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An der Ruwer bei Hentern soll ein Bestattungswald entstehen

Bestattungskultur : Letzte Ruhe unter Eichen: Hentern bekommt einen Bestattungswald

Fünf Dörfer wollen sich zusammenschließen und ihren Bürgern Bestattungen in einem Wald an der Ruwer bei Hentern anbieten. Anfängliche Bedenken scheinen ausgeräumt. Dabei haben die Zerfer eine entscheidende Rolle gespielt.

Michael Marx ist nicht nur Ortsbürgermeister in Hentern, sondern auch Förster im Revier Schillingen. Schon vor 20 Jahren kam ihm die Idee, alternativ zum Grab auf dem Friedhof Bestattungen im heimischen Wald anzubieten. „Damals hatte ich das für Schillingen vorgeschlagen. Aber die Bevölkerung war noch nicht so weit, darüber nachzudenken“, sagt Marx.

Inzwischen hat er einen neuen Vorstoß gewagt, diesmal in Hentern. Dort soll aus einem 1,5 Hektar großen Ruwerhang hinter der Kirche ein Bestattungswald werden. Ruwer Ruh soll er heißen und Menschen die Möglichkeit bieten, dort in einer Urne unter einem Baum die letzte Ruhe zu finden. Ohne Grabstein, aber mit einer Plakette gekennzeichnet, damit die Angehörigen die Stelle wiederfinden. „Die Uhr dreht keiner zurück. Heutzutage suchen viele Menschen solche Bestattungsarten im Einklang mit der Natur“, sagt Marx.

Der Auslöser für seine erneute Initiative war ein Besuch im privat betriebenen Ruheforst bei Losheim-Britten. „Die haben dort Hunderte Vorbestellungen“, sagt Marx. Er wisse von eigenen Ortsbewohnern, die dort eine Ruhestätte reserviert hätten. Das Angebot in Britten liegt deutlich näher als der bisher einzige Bestattungswald des Kreises Trier-Saarburg in Konz-Roscheid (siehe Info).

Das Projekt in Hentern sollte zunächst der bestehende Friedhofszweckverband anpacken, an dem auch Paschel, Baldringen und Schömerich beteiligt sind. Das Eichenwald-Grundstück, in dem etwa 200 Bäume genutzt werden könnten, muss zunächst dem Forst abgekauft werden. Laut Marx liegt das aktuelle Angebot bei 58 000 Euro. „Wir werden aber versuchen, noch etwas zu handeln.“ Die kalkulierten Kosten waren der Hauptgrund, warum nun mit Zerf noch eine fünfte Gemeinde im Boot ist. Insbesondere die Baldringer hatten darauf gedrängt, damit die Kosten für alle überschaubar bleiben.

Der Zerfer Gemeinderat hat mehrheitlich dafür gestimmt, dem neu zu gründenden Zweckverband Bestattungswald beizutreten. Es gab aber auch fünf Nein-Stimmen und Kritik am Vorhaben. Alfred Gelz (Gemeinsam für Zerf) stellte fest, dass durch moderne anonyme Bestattungsformen zwar Kosten und der Aufwand für die Grabpflege reduziert würden. Dadurch werde jedoch auch die „jahrtausendealte Friedhofskultur nach und nach abgeschafft“. Wer sich im Wald beerdigen lassen wolle, habe dazu im nur 13 Kilometer entfernten Britten die Möglichkeit. „Warum also sollen wir so etwas in Hentern anbieten?“, fragte Gelz im Rat. Damit entziehe man auch den örtlichen Friedhöfen „Kunden“. Andere Ratsmitglieder wie Johannes Bustert (FBL) schilderten positive Eindrücke von einer Besichtigung des Geländes. „Ich war positiv überrascht. Und es ist ja eine freiwillige Entscheidung, ob man sich dort bestatten lässt.“ Ortschef Dieter Engelhardt (SPD) befürwortete das Projekt: „17 000 Euro für Zerf sind machbar.“ Und die offenen Fragen könne Zerf im neuen Zweckverband mitsteuern. Der Baldringer Ortsbürgermeister Willi Emser bestätigt auf TV-Nachfrage, dass seine persönlichen Bedenken inzwischen ausgeräumt seien. Durch die Beteiligung Zerfs werde die finanzielle Last für alle Gemeinden deutlich reduziert.

Michael Marx betont: „Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen.“ Es sei in erster Linie ein Angebot für die eigenen Bürger, für die es einen finanziellen Bonus geben werde. Pro Baum sind vier Liegeplätze geplant. Interessenten können entweder einen Platz für 1000 Euro kaufen oder alle vier für 4000 Euro. Die Urnen sollen jeweils 15 Jahre in der Erde liegen, die Grabstelle kann 25 Jahre lang genutzt werden.

Der neue Zweckverband müsste einen Kredit aufnehmen. Laut Marx wären für Hentern innerhalb von fünf Jahren etwa 3000 Euro zu schultern. „Ich denke, das ist überschaubar.“ Insgesamt sollen die Zerfer 20 Prozent der Kosten tragen. Die restlichen 80 Prozent sollen anteilig gemäß der Einwohnerzahl auf die vier anderen Gemeinden aufgeteilt werden. Noch sei „schwer zu fassen“, wie gut das Angebot ankommen werde, sagt Marx. Derzeit würden jedes Jahr zwischen zwölf und 15 Bürger aus der Verbandsgemeinde (VG) Kell im Wald bestattet. „Unsere Kostenschätzung beruht auf zehn Bestattungen pro Jahr in Hentern.“

Stimmen nach Schömerich und Zerf auch die anderen Räte dem Fün­fer-Zweckverband zu, dann könnte das Projekt 2018 starten. Laut Marx sind noch Wege herzurichten. Außerdem soll eine kleine Halle gebaut werden, wo Angehörige Abschied nehmen können. Zum Wald soll es zwei Zugänge geben: am Wanderparkplatz/altes Forsthaus und nahe der Kirche. Parallel liefen die Abstimmungen mit den Behörden. Das Gesundheitsamt war laut Marx vor Ort und vom Gelände „sehr angetan“. Die Bäume müssten noch von einem Kontrolleur geprüft werden: „Es sind alles mittelalte Eichen, die kaum Risiken bergen.“