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Am schönsten sind Waldweiler und Kahren

Am schönsten sind Waldweiler und Kahren

Saarburgs Ortsteil Kahren ist Sieger beim Kreisentscheid des Landeswettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft". Unter den vier Ortsgemeinden, die sich in dieser ersten Runde beworben hatten (außer Kahren noch Waldweiler, Morscheid und Onsdorf), hat es Kahren auf den ersten Platz geschafft. Gemeinsam mit Waldweiler hat sich Kahren für die Teilnahme am Gebietsentscheid qualifiziert.

Waldweiler. Ortschef Manfred Rauber will keine Zeit verlieren. Kaum ist die sechsköpfige Bewertungskommission des Kreises im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft eingetroffen, startet ab der Teufelskopfhalle der Rundgang durch Waldweiler. Erster Anlaufpunkt ist neben dem Dorfweiher der Mehrgenerationendorfpark für Fitness und Spaß.
20 Bürger beim Rundgang dabei


Die zweite Station, die Alte Schule, die für Ambulant Betreutes Wohnen genutzt werden soll, liegt dem 850 Einwohner-Ort besonders am Herzen. "Leider liegt das Projekt wegen Finanzierungsschwierigkeiten auf Eis", bedauert der Ortschef gegenüber Juryvorsitzendem Joachim Maierhofer. Es sei dennoch ein wichtiges Element der Daseinsfürsorge. Rund 20 Bürger sind beim Rundgang dabei.
Auf dieses Interesse legt die Jury besonderen Wert. Stolz ist der Ort Waldweiler auch auf die freitragende Konstruktion der Pfarrkirche St. Willibrord aus dem Jahre 1972. Der Kirchenvorplatz direkt gegenüber ist neu gestaltet. Fotos in der Bushaltestelle, die von der Jury nicht für ein architektonisches Meisterwerk gehalten wird, zeigen, wie es vorher hier aussah.
Dahinter kommt Natur pur, mit einer Traumschleife des Saar-Hunsrück-Steigs, einem Naturlehrpfad und einer Vogelbeobachtungskanzel. Auch die Friedhofsgestaltung wird erklärt. "Der Rundgang hat gezeigt, was hier in den letzten Jahren alles geschafft wurde", stellt der Bürgermeister Martin Rauber fest.
Der weitere Ausbau der Kreisstraße bringe dem Dorf bestimmt noch einen Aufwertungsschub. Außerdem gebe es ein reges Vereinsleben und viel Engagement der Bürger.
Jurymitglied Cornelia Strupp lobt die regelmäßigen Veranstaltungen der Seniorentanzgruppe. Auf dem Jugendzeltplatz treffen sich junge Leute aus ganz Deutschland.
Juryvorsitzender Joachim Maierhofer freut sich über die vielen Freizeitflächen mit Dorfweiher: "Das muss ja alles gepflegt werden." Betreutes Wohnen sei ein tolles Projekt, bei dem die alten Leute in ihrem Dorf bleiben können. Der Jury-Chef regt einen "Betreuungspool" an, der über die VG-Verwaltung organisiert werden könnte.
Waldweiler wird empfohlen, sich um eine Dorfmoderation beim Kreis zu bewerben, den das Land finanziert. Jurymitglied Peter Kretz, selbst Ortsbürgermeister in Neuhütten, regt regelmäßige Bürgertreffs an. "Ortsbildprägende Gebäude sind nicht immer passend gestaltet", kritisiert Doris Klauck-Schommer. Mit einem Dorferneuerungskonzept könne ein Anspruch auf Förderung verbunden werden.
Walter Öffling ist begeistert von der Natur um Waldweiler, meint jedoch: "Im Ort könnten noch großkronige Bäume gepflanzt werden." Waldweiler hat zuletzt 1997 am Wettbewerb teilgenommen.
Stark motiviert, weiterzukommen



Schon bald nach Ende der Dorfbesichtigungen trifft die Jury ihre Entscheidung. Waldweiler hat sich für die Teilnahme am Gebietsentscheid qualifiziert. Ortschef Rauber freut sich: "Das übertrifft unsere Erwartungen und ist für uns sehr positiv." Jetzt habe vielleicht die Alte Schule eine bessere Chance zur Umsetzung des Projektes Betreutes Wohnen. Auf jeden Fall sei man noch stärker motiviert, weiterzukommen.
Für Morscheid ist es die erste Teilnahme an einem Kreisentscheid im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft. "Das haben wir uns schon länger vorgenommen und finden, jetzt ist die Zeit reif", erklärt Ortsbürgermeister Josef Weber.
Der 985 Einwohner-Ort, aus dem sich 25 Bürger für den Rundgang einfanden, ist dank dreier Baugebiete, die seit 2000 ausgewiesen wurden, stark gewachsen. "Jetzt konzentrieren wir uns mehr auf die Innenentwicklung", sagt der Ortchef an die Adresse des Juryvorsitzenden Joachim Maierhofer.
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, Bernhard Busch, hebt das große bürgerschaftliche Engagement am Beispiel der Traumschleife "Grenzpfad" hervor: "Diesen Weg anzulegen haben ein paar Verrückte beschlossen, und die Ortsgemeinde hat sie dabei unterstützt." Es gebe in Morscheid viele Menschen, die anpacken, ohne nach einer Gegenleistung zu fragen.
Von der Pfarrkirche St. Martin aus startet der Rundgang Richtung Friedhof, Feuerwehrhaus und Boule- und Bolzplatz. Im Neubaugebiet fällt Gerhard Freising auf: "Viele Häuser und Vorgartengestaltungen sind atypisch für den ländlichen Raum." Das könne man den Leuten aber nicht vorschreiben, gibt Ortschef Weber zu bedenken.
Was die Kommission jedoch am meisten stört, sind die vielen Flächengestaltungen mit Schieferpellets. "Schiefer wurde bis 1930 hier abgebaut", erklärt Weber den geschichtlichen Hintergrund. Jurychef Maierhofer kennt den Ort von früher und weiß, dass sich Morscheid stark gewandelt hat: "Die Nähe zu Trier sieht man, nur es fehlt ein wenig der Charme."
Es wird ein Dorferneuerungskonzept empfohlen. Die Moderation würde das Land finanzieren. Es gehe um die "sorgende Dorfgemeinschaft", auch wenn Morscheid noch nicht stark vom demografischen Wandel betroffen ist. Jury-Mitglied Peter Kretz rät zu monatlichen Treffen im Bürgerhaus.
Die original Bausubstanz müsse laut Doris Klauck-Schommer gestärkt werden. "Der Bruch sind die Vorgärten", findet Architektur-Professor Gerhard Freising.
Da wollen wohl viele modern sein. DLR-Mann Walter Öffling spricht sich für die Wiederbelebung der Grünstruktur aus.
Extra

Foto: Herbert Thormeyer

Vier von rund 103 Gemeinden im Kreis Trier-Saarburg machen beim Wettbewerb mit. Zwei Dörfer kommen weiter und können am Gebietsentscheid teilnehmen. Die Kommission besuchte noch am gleichen Tag Onsdorf (Verbandsgemeinde Konz) und Kahren (Stadt Saarburg). Punkte konnten für Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen, Bürgerschaftliches Engagement, Baugestaltung und -entwicklung, Grüngestaltung und in der neuen Kategorie Gesamtbeurteilung gesammelt werden. doth