rauber. Im Notarvertrag hat sich die Gemeinde ein Rücktrittsrecht vom Verkauf der früheren Schule festschreiben lassen.Extra

Neben der alten Schule in Waldweiler kaufte der Luxemburger Rechtsanwalt Robert Adriaansen im Raum Kell und Saarburg weitere leerstehende Immobilien. In Mandern wurde er Besitzer der früheren Bäckerei Blees. Auch dort kündigte Adriaansen eine umfangreiche Sanierung an, die jedoch ausblieb. Inzwischen hat die Gemeinde Adriaansen das Haus für 100 000 Euro abgekauft. In Kell ist Adriaansen Besitzer der früheren Gaststätte Alte Kate. Der Rechtsanwalt war zudem Eigentümer der ehemaligen Sektkellerei Mabilon in der Saarburger Altstadt. Dieses denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1770 wird nach wie vor von einem Immobilienmakler im Internet zum Preis von 490 000 Euro zum Verkauf angeboten. ax