Anders als bei Schmetterlingen

GREVENMACHER. Das Interesse am "Kulturhuef" ist auf der deutschen Seite der Mosel noch gering. Aber das könnte sich ändern, denn das Kulturzentrum im luxemburgischen Grevenmacher schärft Schritt für Schritt sein Profil.

Die Nähe könnte man symbolisch verstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schmetterlingspark am Moselufer Grevenmacher steht das nüchterne, teilweise grau, teilweise rötlich-braun gestrichene Gebäude - der "Kulturhuef". Die erste Tür links hinter dem Tor zum ehemaligen Schlachthof - dann stößt der Besucher auf zwei Künstlerinnen, die neugierig-freundlich hochschauen. Diane Jodes aus dem luxemburgischen Ehnen und Manuela Osterburg aus Saarbrücken machen mit beim Projekt "artmix 2". Ein Künstleraustausch, an dem sich Luxemburg, Saarbrücken und Saarburg beteiligen. Diane Jodes und Manuela Osterburg, beide Künstlerinnen mit solider Ausbildung, haben bis Ende Mai ihr Atelier im Kulturhuef, und sie experimentieren offensichtlich. Auf dem Tisch liegen kleine, goldene Krönchen, als sei der Froschkönig zu Besuch gewesen. Im Druckmuseum, probieren die Künstlerinnen und altgediente Drucker an den historischen Maschinen einige Druckvorlagen aus - selbstverständlich im Bleisatz, der Technik von Johannes Gutenberg.Mehr als nur Freiraum zur Selbstverwirklichung

Im Kulturhuef wird probiert und experimentiert. Das ist der erste Eindruck. Aber der trifft nur teilweise zu. Und das Symbol vom dahin gaukelnden Schmetterling, das scheinbar so nahe liegt, trügt. Der "Kulturhuef" ist mehr als nur ein Freiraum für Experiment und zweckfreie Selbstverwirklichung. "Wir arbeiten intensiv an unserem Profil", sagt Monika Jakobs. Seit drei Jahren leitet die Kulturmanagerin, die aus Konz-Könen stammt, den "Kulturhuef" und mit ihm ein Team von insgesamt vier Mitarbeitern. "Museen, Kunst, Kino" - auf diese Formel bringt sie, was ihre Einrichtung zu bieten hat. Unten, im Erdgeschosse stehen die alten Maschinen des Druckmuseums, an denen sich noch der klassische Druckvorgang nachvollziehen lässt. Auf der Seite gegenüber ist das Spielkartenmuseum untergebracht, eine bemerkenswerte Sammlung nicht nur von Karten, sondern auch von Druckvorlagen. Manche davon sind in ihrer Feinheit und Gediegenheit wahre Kunstwerke. Eine Etage darüber liegt das Kino. Das belebt mit gängigen Produktionen die Kinowüste an der Obermosel. Themenbezogene Ausstellungen runden das Programm ab. So war die Mitte Oktober 2005 eröffnete Schau "Schreiwkonscht" der belgischen Künstlerin Anne-Marie Van Craen, die sich ganz der künstlerischen Kalligrafie widmet, ein enormer Erfolg und wurde bis zum 29. Januar 2006 verlängert. Und am 8. Juni, 19 Uhr, eröffnet der "Kulturhuef" die Ausstellung "Meine Familie & ich" mit Druckgrafiken des renommierten Künstlers O.W. Himmel. Schließlich sind Kunstkurse für Kinder das i-Tüpfelchen im Konzept. Am besten vier Sprachen beherrschen

Auch dieses Jahr wird der "Kulturhuef" an der "summerakademie" teilnehmen, die Kindern künstlerische Techniken vermittelt - Schablonenkunst, Linoldruck, Arbeiten mit Papier. Diese Kurse richten sich an alle Kinder, nicht nur die in Luxemburg. Selbstverständlich sind sie mehrsprachig, und Deutsch ist immer dabei. Dass die Leiterin polyglott ist, versteht sich. "Man muss in meiner Position viersprachig sein", sagt Monika Jakobs. Deutsch und Französisch sind für die Kontakte in Luxemburg zwingend, Englisch ist wichtig für die internationalen Beziehungen. Und das Letzebuergische? "Das spreche ich, wenn ich den Menschen hier am Ort nahe sein will." Und eher unvermutet kommt das Thema "Vergangenheit" zur Sprache. Ja, es gebe immer noch Vorbehalte gegenüber den Deutschen, sagt Monika Jakobs. Man müsse sie akzeptieren und auf die Leute zugehen. Und sich mit der Vergangenheit beschäftigen. "Noch nie bin ich mit der deutschen Geschichte so konfrontiert worden wie hier." Kulturhuef, 54, rue de Trèves, L-6793 Grevenmacher, Telefon 00352/2674641, www.kulturhuef.lu. Ausstellung "artmix 2" bis 18. Juni im Konschthaus "Beim Engel", 1, rue de Loge, L-1945 Luxembourg. Druckmuseum und spielkartenmuseum sind Dienstag bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen nach Anfrage. Die "summerakademie" findet in Luxemburg, Echternach, Larochette und Grevenmacher statt.

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