Anlässlich der Befreiung Überlebender des Vernichtungslagers Ausschwitz am 27. Januar 1945 hat der Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert zu einem Zwei-Mann-Theaterstück eingeladen.

Gedenken : Von Herzenskälte und Rachegelüsten

Anlässlich der Befreiung Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 hat der Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert zu einem Zwei-Mann-Theaterstück eingeladen.

Die Bühne mitten im Zuschauerraum schafft Nähe  – zu den Darstellern wie zum Geschehen, das Jahrzehnte zurückliegt. Die beiden Akteure kommen sich hingegen nur anfangs nahe auf den wie Laufstege durchs Publikum führenden Wegen. Ihre in Briefwechseln belegte Freundschaft endet erschreckend schnell und zieht den Tod zweier Menschen nach sich. Martin, dargestellt von Michael Raphael Klein, kehrt nach Jahren in Amerika 1932 zurück nach Deutschland, wo er sich bald distanziert von seinem jüdischen Geschäftspartner Max (Manuel Klein). Der Skeptiker  Martin wandelt sich zum Nationalsozialisten und Verehrer von Adolf Hitler und verweigert Max’ Schwester, mit der er einst liiert war,  die Hilfe, als diese  vor der SA flüchten muss und bei Martin Schutz sucht. Max verfolgt einen Racheplan.

Etwa 150 Besucher des Theaterstücks „Empfänger unbekannt“ erlebten das in einer Art Zeitraffer in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Anlässlich der sich zum 75. Mal jährenden Befreiung Überlebender des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 lud der Förderverein Gedenkstätte KZ Hinzert in die Gedenkstätte  ein.

Auch in Hinzert waren einige jüdische Bürger wie etwa aus Luxemburg inhaftiert, lenkte Vorsitzender Dieter Burgard den Blick zudem auf aktuelle Entwicklungen. Hetze und Morde wie in Kassel und Halle machten deutlich, dass sich Nazis heute „in anderem Gewand“ zeigten. Doch umso wichtiger sei es, Entwicklungen entgegenzuwirken, „die wir alle und unsere Nachkommen nie mehr erleben sollten“, mahnte der rheinland-pfälzische Beauftragte für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen.

Besucher, die das Zwei-Mann-Stück gebannt verfolgten, zeigten sich betroffen von dem Menschenleben fordernden Wandel einer Freundschaft.

Marlies und Jürgen Reinehr aus Föhren lobten die „sehr gelungene“ und ergreifende Aufführung. Als Beispiel nannten Hedwig Burgard aus Wittlich und Mariette Noelle aus Konz die sich erst zaghaft andeutende, letztlich aber tragische Entwicklung. „Schwer beeindruckt“ von der „hammerharten Kost“ würdigte Rolf Linn aus Trier auch das darstellerische Können.

Für Peter Szemere von der Jüdischen Gemeinde Trier war die Handlung nicht neu. Den zugrundeliegenden Briefroman von Kathrine Kressmann Taylor, 1938 in der New Yorker Zeitschrift „Story“ erschienen, las er schon vor einiger Zeit. Dennoch schockiere die Entwicklung und die „lebendige Darstellung heute“ mache absolut betroffen. Gesprochenes wirke intensiver als Gelesenes, lobte er die mitreißende Darstellung „als wenn es Realität wäre“. Geradezu „hineinfühlen in diese Freundschaft“ konnte sich Annette Münster-Weber, die zugleich sah, dass es anderen Besuchern, die ihr gegenübersaßen, ähnlich ging. Es sei erstaunlich, wie die Künstler „es verstanden haben, uns so nah dran kommen zu lassen“ und wie es Kunst gelinge, Dinge bewusst zu machen ohne anklagend zu wirken.