An der Trierer Straße ist es zu laut – So will die VG Hermeskeil Verkehrslärm mindern

Lärmaktionsplan : An der Trierer Straße ist es zu laut – So will die VG Hermeskeil Verkehrslärm mindern

An einer Hauptzufahrt nach Hermeskeil gibt es laut Fachleuten Handlungsbedarf wegen starker Belastung durch Straßenlärm. Das steht in einem Aktionsplan, mit dem die Verbandsgemeinde die Stadtbewohner besser schützen will. Doch ihre Möglichkeiten scheinen begrenzt.

Die Trierer Straße ist eine der Hauptverkehrsachsen, die in die Stadt Hermeskeil hineinführen. Täglich sind dort mehr als 10 000 Autos, Lastwagen und Busse unterwegs, die sich den steilen Berg hinauf und hinab bewegen. Dabei entsteht Verkehrslärm. Dass dieser Lärm an vielen Stellen für die Anwohner zum Gesundheitsproblem werden könnte, erläuterte Tobias Klein vom schalltechnischen Beratungsbüro GBS (St. Wendel) am Mittwochabend im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Das Büro hat im Auftrag der VG einen Aktionsplan erarbeitet, mit dessen Hilfe die Lärmbelästigungen gemindert werden sollen.

„Die Verbandsgemeinde ist dazu verpflichtet“, erklärte Klein. Hintergrund sei eine EU-Richtlinie zum Umgebungslärm. Danach soll in allen Mitgliedstaaten regelmäßig in Abständen von fünf Jahren der Lärm an Hauptverkehrsstraßen ermittelt und kartiert werden. In Rheinland-Pfalz sei es dann Aufgabe der Städte und Verbandsgemeinden, sich Aktionen zum Gegensteuern zu überlegen.

Laut der aktuellsten Lärmkarte von 2017 ist in der VG Hermeskeil neben der Autobahn 1 nur die Trierer Straße (B 52) einzubeziehen, sagte der Fachmann. Nur dort werde ein Schwellenwert von mindestens drei Millionen Fahrzeugen im Jahr überschritten. Dies sei beispielsweise bei der Koblenzer Straße (B 327) nicht der Fall. Auf einer Abbildung der Trierer Straße zeigte der Planer, wie sich der Lärm auf die Häuser dort auswirkt. Fast alle Gebäude des Abschnitts zwischen Bahnhof und Donatusplatz waren blau oder violett markiert. Dort seien Verkehrslärm-Richtwerte für Wohngebiete von 70 dB tagsüber und 60 dB in der Nacht überschritten, sagte Klein. „Wir haben fast 100 Betroffene, die Pegeln ausgesetzt sind, die gesundheitsschädlich sein können.“

Was kann die Verbandsgemeinde dagegen tun? Der Planer stellte zwei Optionen vor. Denkbar sei, die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Straße von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. „Aber das hätte hier keinen wirklichen Effekt.“ Denn aufgrund der starken Steigung von bis zu 8,5 Prozent führen die Fahrzeuge meist im zweiten Gang. Dabei übersteige das Motorengeräusch das Rollgeräusch: „Tempo 30 macht also im Prinzip keinen Unterschied.“

Bauliche Elemente wie Lärmschutzwände schieden aus Platzgründen aus. Laut dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) wurden 2005/2006 Maßnahmen im Zuge der Lärmsanierung ergriffen; Anwohner hätten etwa spezielle Lärmschutzfenster eingebaut. Auf Antrag beim LBM ist dafür eine Förderung möglich. Um effektiv die Verkehrsgeräusche zu mildern, regte Klein an, bei künftigen Sanierungen lärmmindernde Beläge zu verwenden. Diese kosteten etwa zehn Prozent mehr als üblicher Asphalt und reduzierten die Lärmpegel um bis zu vier dB. Allerdings sei die VG nicht Baulastträger der Straße und daher nicht direkt zuständig. Ein weiteres Problem: Die neueren Beläge sind noch keine Regelbauweise. Eine Richtlinie dazu von 1990 wird laut Klein zwar zurzeit vom Bund überarbeitet, „es fehlt aber noch der politische Wille, sie anzuwenden“.

Bürgermeister Hartmut Heck (CDU) bemerkte dazu, dass die Art des eingebauten Asphalts bisher nie thematisiert worden sei: „Das könnte in Zukunft eine Frage sein, die es sich zu stellen lohnt.“ Der VG-Beigeordnete Hermann Bernardy (SPD) erklärte, die Gemeinden dürften bei der Lärmbekämpfung nicht „allein dastehen“. Es müsse eine Abstimmung mit LBM und Kommunalaufsicht geben. Planer Klein gab zu bedenken, dass die Trierer Straße eine Hauptzufahrt nach Hermeskeil sei. „Solche Straßen sollten nicht so stark verlärmt werden, dass dort irgendwann keiner mehr wohnen will. Wenn Häuser verfallen, erzeugt das bei Besuchern ein schlechtes Bild.“

Bereits mit dem Hermeskeiler Stadtrat abgestimmt ist der Vorschlag, auf den Gemeindestrecken Borwiesenstraße, Martinusstraße und Klosterstraße ganztägig Tempo 30 einzuführen. Dadurch soll entlang des Schulzentrums, des Friedhofs und des Mehrgenerationenhauses zusätzlich die Verkehrssicherheit erhöht werden. Außerdem wollen VG und Stadt künftig bei Neugestaltungen von Plätzen und öffentlichem Raum auf akustische Folgen achten. „Auf lautes Pflaster wie am Donatusplatz sollte man verzichten“, riet Klein. Ein weiteres Ziel müsse sein, den „Bringverkehr“ innerorts einzudämmen. Dieser mache bis zu 70 Prozent des Verkehrs in Städten aus. „Es sind nur 200 Meter bis zur Schule oder zum Verein, trotzdem fahren Eltern ihre Kinder dorthin. Da sollten Sie versuchen, auf Ihre Bürger einzuwirken.“

Der Planentwurf wird auf Beschluss des VG-Rats demnächst einen Monat lang öffentlich ausgelegt. Dann können Bürger und Behörden dazu Einwände vorbringen.

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