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Am Anfang stritten Mönch und Nonne: Kloster Karthaus vor 300 Jahren eingeweiht

Am Anfang stritten Mönch und Nonne: Kloster Karthaus vor 300 Jahren eingeweiht

Der TV wirft zusammen mit dem Konzer Chronisten Rudolf Molter einen Blick auf die Geschichte des Klosters Karthaus. Anlass ist die Karthäuser Kirmes am kommenden Wochenende, zu der wegen des 300. Jahrestags der Kirchenweihung sogar der Bischof nach Karthaus kommt.

Den Konzer Ehrenbürger und Chronisten Rudolf Molter verbindet viel mit dem Kloster Karthaus. Als Kommunalpolitiker hat er in den 1970er und 80er Jahren maßgeblich dafür gesorgt, dass der Klosterkomplex gerettet worden ist. Heute, fast 30 Jahre später, steht Molter mit fünf Tafeln voller Dokumente und Fotos im Ausstellungsraum des ehemaligen Klosters und heutigen Bürgerzentrums. Darauf zeichnet er die bewegte Geschichte des Klosters nach.

Molter hat für die Karthäuser Kirmes (siehe Extra zu Programm) eine Ausstellung vorbereitet, weil sich die Kirchenweihung und damit der Abschluss des Klosterbaus zum 300. Mal jährt. Die Vernissage ist am Freitag, 24. Juni, um 19.30 Uhr.
Zwischen seinen Ausstellungstafeln erzählt der Autor der Konzer Chronik und etlicher regionalgeschichtlicher Werke, aus dem Nähkästchen. Er hat den Aus- und Umbau des größtenteils maroden Klosters zum wichtigen Stadtteilzentrum eigentlich ehrenamtlich begleitet. Doch: "Damals war ich mehr im Kloster als im Dienst", sagt der frühere Bistumsarchitekt. Seitdem ist das Kloster ein Kultur- und Bürgerzentrum, das wichtige Räume für politische Sitzungen, Kulturveranstaltungen und mehrere Kar thäuser Vereine beherbergt. In der benachbarten Klosterkirche erwartet die Pfarrgemeinde beim Jubiläumshochamt am Sonntag um 10.30 Uhr hohen Besuch: Bischof Stephan Ackermann. Und ein Bischof hat laut Molter auch schon beim Bau des Klosters eine wichtige Rolle gespielt. Denn der damalige Bischof Johann Hugo von Orsbeck musste vor rund 337 Jahren einen Streit schlichten. Der Mönchsorden der Karthäuser sei sich prinzipiell mit dem Schwesternorden der Irminen einig gewesen, dass er auf deren Ländereien ein Kloster bauen dürfe, erzählt Molter. Doch als der Prior den Bau mit Seilen abstecken ließ, sorgte die Äbtissin zunächst dafür, dass die Schnüre wieder zerschnitten wurden. Es gebe zwar eine mündliche Einigung, aber keinen Vertragsabschluss, habe sie argumentiert. Laut Molter ist überliefert, dass sie "in Weiberart außer sich geraten" sei. Deshalb habe der Bischof schlichtend eingegriffen, so dass die Karthäuser 1680 einen Grundstein legen konnten.

Wegen des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 bis 1697) dauerte der Bau bis 1716. "Die Kirchenweihung ist traditionell der Abschluss des Klosterbaus", erklärt Molter. Er hat die Klostergeschichte detailliert in der Chronik "Die Kartause" aufbereitet. Das Buch ist 1987 erschienen. Molter selbst begleitet das Schicksal des Klosters aber noch länger, und aus seiner Sicht gibt es wieder größeren Sanierungsbedarf.
Die Stadt Konz will laut Bürgermeister Karl-Heinz Frieden auch darauf reagieren. Der Plan sei, das Kloster im Rahmen des Förderprogramms Soziale Stadt aufzuwerten. Weil das Gebäude in erster Linie als Bürgerzentrum diene, sei das möglich, sagt Frieden. Wann das passiert, ist noch nicht klar. Allerdings sollte die Aufwertung des Bürgerzentrums bis 2020 angeleiert werden. Dann läuft das Förderprogramm aus.
Zu klären ist noch, inwiefern die Fassade der Pfarrkirche saniert werden kann. Laut Pastor Georg Dehn fehlt der Pfarrgemeinde das Geld dafür. Allerdings sehe er eine Chance, dass Stadt und Pfarrgemeinde einen gemeinsamen Weg finden. Die Kirche bilde schließlich ein Gebäudeensemble mit dem Rest des Klosters.
Kloster- und Kirchenführungen sind möglich nach telefonischer Anmeldung (06501/5760 oder 06501/83197). Die Ausstellung ist während der Kirmestage von Samstag bis Montag jeweils von 17 bis 20 Uhr geöffnet.Extra

1716: Unter Prior Jakob Friedrich Kneip wird nach 36 Jahren Bauzeit das Kloster Karthaus eingeweiht. Fortan leben dort 18 Karthäuser Mönche. 1804: Das Kloster wurde während der Französischen Revolution zum Teil zerstört und versteigert. Die Einzelteile durften abgerissen und wieder verkauft werden. Laut dem Konzer Chronisten Rudolf Molter resultierte das darin, dass für das Metalldach der Klosterkirche mehr Geld hereinkam als für den Hof, die Weinberge und den Rest der Klosteranlage zusammen. 1855: Franziskanerinnen kau fen die teils ruinösen Gebäude des Klosters, die seit 1804 der Trierer Familie Scheer gehörten. 1884: Nach einem Brand 1884 wurde es 1885 bis 1887 in Anlehnung an den barocken Plan wiederaufgebaut. 1903: Ein Schornsteinbrand wird zum Großbrand. Architekt Julius Wirtz aus Trier leitet den Wiederaufbau des Südflügels. 1963: Die Stadt Konz kauft das Kloster von den Franziskanerinnen für 800 000 D-Mark. 1987: Nach einer zehnjährigen Renovierungsphase erstrahlt das Kloster in neuem Glanz und dient seitdem als politisches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum im Konz. cmk/Quelle: Konzer ChronikExtra

Kirmes 300 Jahre Kloster Kar thausFreitag 24. Juni:18.15 Uhr: Festgottesdienst 19 Uhr: Empfang der Pfarrei in den Arkaden 19.30 Uhr: Eröffnung der Fotoausstellung "300 Jahre Kloster Karthaus" von Rudolf Molter in der städtischen Galerie im Kloster verbunden mit einem Vortrag. Samstag, 25. Juni:19.30 Uhr: Eröffnung der Kirmes mit Bürgermeister Karl-Heinz Frieden 20 Uhr: Oldies, Rock und Pop mit "Felini's Voice Projekt" Sonntag, 26. Juni:10.30 Uhr: Festhochamt mit Bischof Stephan Ackermann; Mitgestaltung: Kirchenchor St. Nikolaus und Singkreis Cantabile 12 Uhr: Platzkonzert des Musikvereins "Concordia" Konz 11 bis 17 Uhr: Großer Flohmarkt (mit Kinderflohmarkt), Infos unter Telefon 0170/8053835. 13.30 Uhr: Kaffee und Kuchen der Kolpingfamilie Karthaus zugunsten eines sozialen Zwecks 15 Uhr: Showtanzgruppen Rainbow - danach Unterhaltungsmusik 17 Uhr: Öffentliche Weinprobe Montag, 27. Juni:12 bis 16 Uhr: Fußballturnier der Grundschulen St. Johann und Könen ab 14 Uhr: Kaffee und Kuchen sowie Bastelworkshop und Kinderschminken der Kita Lorenz Kellner 15 Uhr: Kindermusical der Kita St. Johann 17 Uhr: Jugend-Showorchester Görlitz 20.30 Uhr: Oldies mit der Tanz- und Partyband California Dreams. cmk